Storchennest zerstört - Bödefelder Verein erstattet Anzeige

Ein Schwarzstorchennest -  ein solches wurde
Ein Schwarzstorchennest - ein solches wurde
Foto: TA
Was wir bereits wissen
Der Streit um die Windkraft nimmt zu: In Untervalme - dem Grenzgebiet zu Bödefeld - ist bei der Durchforstung eines Waldstückes ein Schwarzstorchennest zerstört worden.

Bödefeld/Bestwig.. Das Storchennest lag im so genannten Vier-Länder-Eck von Olsberg, Bestwig, Winterberg und Schmallenberg. Ein Gebiet, das im Umkreis einer Windkraftkonzentrationszone liegt.

Die Zerstörung des Nestes hat die Untere Landschaftsbehörde bestätigt.

Schwarzstörche stehen unter Naturschutz, auch ihre Nester sind geschützt. „Gegen den betroffenen Grundstückseigentümer leitet der Hochsauerlandkreis deshalb jetzt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein“, erläutert Kreis-Pressesprecher Martin Reuther. Der Grundbesitzer erhalte zeitnah eine Anhörung.

Dass der Horst in einem „windkraftsensiblen Gebiet“ lag, bedeutet: Es gibt zwei Interessengruppen: die einen, die in der Nähe Windräder aufstellen möchten und die anderen, die das verhindern wollen, weil sie um die Sauerländer Natur und ihre Ruhe fürchten. Beide wissen, dass ein Schwarzstorch als Hindernis für solche Anlagen gelten kann.

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Der Verein für Umwelt- und Naturschutz Schmallenberg, der von Bödefeld aus mit 150 Mitgliedern gegen die Windkraft kämpft, hatte den Horst selbst im Juli mit vier Jungstörchen entdeckt und sah ihn als „Sechser im Lotto“. Kassierer Markus Meyer: „Der Schutzradius um das Nest hätte eine Ausweisung der Flächen in Winterberg und Schmallenberg unmöglich gemacht.“

Kein KO-Kriterium

Das sieht Helmut Hentschel, Klimamanager der Stadt Schmallenberg nicht so: „Störche sind kein KO-Kriterium.“ Denn wird ein Schwarzstorch auf einem potentiellen Windkraftgebiet lokalisiert, muss erst eine Artenschutzprüfung erfolgen, eine sogenannte Aktionsraumanalyse. „Dabei muss wissenschaftlich überprüft werden, welchen Aktionsradius das Tier hat.“ Im Klartext: Fliegt das Tier gar nicht Richtung Windrad, stören sich beide nicht.

Zurzeit haben die etwa 25 Schwarzstorchpaare, die ihre mächtigen Nester auf Bäumen errichten, das Sauerland bereits verlassen. Sie sind auf ihrer Reise nach Afrika. Doch die Tiere sind standorttreu - das bestätigt auch Werner Schubert, von der Biologischen Station des HSK, der sie über mehrere Jahre beobachtet hat. „10 bis 15 Jahre fliegen sie zum selben Horst.“ Manchmal verlassen sie ihn auch für ein paar Jahre, um dann doch wieder zurückzukehren. „Das kann mit der Nestpflege oder dem Nahrungsangebot zusammenhängen.“

Schubert weigert sich irgendwelche Vorverurteilungen auszusprechen. „So ein Horst, der kann auch bei Waldarbeiten aus Versehen zu Schaden kommen“, sagt er. Denn im Gegensatz zum Staatsforst gebe es keine festgelegte Schutzzone um die Storchennester. Trotzdem sei der Förster verpflichtet, den Wald zu kontrollieren, bevor er ihn durchforstet.

Für den Verein für Natur und Umweltschutz scheint der Fall klar: „Ausgerechnet nachdem der Regionalplan bekannt wurde, und klar wurde, dass das Gebiet für Windkraft geeignet sein könnte, wurden die Holzfällarbeiten vorgenommen“, sagt Meyer. Und auch die örtlichen Förster bestätigen auf Nachfrage: Es ist ungewöhnlich, dass man im August einen Buchenwald durchforstet, wenn die Blätter noch am Baum sind.

Der Verein für Umwelt-und Naturschutz Schmallenberg hat sich entschlossen Anzeige gegen Unbekannt zu stellen. Und das, obwohl Meyer gar nicht so schwarz sieht: Das Gebiet bleibe auch ohne Nest noch fünf Jahre geschützt - denn oft kommt der Storch einfach wieder.