Schmallenbergerin lernt viel über Kunstvermittlung in China

Beate Herrmann von der Jugendkunstschule Schmallenberg war in China beeindruckt vom Lernwillen der Kinder.
Beate Herrmann von der Jugendkunstschule Schmallenberg war in China beeindruckt vom Lernwillen der Kinder.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Als eine von acht kunstpädagogischen Fach- und Führungskräften aus Deutschland reiste Beate Herrmann von der Jugendkunstschule Schmallenberg ins chinesische Wuhan. Der Bildungswille der jungen Chinesen beeindruckte sie.

Schmallenberg/Wuhan..  Als eine von acht kunstpädagogischen Fach- und Führungskräften aus ganz Deutschland wurde Beate Herrmann für die Jugendkunstschule Schmallenberg eingeladen, ins chinesische Wuhan zu reisen. Über ihre Erfahrungen während dieser außergewöhnliche Reise, spricht Beate Herrmann im Interview mit unserer Zeitung.

Was war das Ziel der Reise?

Beate Herrmann: Ziel ist es unter anderem, Austauschpartner für Jugendkulturaustausche an Jugendkunstschulen und Kunstfachbereichen allgemeinbildender Schulen zu finden. Der Bundesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen (bjke) sowie der Fachverband für Kunstpädagogik (BDK) haben den Fachkräfteaustausch unter anderem zu diesem Zweck organisiert.

Warum ausgerechnet China?

Das Land wird zur größten Wirtschaftsmacht der Welt – und es öffnet sich. Ich denke, dass es gut ist, wenn sich die Kulturen treffen – auch wenn das politische System in China und Wertvorstellungen durchaus kritisch zu sehen sind. Ziel ist es, die Kulturen über Jugend- und Fachkräfteaustausch enger aneinander rücken zu lassen.

Was haben Sie in Wuhan erlebt?

Wir haben unter anderem verschiedene Grundschulen und eine berufsvorbereitende Schule sowie ein College besucht. Außerdem haben wir den Jugendkulturpalast als außerschulischen Lernort – eine Art Förderungsstätte für die Spitze – sowie eine kleine, neu gegründete Jugendkunstschule besichtigt. Dabei haben uns immer die Fragen beschäftigt: Wie wird Kunst in China vermittelt? Wie sieht Kunstunterricht aus? Wie sieht ein außerschulischer Lernort aus?

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Alles in allem habe ich vielfältige Eindrücke mitnehmen dürfen, und insbesondere erkannt, wie untrennbar Bildung und Gesellschaft miteinander verbunden sind. Gerade als außerschulischer Bildungsort – die Kinder und Jugendlichen kommen freiwillig zu uns – sind das wertvolle Erkenntnisse. Ziel der Jugendkunstschulen in Deutschland ist es, die Persönlichkeitsentwicklung und den individuellen Ausdruck zu fördern. Das ist in China nicht gewollt. Dort wird Kunst als Vehikel genutzt, um Inhalte wie Geschichte oder Handwerk zu vermitteln. Freie Impression haben wir nicht gesehen.

Hat Sie auch etwas besonders beeindruckt?

Ja, der Bildungswille, den die Schüler mitbringen – der haut einen um. Die Schüler sind bildungsbegeistert. Und sie bringen eine hohe Kompetenz mit. An einer Schule habe ich einen Workshop angeboten – ohne auch nur eine einzige Nachfrage haben die Kinder das, was ich von ihnen wollte, umgesetzt. Die Ergebnisse waren beeindruckend. Sie standen auch nicht unter Stress, obwohl sie plötzlich allen Freiraum in ihrem Tun hatten. Diese Erfahrungen haben mich schon zum Nachdenken über fehlende Disziplin deutscher Schüler gegenüber Lehrkräften gebracht. Wenn man sich dann aber wieder die gesellschaftlichen Bezüge vor Augen führt, relativiert sich das. Unsere Kooperationspartner war die Erziehungsbehörde in Wuhan, sie hat das Vor-Ort-Programm organisiert. Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt gesehen und der war genau geplant.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Jugendaustausch?

Für 2015, voraussichtlich im Mai, ist ein Gegenbesuch aus China geplant. Schön wäre es, wenn die Delegation von Berlin und über Dortmund auch nach Schmallenberg kommt. Ich denke, dass es den Chinesen hier gefallen wird – Schmallenberg ist klein, historisch geprägt und ländlich gelegen. Wuhan dagegen ist eine 13-Millionen-Einwohner-Stadt im Südosten Chinas.

Haben Sie sich auch für das Arbeiten in der Jugendkunstschule von der China-Reise inspirieren lassen?

Ja, China wird auf jeden Fall in der Arbeit auftauchen. Das Thema Drachen, das in China eine lange Tradition hat, aber auch in der deutschen Geschichte eine Rolle spielt, fasziniert mich sehr. Ebenso die chinesische Tuschmalerei.