„Spionage wird es immer geben“

Hallenberg.  . „Es ist nie schön, wenn man sich streitet. Aber meine Freundin und ich sind nicht getrennt. Wir haben die Sache einem Anwalt übergeben, weil in den Medien Behauptungen erhoben wurden, die so einfach nicht wahr sind.“ Vieles werde sich in den nächsten Tagen aufklären. So viel sagte der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Patrick Sensburg am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang der Stadt Hallenberg zum angeblichen Streit mit seiner Freundin, der vor einigen Tagen durch die Medien ging. Und mehr ließ er sich auch später in lockerer Gesprächsrunde unter 320 Gästen nicht entlocken.

Ausführlicher und interessanter war Sensburgs Bericht über seine Arbeit als Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses. Sein Fazit: Jeder sollte sehr genau über den Umgang mit persönlichen Daten nachdenken. „Stellen Sie sich einmal vor, was man alles über den Bundeskanzler in 30 Jahren ergooglen können wird.“ Und: Das Ausspähen von Daten in der Wirtschaft ist ein gigantisches Problem, für das Lösungen gefunden werden müssen.

„Spionage hat es immer gegeben und wird es immer geben. Schon in der Steinzeit hat man sich abgeguckt, wie der andere in seiner Höhle Feuer macht. Im heutigen digitalen Zeitalter sind Daten das neue Gold und Öl des 21. Jahrhunderts“, so der 43-Jährige. Nicht zuletzt das Attentat in Frankreich zeige, wie wichtig und sinnvoll geheimdienstliche Arbeit sei. Entscheidungen könnten nicht anhand von Medienberichten getroffen werden, sondern nur von Diensten, die der parlamentarischen Kontrolle unterliegen.

Der Untersuchungsausschuss sei kein Snowden-Gremium. Anfangs habe sich die Arbeit immer auf diese eine Person konzentriert. Letztendlich gehe es aber gar nicht darum, ob andere Länder wie die USA oder England böse seien, weil sie Daten sammelten. Das Kernthema des Ausschusses liege vielmehr in der Wirtschaft. Es sei erschreckend, wie leichtsinnig Firmen mit vertraulichen Unterlagen umgingen und sie mitunter unverschlüsselt durchs weltweite Netz jagten. Der wirtschaftliche Schaden durch organisiertes Ausspähen von Daten betrage allein in Deutschland jährlich rund 12 Milliarden Euro. Das mache deutlich, wie sehr das Thema auch den HSK als starke Wirtschaftsregion berühre.

Konzepte entwickeln

Früher habe niemand seine gewinnbringenden Erfindungen ins Schaufenster gestellt, heute seien sie mitunter weltweit zugänglich. Sensburg: „Wenn wir wollen, dass wir in den Bereichen, in denen wir wirtschaftlich stark sind, unsere Stellung nicht verlieren, dann müssen wir dafür Konzepte erarbeiten.“ Im IT-Bereich habe Deutschland schon Boden verloren. Die Frage der Zukunft laute z.B. nicht, ob der Motorblock eines Autos hochwertig verarbeitet sei, sondern mit welchem Betriebssystem das Auto der Zukunft fahre.