„Schutz vor Masern nur durch Impfung“

In den vergangenen fünf Jahren sind im Kreisgebiet keine Fälle von Hirnhaut-Entzündungen bekannt geworden. Generell zeigt die Impfquote eine gute Entwicklung.
In den vergangenen fünf Jahren sind im Kreisgebiet keine Fälle von Hirnhaut-Entzündungen bekannt geworden. Generell zeigt die Impfquote eine gute Entwicklung.
Foto: Archiv/dpa
Dr. Barbara Binhold: Impfquote im Hochsauerlandkreis zeigt eine positive Entwicklung – die Empfehlung der WHO ist erreicht.

Meschede..  Ob Impfen nötig ist oder überflüssig und sogar gefährlich, wird in Deutschland immer wieder diskutiert. Wenn jedoch eine Krankheit, die als beinahe ausgerottet galt, wieder um sich greift und sich – wie vor einiger Zeit in Berlin – viele Eltern wünschten, sie hätten ihre Kinder doch geimpft. Auch im HSK gibt es Impflücken. Dr. Barbara Binhold ist im HSK unter anderem für den Infektionsschutz zuständig. Sie erklärt im Interview, warum diese Lücken trotzdem nicht besorgniserregend sind.

Frage: Wie ist das Impfverhalten der Menschen im HSK? Gibt es auch hier große Impflücken?

Dr. Barbara Binhold: Unsere Zahlen lassen nur Rückschlüsse darauf zu, wie viele Kinder geimpft wurden. Ich beziehe mich jetzt auf die im September 2014 durchgeführte Impfstands-Erhebung in den siebten Klassen der Haupt-, Realschulen und Gymnasien. Dort fanden wir Impflücken im Bereich der Meningokokken-C und der HPV-Impfung. Die geringe Durchimpfungsrate der HPV-Impfung erklärt sich durch eine neue Impfempfehlung der ständigen Impfkommission (STIKO). Kurz vor unserer Analyse im August 2014 wurde die Altersempfehlung für die HPV-Impfung herabgesetzt. Demnach sollen Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren und nicht wie zuvor zwischen zwölf und 17 Jahren gegen HPV geimpft werden.

Wie ist die Entwicklung der Impfquote im HSK?

Dank der sehr guten Arbeit und Zusammenarbeit der niedergelassenen Kollegen und des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes des HSK ist die Entwicklung positiv zu bewerten. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die Masern-Mumps-Röteln-Impfung. Hier empfiehlt die WHO eine mindestens 95-prozentige Durchimpfungsrate, die der Hochsauerlandkreis in diesem Jahr erreicht hat.

Hat es in der Vergangenheit dementsprechend wenig Fälle von Impfkrankheiten gegeben?

In den letzten fünf Jahren sind im HSK keine Fälle von Hirnhaut-Entzündungen aufgetreten, die durch Meningokokken-C hervorgerufen wurden. Masern sind im HSK in diesem Jahr bisher einmal und 2014 gar nicht aufgetreten. 2013 wurden drei und im Jahr davor ein Fall gemeldet. Eine höhere Anzahl an Masernerkrankten fand sich 2011. Dabei handelte es sich aber um ein örtlich begrenztes Geschehen. Einen Schutz vor Masern erhält man nur durch eine Impfung.

Warum wollen einige Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen?

Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, führen häufig Impf-Reaktionen als Gründe an. Nach einer Impfung können Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle auftreten. Zusätzlich kann es auch zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Unwohlsein kommen. Solche Reaktionen sind jedoch eher als Zeichen eines guten Immunsystems zu werten, da es sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Die Beschwerden klingen nach wenigen Tagen ab. Sogenannte schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind dagegen sehr selten. Es gibt aber auch andere Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen. War ein Kind zur Untersuchung beispielsweise krank, so wird die Impfung verschoben. Auf diese Weise werden einzelne Impfungen manchmal von den Eltern vergessen.