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Starke Banken

20.01.2015 | 18:23 Uhr
Starke Banken
Sie stellten die Bilanzen der Genossenschaftsbanken im Hochsauerlandkreis vor: Von links die Vorstände Ferdinand Klink (Volksbank Thülen), Jürgen Dörner (Volksbank Sauerland) und Dirk Lüddecke (Volksbank Marsberg).Foto: Jürgen Kortmann

Meschede/Hochsauerlandkreis.   Die sieben Genossenschaftsbanken im Hochsauerlandkreis haben ihre Marktposition weiter ausbauen können. Die Kundengeschäfte stiegen um 189 Millionen Euro auf fast sechs Milliarden.

Trotz niedriger Zinsen insgesamt weiter auf Wachstumskurs – mit dieser Bilanz blicken die sieben Genossenschaftsbanken im Hochsauerlandkreis auf 2014 zurück. Sie haben ihre starke Marktstellung ausbauen können: Auffallend ist dabei vor allem die Steigerung um 189 Millionen Euro auf fast sechs Milliarden Euro beim Kunden-Gesamtvolumen, also allen Kundengeschäften.

„Distanzbanken“ im Internet

Den Wettbewerb mit den Internet-Banken haben die Volksbanken Sauerland, Bigge-Lenne, Brilon, Marsberg, Reiste-Eslohe und Thülen sowie die Spar- und Darlehnskasse Oeventrop selbstbewusst aufgenommen. Dirk Lüddecke, Vorstand der Volksbank Marsberg, bezeichnet die Internet-Direktbanken als „Distanzbanken“, denn: „Wenn etwas schiefläuft, dann ist schwer dranzukommen.“ Die Genossenschaftsbanken haben selbst 7270 Online-Kunden hinzugewonnen (jetzt 52 265): Da verändert sich gerade eine Generation an Kunden, beobachtet Jürgen Dörner, Vorstand der Volksbank Sauerland. Die heimischen Banken geben sich auch mit Blick auf die Internet-Konkurrenz selbst als Ziel: „Wir wollen die Nummer eins bei Beratung werden“, sagt Ferdinand Klink, Vorstand der Volksbank Thülen. Lüddecke, Dörner und Klink stellten die Bankbilanzen heute bei einer Pressekonferenz in Meschede vor.

Eigenkapital wird genutzt

Die Kreditvergabe stieg um 38,5 Millionen Euro (bei gleichzeitigen Tilgungen von 150 Millionen): 60 Prozent der Kredite entfielen auf den gewerblichen, 40 auf den privaten Bereich. Die Bürger nutzen die Kredite für die Aufwertung und Sanierung ihrer Immobilien, denn „neu gebaut wird im Sauerland nicht mehr so viel“, so Jürgen Dörner. Bei den Unternehmen hätte er sich „mehr Drive erwünscht“: Die investieren zwar in Forschung und Entwicklung, weniger aber in den klassischen Bau von Werkshallen. Hinzu kommt: Betriebe haben, wie gewünscht, in den letzten Jahren ihr Eigenkapital aufgestockt – jetzt fließt dieses als Eigenfinanzierung für Investitionen ab.

Zurückhaltende Unternehmen

Die Banken beobachten seit Mitte 2014 eine Zurückhaltung in der Wirtschaft bei Investitionen – trotz Niedrigzinsen. Schuld daran seien die politischen Konflikte, insbesondere zwischen Russland und der Ukraine. Das verunsichert: „Die großen politischen Themen spielen bis in unsere Betriebe hinein“, sagt Dirk Lüddecke. Benötigt werde „politische Sicherheit für zukünftige Investitionen“.

Keine Spekulationen

Angesichts niedriger Zinsen wird von privater Seite konsumiert. Gegenüber dem Aktienmarkt, um sich Erträge zu sichern, herrscht dagegen Zurückhaltung: „Der Sauerländer tut sich schwer, in den Dax zu investieren“, weiß Jürgen Dörner. Ein Sauerländer spekuliere nicht. Gefragt ist Sicherheit. Auch hier wollen die Banken mit Beratung punkten: Hier wechsele eben nicht ständig ein Ansprechpartner, Kunde und Berater würden sich kennen.

Vermögen aufteilen

Und wie erzielen Sparer noch eine Rendite? Wie kann die Altersvorsorge gesichert werden, wenn die gesetzliche Rente absehbar nicht ausreicht? Ferdinand Klink rät, sich nicht auf eine Anlageform zu konzentrieren, sondern Vermögen langfristig aufzuteilen: „Früher hat man Sparbriefe gekauft und bei Fälligkeit neue. Das ist komplexer geworden.“ Der Kunde verlange Sicherheit. Und da schließt sich der Kreis für die Banken: Es komme auf eine gute Beratung an.

Weniger Kunden

Leicht rückläufig ist um minus 1,2 Prozent die Kundenzahl der Banken auf 161 538. Jürgen Dörner führt das auf die Demographie zurück. Benötigt würden, so Dörner, „vernünftige Rahmenbedingungen, um die Leute hier in der Region zu halten“. Das Angebot von Internetbanken sei keine Erklärung für die rückläufige Zahl, meint Dirk Lüddecke: Die Beobachtung sei vielmehr, dass Kunden nie komplett zu diesen Internetbanken gingen, sondern nur „Schnäppchen“ dort nutzten. Man bemerke sogar eher einen „umgekehrten Trend“: Weg von der Internetbank und die Kehrtwende zur Bank vor Ort, wo die Bindung größer sei.

Spenden und Steuern

Nicht zu vergessen bei der Banken-Bilanz: Die Bürger und die Kommunen profitieren mit. Die Bürger durch 538 000 Euro an Spenden, die 2014 verteilt wurden – immer unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. In diesem Jahr sollen schwerpunktmäßig Grundschulen gefördert werden. Und die Städte und Gemeinden profitieren durch die Banken als Steuerzahler: 7,2 Millionen Euro im letzten Jahr (minus 300 000 Euro). Auch hier ein kleiner Seitenhieb gen Internet: „Wir zahlen die Steuern hier – und nicht irgendwo auf der Welt“, betont Jürgen Dörner.

Jürgen Kortmann

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2015-01-20 18:23
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