So viel gelesen, wie der Küppelturm hoch ist

Freienohl..  Für ihr Projekt haben die Freienohler Kinder die „Küppel“-Maßeinheit erfunden: Ein Küppel entspricht zehn Zentimetern. Die Jungen und Mädchen haben jetzt so viel gelesen, dass es bis hinauf zum Küppelturm reicht – 25 Meter hoch!

Die Anregung dazu hatte die Katholische öffentliche Bücherei gegeben. Sie feierte gerade ihr 150-jähriges Bestehen. Dazu griff sie eine Idee der Kinderbuchautorin Ursel Scheffler auf, die mit ihren „Büchertürmen“ das Lesen wieder mehr in den Alltag von Kindern rücken möchte: Sie war darauf gekommen, als sie gelesen hatte, dass ihre Heimatstadt Hamburg bei der „Pisa-Studie“ im Lesetest so schlecht abgeschnitten hatte. Sie erfand dafür als Trainingseinheit das „Pisa“, 100 Millimeter jeweils am Buchrücken gemessen.

In Freienohl machten die 180 Kinder der St.-Nikolaus-Grundschule mit, ebenso die 87 vom St.-Nikolaus-Kindergarten und 58 vom „Regenbogen“-Kindergarten. Der Startschuss war beim letzten Küppelfest gefallen: Seitdem wurde gelesen und gelesen, vorgelesen und vorgelesen. „Die Kinder waren so begeistert dabei“, sagte gestern Manuela Zängle vom Bücherei-Team.

Sponsoren belohnen Lesefreude

Gestern war ein besonderer Tag, denn da belohnten der SPD-Ortsverein Freienohl, die Sparkasse und der Förderverein Freiheit Freienohl als Sponsoren die Lesefreude: Es gab jeweils 200 Euro für die Schule und die beiden Kindergärten. Hamburg und Münster beispielsweise hätten auch schon bei den „Büchertürmen“ mitgemacht, da hätte sich Freienohl wegen seiner Größe ja automatisch auch angeboten, schmunzelte Karl-Heinz Bosgraaf von dem Förderverein. Auch er schwärmte: „Ihr seid super gewesen. Das war eine enorme Leistung.“

Jürgen Lipke von der SPD bekannte, selbst bei jeder Gelegenheit ein eifriger Leser zu sein – auch bei jeder Zugfahrt und auch in den Ruhephasen beim Sauna-Besuch. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, gab er den Kindern auf den Weg.

Morgens in Kuschelecken begonnen

Symbolisch hatte Ortrud Kordel vom Bücherei-Team für die Kinder einen nur fünf Küppel großen Bücherstapel aufgebaut – und ein Schullineal daran gehalten. Die Kinder sollten sich vorstellen, welche Leistung sie vollbracht hatten: „Und immer, wenn ihr jetzt hinauf zum Küppelturm schaut, seht ihr, wie hoch ihr beim Lesen gekommen seid.“ Während die Grundschulkinder selbst gelesen haben, wurde in den Kindergärten eifrig vorgelesen – wenn man bedenkt, wie schmal ein Bilderbuch ist und wie wenige „Küppel“ es ergibt, kann man erahnen, wie viel Lektüre hier in der letzten Zeit verschlugen wurde.

In den Kindergärten begann das schon morgens in den Kuschelecken, berichteten Marlies Jürgens vom Kindergarten St. Nikolaus und Barbara Henke-Heutiling vom „Regenbogen“. Im „Regenbogen“ werden die 200 Euro übrigens in neue Bücher investiert – da gibt es also noch mehr Lesestoff. Und im St.-Nikolaus-Kindergarten wird ohnehin schon weitergelesen – da ist gerade, im Vorfeld von Karneval, das „Dschungelbuch“ das Thema.

Und auch, wenn jetzt der Küppelturm „erlesen“ ist, gibt es noch weiteres Potenzial: „Da sind ja noch die Kirchtürme...“, meinte Ortrud Kordel.