Sorge um die Gesundheit der Kinder
08.11.2011 | 17:38 Uhr 2011-11-08T17:38:00+0100
Bestwig.Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit. Inzwischen macht sogar eine Bürgerinitiative mobil. Die Weihnachtsbaumplantagen sorgen im Sauerland momentan für Diskussionen - besonders in der Gemeinde Bestwig.
Vor wenigen Wochen hat sich in der Gemeinde die „Bürgerinitiative giftfreies Sauerland“ gegründet. Die Mitglieder sorgen sich: In Bestwig und in den angrenzenden Gemeinden habe der Anbau von Weihnachtsbaumkulturen seit Orkan Kyrill im Jahr 2007 ein Ausmaß von unglaublicher Größe angenommen.
Und damit sei entsprechend auch die Menge der eingesetzten Spritzmittel erheblich angestiegen. „Wenn man bedenkt, dass in der Gemeinde Bestwig allein tausende von Hektar mit Weihnachtsbäumen bepflanzt sind, bedeutet das im Jahr auch viele tausende Liter Spritzmittel, die hier ausgebracht werden“, argumentiert die Bürgerinitiative. Daher habe man Angst um die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kinder und befürchte „eine Vergiftung der Natur“.
Bereits seit Jahrzehnten werden im Sauerland Weihnachtsbäume angebaut. Eine Tradition, die seit Orkan Kyrill im Jahr 2007 aus Sicht der Bürgerinitiative problematisch geworden ist. Viele Flächen, die vorher hochstämmiger Wald waren, seien einplaniert und in Monokulturen umgewandelt worden.
Rechtlich ist das durchaus in Ordnung. Denn: Die Weihnachtsbaumkulturen gelten nach dem Gesetz als Wald. Die Bürgerinitiative spricht daher von erheblichen Lücken im Landesforstgesetz und fordert ein schnelles Handeln der Politik. Einen ersten Schritt machen nun die Bestwiger Christdemokraten. Sie laden für den heutigen Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung in den Bürgersaal des Rathauses. Ab 19.30 Uhr soll das Thema hier von allen Seiten beleuchtet werden.
Zu Wort kommt an diesem Abend neben der Bürgerinitiative u.a auch der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (wir berichteten). Mit dabei sind ebenfalls der heimische Landtagsabgeordnete Hubert Kleff sowie führende Vertreter und Fachleute der Landwirtschaftskammer, des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe, der unteren Landschaftsbehörde, der Forstbehörde und der Hochsauerlandwasser GmbH.
Alle Bürger sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.
06:14
Wie entstand der Weihnachtsbrauch, sich ab dem 21. Dezember, dem Thomastag, einen Weihnachtsbaum zur festlichen Schmückung seines Wohnzimmers ab Heiligabend zu besorgen? Immergrüne Pflanzen verkörperten bereits in der römischen Antike Fruchtbarkeit und Lebenskraft, und daran glaubten die Menschen in früheren Zeiten, sich auf diesem Wege gegenseitig Gesundheit ins Haus zu holen, wenn man sein Zuhause mit Grünem schmückte. So wurden in Nordeuropa im Winter schon frühzeitig Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen und Einnisten zu erschweren, gleichzeitig gab das Grün Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings. Geschichtlich belegt stehen ab 1521 die ersten Weihnachtsbäume in den Häusern der vornehmen Bürger und dienen als weihnachtlicher Schmuck. Anno 1539 schmückt der Weihnachtsbaum nachweislich die erste Kirche: das Straßburger Münster - das damals höchste Bauwerk der Menschheit. Aber erst im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Weihnachtsbaumbrauch von Deutschland aus über die ganze Welt. Mittlerweile stehen in Deutschlands Stuben an Weihnachten bis zu 27 Millionen Weihnachtsbäume. Sie werden vor allem in Weihnachtsbaumplantagen im Sauerland, dem sog. Weihnachtsbaumland, gezüchtet und angebaut. Seit Kyrill 2007 haben sich die Anbauflächen für Weihnachtsbäume erheblich vergrößert. Sehr bedenklich ist dabei u. a. der zunehmende Einsatz von Pestiziden als Spritzmittel für Weihnachtbäume, die dadurch bedingt bei längerem Verbleib im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer nicht nur den Raum kontaminieren, sondern auch die Gesundheit ihrer Bewohner im höchsten Maße beeinträchtigen können. Deshalb sollten nur Weihnachtsbäume aus nachgewiesenem ökologischen Anbau gekauft und verwendet werden. Darüber hinaus stellen pestizidverseuchte Weihnachtbäume gerade für den Menschen und die Natur-, Wander-, Gesundheits- und Tourismusregion Sauerland einen kaum mehr gutzumachenden Imageschaden dar. Dieser Imageschaden ist dabei um ein vielfaches größer als die zu unrecht verteufelten Windkrafträder, die in der Natur des Sauerlandes aufgrund der Energiewende vermehrt aufgestellt werden.