Stadt Meschede reagiert gelassen auf Proteste am Zaun

Neuer Protest am Bauzaun vor dem leerstehenden Hertie-Gebäude in Meschede: Ein Plakat mit Investor Hubert Bövingloh und Bürgermeister Uli Hess: Die Abkürzungen werden im Internet verwendet und bedeuten sinngemäß „Ich wälze mich vor lachen auf dem Boden“ (links) und „Ich lache mich tot.
Neuer Protest am Bauzaun vor dem leerstehenden Hertie-Gebäude in Meschede: Ein Plakat mit Investor Hubert Bövingloh und Bürgermeister Uli Hess: Die Abkürzungen werden im Internet verwendet und bedeuten sinngemäß „Ich wälze mich vor lachen auf dem Boden“ (links) und „Ich lache mich tot.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es begann mit ein paar Blümchen, inzwischen werden immer mehr Plakate am Bauzaun vor dem leer stehenden Hertie-Gebäude angebracht.

Meschede..  Es begann mit ein paar Blümchen, inzwischen werden immer mehr Plakate am Bauzaun vor dem leer stehenden Hertie-Gebäude angebracht. Mescheder protestieren damit auf kreative Weise gegen den eingezäunten Winziger Platz. Sie halten die Maßnahme für nutzlos, weil die Arbeiten für das Meschede-Center immer noch nicht begonnen haben, auch am Projekt selbst zweifeln sie.

Für Aufregung sorgte zwischenzeitlich unter den Aktivisten, dass ein Plakat wieder abgehängt worden ist: „Hier entsteht das neue Meschede-Center / Eröffnung noch vor Weihnachten 2325“ stand provokativ darauf. Das Wort „Zensur“ machte die Runde, die Stadt Meschede wähnten einige in Verdacht - doch: weit gefehlt. „Dass dort Fotos, Papierblumen, Plakate oder Sonstiges aufgehängt werden, sieht die Stadt Meschede keineswegs als störend an – im Gegenteil: Ähnlich wie schon die Blumenschuhe vor zwei Jahren zeigen solche Aktionen, dass Bürger sich mit dem auseinandersetzen, was in ihrer Stadt passiert“, teilte Pressesprecher Jörg Fröhling auf Anfrage unserer Zeitung mit. Es sei auch nichts durch die Stadt Meschede entfernt worden.

„Es wäre schlimm, wenn dabei nicht auch Kritik geäußert werden dürfte – das ist schließlich fundamentaler Bestandteil einer Demokratie. Auch früher sind schon Bauzäune gestaltet worden – z.B. durch Schulen. Deshalb ist die Aktion auch eigentlich nicht neu. Sie ist sicher aber kreativ, sympathisch und regt zum Schmunzeln an“, erklärte er. Dabei hat die Stadt Meschede sogar das Eigentum an dem Bauzaun: Sie hätte formal das Recht, die Dinge zu entfernen.

Fröhling mahnte allerdings: „Natürlich müssen bei solchen öffentlichen Aktionen auch Recht und Gesetz gewahrt bleiben: Persönlichkeitsrechte müssen geachtet werden, niemand sollte verunglimpft werden und auch nichts angepriesen werden, was in irgendeiner Weise illegal ist.“ Aus Sicht der Stadt Meschede sei das aktuell aber nicht der Fall. Dennoch ging Fröhling damit indirekt auf derb-ironische Darstellungen ein: ein Investor Hubert Bövingloh mit Karnevalskappe, der „Tätää, Tätää, Tätäääää“ ruft, oder ein Bild gemeinsam mit Bürgermeister Uli Hess und bissigen Kommentaren.

Auf die Außenwirkung achten

Wie Fröhling betonte, sollten sich allerdings alle darüber im Klaren sein, dass öffentliche Aktionen auch öffentlich wahrgenommen werden und eventuell auch Auswirkungen haben: „Wenn zum Beispiel der Eindruck vermittelt würde, dass sich Engagement oder Investitionen in Meschede nicht lohnen, weil der Bürger alles ablehnt, wäre das etwas, was nachhaltig negative Auswirkungen für Projekte haben könnte, die eigentlich der Stadt und ihren Bürgern nutzen sollen.“