Schutz für behinderte Mädchen und Frauen

Meschede..  Mehr als 100 Teilnehmer haben sich am Fachtag „Behinderung und Gewaltschutz“ im großen Sitzungssaal des Kreishauses beteiligt. Sie waren damit einer Einladung der Frauenberatungsstelle Meschede gefolgt, die sich im Rahmen des dreijährigen „Suse“-Projektes für den Schutz von Frauen und Mädchen mit Behinderungen vor Gewalt stark macht.

Hintergrund des Projektes ist eine Studie aus dem Jahr 2012. Sie hatte ergeben, dass Frauen mit Behinderungen in weitaus höherem Maß von allen Formen von Gewalt betroffen sind als nicht behinderte Frauen.

Fachleute verschiedener Bereiche

Viele Träger der Behindertenhilfe aus dem ganzen Hochsauerlandkreis beteiligten sich an der Veranstaltung - ebenso kamen auch Fachleute aus den verschiedensten Bereichen von Politik und Verwaltung. Und auch die Menschen mit Behinderungen selbst nahmen teil: „Es ist wichtig, mit uns zu sprechen und nicht nur über uns“, so eine Teilnehmerin aus dem Josefsheim Bigge als Expertin in eigener Sache.

Inhaltlich begann der Fachtag mit einem kurzen Vortrag über die Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen, insbesondere in Bezug auf ihre Gewalterfahrungen. Eine Vertreterin des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sowie zwei Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Meschede stellten dann das Projekt Suse auf regionaler und überregionaler Ebene vor.

Daran anschließend wurde das Thema durch zwei Fachvorträge vertieft. Dr. Alexandra Dittmann-Balcar von der Institutsambulanz der LWL-Klinik in Marsberg referierte zum Thema „Trauma und Behinderung“. Im zweiten Vortrag stellte Ricarda Kluge vom Verein „Weibernetz“ die Idee der Frauenbeauftragten in Einrichtungen der Behindertenhilfe vor.

An neun verschiedenen Themen-tischen bestand dann für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, in kleinen Gesprächsgruppen verschiedene Aspekte des Themas miteinander zu diskutieren. Und nach Lösungen zu suchen. So stellten beispielsweise Präventionsfachkräfte an einem Thementisch ihre sexualpädagogische Arbeit für Menschen mit Behinderungen vor. Es wurde deutlich, dass gute Aufklärung und sexualpädagogische Begleitung eine vorbeugende Wirkung gegen Gewalt hat.

An einem weiteren Thementisch wurde der besondere Bedarf von gehörlosen Menschen besprochen, ebenso rückten auch Jungen und Männer als Täter und Opfer in den Mittelpunkt des Interesses. „Hinschauen, nicht wegschauen!“ war das Fazit dieser Gesprächsrunde.

Viele neue Kontakte entstanden

Bei dem Fachtag entstanden viele neue Kontakte unter den Teilnehmenden. Es wurde deutlich, dass alle Beteiligten voneinander lernen können und wollen. Die Stimmung war engagiert und vom Optimismus gekennzeichnet, das Netz zum Gewaltschutz für behinderte Menschen noch enger zu knüpfen.