„Schulbildung ist für uns selbstverständlich“

Meschede/Acra..  Afrika - der zweitgrößte Kontinent der Erde mit seiner fremden Kultur - faszinierte Brigitte Honsel (66) schon als kleines Mädchen. Sie begeisterte sich für Albert Schweitzer und seine Arbeit in Lambaréné. Doch erst 1996 rückte Afrika für sie wieder näher. 1998 gründete sie von Meschede aus gemeinsam mit ihrer Freundin Helene Jäger in Ghana HIPS, die „Helene’s International Preparatory School“. Deren Ziel: qualifizierten, kostenlosen Kindergarten- und Grundschulbesuch – mittlerweile erweitert bis zur mittleren Reife – für Kinder der ärmeren Bevölkerung unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Frage: Warum engagieren Sie sich in Afrika?

Brigitte Honsel: Schon als Kind habe ich mich für Afrika begeistert. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich etwas von dem zurückgeben wollte, was ich Gutes erfahren hatte. Schulbildung ist für uns selbstverständlich und kostenfrei. In Ghana ist das anders. Bildung schien mir als die nachhaltigste Projekt-Idee. Das Land ist politisch relativ stabil, das war für uns wichtig, weil wir ja keinerlei Erfahrung in Afrika hatten.

Was ist bis heute passiert?

1996 war ich das erste Mal in Ghana. 1998 erhielten wir das Land für die Schule in Weija, einem Vorort von Accra. 1999 hat der Kindergarten seine Arbeit aufgenommen. Dort erhalten die Jungen und Mädchen ein Frühstück und eine warme Mahlzeit und lernen vor allem Englisch. Denn nur wer Englisch kann, kann auch eine Schule besuchen. Es folgte der Bau weiterer Schul- und Lehrgebäude. Heute werden dort 200 bis 230 Jungen und Mädchen vom Kindergarten bis zur mittleren Reife unterrichtet. In einigen besonderen Fällen wird auch die weitere Schulausbildung bis zur Hochschulreife, dann auf anderen Oberschulen, unterstützt. Dazu ist ein besonders gutes Zeugnis der mittleren Reife notwendig. Da dies nicht aus dem normalen Budget finanziert werden kann ist es uns ab und zu gelungen eine Sonderfinanzierung zu realisieren.

Wer unterstützt Sie?

Es gibt einige große Spenden von Firmen, aber die meisten Spender sind Privatleute aus Deutschland und der Schweiz, die uns monatlich oder jährlich unterstützen. Stolz bin ich darüber, dass wir mittlerweile auch Firmen und private Unterstützer aus Ghana haben. Dafür habe ich lange Klinken geputzt. Langsam wächst aber auch dort die Erkenntnis: Unser Projekt hilft der eigenen Bevölkerung. Dank der engagierten Mitarbeiter und insbesondere unseres holländischen Vorsitzenden, der mit seiner Frau in Afrika leben, läuft die Schule sehr gut. Ich selbst bin ca. zweimal im Jahr für einige Wochen vor Ort.

Gibt es auch Einzelpatenschaften für Kinder?

Nein, denn davon halte ich nichts. Was ist, wenn der Pate ein Geschenk schickt? Dann stehen die anderen da und haben nichts. Mir ist lieber, man spendet fürs Gesamtprojekt. Wer sich die Arbeit vor Ort ansehen will, ist immer willkommen und kann im Volunteer-Haus wohnen.

Seit 2001, nachdem ihr Mann seine Anteile an den Honsel-Werken verkauft hatte, leben Sie im Tessin, trotzdem gibt es über das Projekt noch Kontakt nach Meschede?

Ja, wir haben im April aus regulatorischen Gründen den Förderverein HIPS Ghana in Meschede gegründet. Dem gehören neben mir noch zwölf weitere Personen- alle ehrenamtlich tätig- aus Meschede und Umgebung an. Vorsitzender ist Bernhard Lepping aus Latrop, bis 2006 Vorsitzender der Geschäftsführung von Honsel. Personell werden Lehrer und Erzieher in Ghana immer mal wieder durch Freiwillige (Volunteers) aus Europa verstärkt. Zuletzt waren aus Meschede Sylvie Niederhoff und Daria Maria Matlakiewicz aus Brilon in Ghana. So ein Besuch ist immer eine Bereicherung für beide Seiten. Und natürlich halte ich über meine regelmäßigen Patenschaftsbriefe Kontakt zu allen Spendern, davon gibt es auch einige in Meschede.

Sind Sie auch privat noch mit Meschede verbunden?

Meine erwachsenen Kinder leben zwar auch nicht mehr in Meschede. Aber es gibt aus der langen Zeit in Meschede - von 1972 bis 2001 haben wir im Sauerland gelebt - noch viele Freundschaften. Diese Kontakte pflege ich natürlich.