Sprüche von Goethe und Mark Twain zieren Bestwiger Bahnhof

Am bunt gewordenen und mit Zitaten versehenen Bestwiger Bahnhof: Von links Wilfried Sendler, Adelheid Bamfaste, Boris Peucker, Ralf Péus, Stefan Schleich und Norbert Arens.
Am bunt gewordenen und mit Zitaten versehenen Bestwiger Bahnhof: Von links Wilfried Sendler, Adelheid Bamfaste, Boris Peucker, Ralf Péus, Stefan Schleich und Norbert Arens.
Foto: Verena Köster
Was wir bereits wissen
Reisende müssen in Bestwig nicht auf weiße Wände starren: Der Bahnhof ist bunt geworden, dazu sind Sprüche zu lesen.

Bestwig.. „Die beste Bildung erfährt ein gescheiter Mensch auf Reisen“ – dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe verschönert jetzt auf orangem Hintergrund den Bestwiger Bahnhof. Auch lila, grün und blau verzieren die Wand. Neben Goethe kommen Mark Twain und Wilfried Schmickler zu Wort. „Ein Reisender ist ein Mensch, der sein Leben in vollen Zügen genießt“ – unbekannter Verfasser. Das Ganze ist aber nicht von Graffiti-Sprayern in einem intellektuellen Wahn entstanden, tatsächlich stecken die Gemeinde Bestwig und die Tourist-Information dahinter. Die Idee kam vom Bestwiger Dieter Gerhard, der vor allem das Thema Reisen einbringen wollte.

Motivation zum Reisen

Norbert Arens von der Tourist-Information möchte, dass sich die Menschen daran erinnern, wo sie waren und nicht bloß eine weiße Wand anstarren, wenn sie warten oder im Zug daran vorbeifahren. Er findet, dass Reisen, was alle Zitate thematisieren, und Bahnhof sehr gut zusammenpassen.

Sein persönliches Lieblingszitat ist von Mark Twain auf lilanem Hintergrund: „Reisen ist tödlich für Vorurteile“. „Man denkt über dieses Zitat nach und bemerkt dann, dass man sich ja gerade selbst auf Reisen befindet“, sagt Norbert Arens. Die Menschen sollen zusätzlich motiviert werden, mehr zu reisen, denn schon Wilhelm Busch wusste: „Mensch, sei zeitig weise, höchste Zeit ist’s: Reise reise!“. Bestwigs Bürgermeister Ralf Péus hat außerdem die Hoffnung, dass keine weitere Farbe in Form von Graffitis an die Wand kommt, wenn sie schon anderweitig verziert ist.

Das Projekt wurde finanziert von den Hauseigentümern des Gebäudes und der Dorfgemeinschaft Velmede-Bestwig mit der Vorsitzenden Adelheid Bamfaste.

Viele Bestwiger können sich bestimmt noch an den Bahnhof vor einigen Jahren erinnern. Ein vernachlässigtes Gebäude mit eingeschlagenen Scheiben, Graffitis an der Wand und leerstehendem Nebengebäude. Das Haus musste sich zusammen mit vielen anderen Bahnhöfen in ganz Deutschland ein finanzielles Budget teilen. „Da werden natürlich nur die Rosinen rausgepickt, also die Bahnhöfe in den großen Städten“, sagt Ralf Péus. Die Renovierungsarbeiten wurden sofort begonnen und Bestwig freut sich nun über einen schönen und gepflegten Bahnhof. „Wir haben eine Million Euro investiert“, sagt Wilfried Sendler.

Längst kein Schandfleck mehr

Die Bahn beteiligte sich, indem sie die zwei Bahnsteige erneuerte und eine Überführung baute. Der Bahnhof ist also längst nicht mehr der Schandfleck Bestwigs, den man im Dunkeln am liebsten vermeidet. Die Tourist-Information im Innern des Gebäudes stellt nun einen wichtigen Anlaufpunkt dar und macht den Bahnhof zu einem zentralen Ort in Bestwig.