Syphilis-Gefahr im HSK - Warum Aufklärung so wichtig ist

2014 ließen sich 128 Personen im HSK wegen  eines begründeten Verdachts auf Syphilis testen.
2014 ließen sich 128 Personen im HSK wegen eines begründeten Verdachts auf Syphilis testen.
Foto: Imago
Immer mehr Menschen erkranken an der Geschlechtskrankheit Syphilis und immer weniger wissen über den Infektions- und Krankheitsverlauf Bescheid. Hatten sich die Zahlen noch bis 2008 stabilisiert, steigen sie seitdem bundesweit.

Meschede.. Im HSK ließen sich im Jahr 2013 wieder 86 Personen aufgrund eines begründeten Verdachts auf Syphilis testen, 2014 waren es schon 128. Einige von ihnen kamen später zur Behandlung in die Fachstelle für Sexuelle Gesundheit (STI) beim Hochsauerlandkreis. Dr. Barbara Binhold erklärt im Interview, warum auch heute noch ein so hoher Aufklärungsbedarf im Bereich der Geschlechtskrankheiten besteht.

Wie sehr sind junge Menschen über sexuell übertragbare Krankheiten im HSK aufgeklärt?

Dr. Barbara Binhold: Viele Schüler wissen, was es mit HIV und AIDS auf sich hat. Andere Geschlechtskrankheiten sind ihnen oft völlig unbekannt. Obwohl Chlamydien die weltweit am häufigsten auftretende Geschlechtskrankheit verursachen, haben nur sehr wenige von ihr gehört. Ebenso ist es mit Hepatitis B. Es gibt Unterschiede, was den Bildungsgrad angeht. Hoch belesene Schüler haben oft etwas mehr Kenntnisse.

Ist diese Unkenntnis, die Sie beschreiben, auch der Grund für den Anstieg der Syphilisinfektionen?

Gesundheit Dr. Barbara Binhold: Das ist durchaus auch möglich, diskutiert wird in Fachkreisen aber eine Vielzahl von Ursachen. Beispielsweise im Jahr 2013 haben 303 Menschen im HSK eine STI-Beratung zu sexuell übertragbaren Krankheiten in Anspruch genommen. Dabei musste leider festgestellt werden, dass selbst dann, wenn gezielt nach Syphilis-Infektionen gefragt wurde, über diese Zusammenhänge keinerlei Kenntnisse vorhanden waren. Syphilis ist wie andere sexuell übertragbare Krankheiten im Laufe der Jahre, in denen sie seltener wurden, in Vergessenheit geraten. Aufklärung ist aber besonders wichtig, da Syphilis in ihren vielfältigen Symptomen als das „Chamäleon“ unter den Erkrankungen gilt.

Wie erkennt man die Krankheit?

Dr. Barbara Binhold: Leider verlaufen sexuell übertragbare Erkrankungen, die durch Syphilisbakterien, Gonokokken, Chlamydien oder viele andere Erreger ausgelöst werden, zunächst häufig symptomfrei. Als Symptome können Fieber, Schmerzen, Brennen im Intimbereich oder auch Hautausschläge und geschwollene Lymphknoten auftreten, die die Betroffenen schließlich zum Arzt führen.

Lassen sich diese Geschlechtskrankheiten gut behandeln?

Dr. Barbara Binhold: Die erwähnten Erkrankungen sind gut behandelbar. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch die Gabe von Antibiotika nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für „Sexuelle Infektionen“. Die Behandlung wird allerdings nicht einfacher. Zum Beispiel haben die Gonokokken inzwischen Resistenzen gegen die üblichen Antibiotika entwickelt. Im letzten Jahr war außerdem über einen längeren Zeitraum das spezifische Antibiotikum zur Behandlung nicht verfügbar. Prävention wird daher immer wichtiger.

Aids Welche Maßnahmen zur Sensibilisierung unternimmt die Fachstelle Sexuelle Gesundheit?

Dr. Barbara Binhold: Im Rahmen des schulischen Sexualkundeunterrichtes wird unsere Fachstelle oft angefragt. Wir gestalten dann Stunden zu den Themen Verhütung, Liebe und Sexualität, HIV und AIDS. Zusäzlich versuchen wir auch durch eigene Aktionen möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene für das Thema zu sensibilisieren. So wurde beispielsweise anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2014 der Mitmachparcours „Gib Gummi“ im Gesundheitsamt Arnsberg angeboten, der von ca. 150 Schülern verschiedener Schulen durchlaufen wurde und der auch im Laufe eines Jahres häufig in Schulen als sexualpädagogisches Angebot eingesetzt wird. Inhaltlich konnten sich die Schüler auf spielerische Art mit Schwangerschaft, Verhütung und sexueller Gesundheit auseinandersetzen.