Staunende Politiker im neuen Stadtarchiv

Grevenstein..  Die Politiker staunten angesichts von Büchern, Handschriften, Urkunden und Zeitungsbänden: „Mit solchen Mengen habe ich nicht gerechnet“, gestand Bernd Martin, Vorsitzender des Ausschusses für Generationen, Bildung, Freizeit und Soziales, ein. Die Ausschuss-Mitglieder nahmen erstmals nach dem Umzug das neue Stadtarchiv in Grevenstein unter die Lupe.

Archivarin Ursula Jung hat die meisten Werke schon wieder eingeräumt. Aber da lagert Arbeit für Monate, vielleicht für Jahre: In dutzenden von Kartons liegen noch die Schätze, die der Lehrer Adolf Kleinschnittger der Stadt Meschede als Nachlass vermacht hatte. Jung kennt noch dessen Büchersammlung in seinem Haus an der Karolingerstraße – „vom Dachboden bis zum Keller, es war alles voller Regale und Bücher“. Jetzt liegt alles in Grevenstein, und wartet darauf, archiviert zu werden. Denn Kleinschnittger, 2012 im Alter von 102 Jahren gestorben, hinterließ seinen ganzen Bücherschatz der Stadt.

An der Stelle wird es schon politisch. Denn der Umzug des Stadtarchivs von Freienohl ab November 2014 in die leer stehende, ehemalige Grundschule in Grevenstein ist nicht unumstritten – gerade unter Heimatfreunden, die eine zentrale Unterbringung in Meschede gewünscht hätten. Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch sagt: „Eine Kleinschnittger-Sammlung hätten wir in Freienohl keineswegs unterbringen können.“ In Freienohl war alles über drei Etagen verteilt, in Grevenstein ist reichlich Platz – ebenerdig und barrierefrei.

Es kommen weniger Schüler

Ist das Stadtarchiv in Grevenstein tatsächlich zu weit entfernt? Laut Stadtverwaltung nicht, etwa zehnmal am Tag gebe es schließlich auch aus Meschede Zug-/Busverbindungen nach Grevenstein. Archivarin Jung muss aber einräumen, dass seit dem Umzug weniger Schüler ins Stadtarchiv gekommen seien: „Das ist eingebrochen.“ Waren es früher in Freienohl etwa 30 Schüler pro Monat, die kamen, um sich Material für ihre Facharbeiten zu besorgen, sind es nach dem Umzug bislang nur zwei gewesen. Denkbar, meint Jung, dass da auch die Umstellung der Gymnasiasten auf G 8 eine Rolle spielt: Die sind jünger und haben noch keinen Führerschein, verzichten also lieber auf ein geschichtliches Thema und die Fahrt nach Grevenstein. Rückläufig ist auch die Zahl älterer Besucher: „Die Zahlen gehen mangels Anliegen zurück – alle Chroniken sind geschrieben.“ Denkbar ist aber auch die Erklärung ihrer Vorgesetzten Gisela Bartsch: „Das muss sich erst einmal herumsprechen und einspielen mit dem neuen Standort. Nach einer Durststrecke wird es besser.“

Immer gern gesehen sind ehrenamtliche Helfer, die im Stadtarchiv mitarbeiten möchten. Die Anforderungen? „Man sollte nicht erschreckt sein, wenn man ein Buch sieht“, meint Ursula Jung ironisch. Wer sich für geschichtliche Themen interessiert, ist herzlich willkommen – bitte im Rathaus melden, unter 0291 /205 166.