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Sternsinger-Aktion ist kein Selbstläufer mehr

05.01.2016 | 10:00 Uhr
Sternsinger-Aktion ist kein Selbstläufer mehr
In den Dörfern sind die Gruppen meist noch groß. 40 Kinder waren in 2015 zum Beispiel in Remblinghausen als Sternsinger unterwegs..Foto: Privat

Meschede/Bestwig.   Während in manchen Gemeinden der demografische Wandel und Kirchenferne zuschlagen, haben andere keine Probleme, ausreichend Sternsinger zu finden. Doch die Sternsinger-Aktion ist kein Selbstläufer mehr.

In diesen Tagen ziehen sie wieder durch die Straßen - die Jungen und Mädchen, verkleidet als Weise, als Könige oder Sterndeuter. Mehrere Hundert werden es allein in unserer Region wieder sein, die unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein. Respekt für dich, für mich, für andere – in Bolivien und weltweit!“ von Tür zu Tür ziehen und um Spenden bitten. Während in manchen Gemeinden der demografische Wandel und Kirchenferne zuschlagen, haben andere keine Probleme, alle Straßen zu besetzen. Werbung ist allerdings wichtig. Denn die Sternsinger-Aktion ist kein Selbstläufer mehr.

Pastoraler Raum

Pastor Werner Spancken, der als Geistlicher die Sternsinger im Pastoralen Raum Meschede-Bestwig begleitet, beobachtet, dass es - gerade in den größeren Orten - immer schwieriger wird, die Jungen und Mädchen zu begeistern. „Süßigkeiten locken da nicht mehr.“ Im Pastoralen Raum habe man versucht, die Aktion als festen Bestandteil in die Kommunionvorbereitung zu integrieren. Die Gemeinden entscheiden dann aber selbst, wann die Kinder gehen. Das Geld fließt in diesem Jahr nach Bolivien, unter anderem auch in ein Projekt der Schwestern der Maria Magdalena Postel. „In einigen Vorbereitungsgruppe haben Schwestern das Projekt auch selbst vorgestellt. So wollen wir versuchen das Anliegen für die Kinder im wahrsten Sinn begreifbar zu machen.“

St. Walburga, Meschede

In St. Walburga haben die Organisatoren in diesem Jahr - gegen den Trend in den größeren Orten - keine Probleme, für den kommenden Samstag alle Straßen zu besetzen. „Wir sind in diesem Jahr sehr zufrieden“, sagt Thomas Fildhaut. „Es haben sich knapp 20 Gruppen gefunden, also rund 60 Kinder.“ Gemeinsam habe man Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse in den Schulen angesprochen und auch über die Kommuniongruppen bei den Eltern geworben. Die Kinder durften sich Straßen wünschen und die Nähgruppe der Gemeinde hat dabei geholfen, die passenden Kostüme herzurichten.“ In den vergangenen Jahren hatten sich Familien, die von den Sternsingern besucht werden wollten, in Listen eintragen müssen. „Das ist in diesem Jahr gar nicht nötig“, freut sich Fildhaut.

Mariä Himmelfahrt, Meschede

Anders sieht es in der zweiten großen Mescheder Gemeinde, in Mariä Himmelfahrt, aus. Dort gehen die Kinder heute und morgen die Straßen ab. Und es sind mit 39 deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. „Darunter sind nur etwa 12 von 24 Kommunionkindern. Wir werden nicht alle Straßen besetzen können“, bedauert Angelika Haude. Sie glaubt, dass es an den Eltern liegt. „Ich habe auch gehört, dass Eltern ihre Kinder, ,in diesen Zeiten’ nicht auf die Straßen schicken wollen. Auf Nachfrage,was das bedeute, hieß es dann, dass doch so viele Trickdiebe unterwegs seien.“ In ihren Augen ein seltsames Argument.

Velmede und Bestwig

„Die Luft wird dünner“, beobachtet auch Katja Streich aus Velmede. „Wenn die Erwachsenen nicht mitmachen würden, gäbe es die Aktion in dieser Form nicht mehr.“ Sie begleiten die Gruppen oder singen auch als dritter König in Verkleidung mit. In Bestwig sind rund 25 Sternsinger unterwegs, in Velmede etwa 30. Katja Streich organisiert die Velmeder Sternsinger-Aktion und hofft, dass auch alle am Samstag gesund erscheinen. „Früher bestand jede Gruppe aus bis zu fünf Kindern, wenn jetzt eins krank wird, kippt die ganze Gruppe.“ Die Demografie lässt Streich als Argument für die schwindende Kinderzahl nicht gelten. „Wenn alle mitgehen würden, hätten wir kein Problem.“

Am Termin könne es auch nicht liegen, meint sie. „Der ist angesichts der vielen Termine einer Familie mit Kindern immer schwierig.“ Die Bestwiger gehen am Mittwoch, die Velmeder am kommenden Samstag. Die Velmederin wünscht sich ein wenig mehr Unterstützung durch die Eltern. „Es wäre schön, wenn die Eltern ihren Kindern auch vermitteln würde, dass sie sich für eine gute Sache einsetzen.“ „Keine Lust“, scheint ihr als Argument da zu wenig.

Ute Tolksdorf

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2016-01-05 10:00
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