Sicherheitsfragen neu stellen

Die frei lebenden Wisente ziehen immer wieder von einer Seite des Rothaarkamms auf die andere, von Siegen-Wittgenstein ins Schmallenberger Sauerland – und müssen dabei zwangsläufig auch Straßen überqueren. Deshalb dürfte das Foto von einem Wisent mitten auf der Straße, das uns ein Leser hat zukommen lassen, keine ungewöhnliche Szene darstellen. Zu einem Unfall ist es bisher zum Glück noch nicht gekommen.


Fraglich ist, ob ein Zusammenstoß mit einem Wisent rechtlich genauso zu werten wäre, wie ein Wildunfall mit einem Reh oder Wildschwein. Wer müsste dann haften? In jedem Fall dürften die Auswirkungen für den betroffenen Auto- oder Motorradfahrer deutlich heftiger ausfallen, Zusammenstöße mit Kühen oder Pferden zeigen, dass die Insassen eines Pkw bei so großen Tieren einer erheblich größeren Gefahr ausgesetzt sind, unter Umständen sogar zu Tode kommen können.


Vor rund drei Jahren, als die Wisente erstmals an Kreisstraßen auftauchten, hatte der damalige Landrat von Siegen-Wittgenstein Geschwindigkeitsbegrenzungen an den entsprechenden Abschnitten angeregt, die aber nicht zustande kamen. Seitdem haben die Wisente weitere Gebiete und andere Strecken für sich entdeckt. Deshalb sollte eine solche Prüfung jetzt noch einmal stattfinden – zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.


Bis dahin gilt, was die Verkehrswacht bei allen Strecken mit vermehrtem Wildwechsel rät: Fahrer sollten wachsam sein, ihre Geschwindigkeit anpassen und im Falle einer Begegnung mit einem Tier auf keinen Fall ausweichen, sondern so stark es geht abbremsen.