Schmallenberg wird zum Zentrum des Protests gegen Windräder

In Schmallenberg-Bödefeld haben sich die Windkraftgegner aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz versammelt.
In Schmallenberg-Bödefeld haben sich die Windkraftgegner aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz versammelt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In Südwestfalen treffen sich Windkraftgegner aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz, um sich für die Energiedebatte mit Argumenten zu rüsten.

Schmallenberg.. Naturdorf Bödefeld. So wirbt der kleine Ortsteil von Schmallenberg im Internet um Touristen. Von der Natur allerdings, so fürchtet man hier, könnte nicht mehr viel bleiben, wenn es so käme, wie im Regionalplan vorgesehen. 50 Windräder würden dann den Ort umgeben, sagt zumindest Michal Schift, Vorstandsmitglied des Naturschutzvereins Schmallenberg.

Womit die Aussichten in Bödefeld eigentlich noch ganz gut wären. Wenn die Energiewende kommt wie geplant, im Jahr 2050 also 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energie stammen, „wird man, egal wo man in Deutschland steht, 130 Windräder sehen können, wenn man sich einmal um die eigene Achse dreht“, behauptet Willi Schmidt, Vorstand von „Vernunftwende NRW“. Wohlgemerkt bei einer Fernsicht von zehn Kilometern.

Es droht die Allgegenwart der Windräder - überall

Vor einem Jahr hat Willi Schmidt daher die Vernunftwende NRW gegründet, damals mit etwa 30 Bürgerinitiativen. 84 gehören dem Landesverband mittlerweile an; 28 davon allein in Südwestfalen.

Ein Zentrum der Windkraftgegner, in dem am Samstagnachmittag Bürgerinitiativen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinlandpfalz zusammen kommen. 170 Gruppen umfassen die drei Landesverbände. 450 Vertreter, so zumindest die Veranstalter, sind zu dieser ersten länderübergreifenden Informationsveranstaltung in der Bödefelder Schützenhalle gekommen. Man wolle die „Schlagkraft“ über die Landesgrenzen hinweg aufzeigen, hofft der Winterberger Willi Schmidt, dass die drei Verbände künftig besser wahrgenommen werden, wenn sie gemeinsam auftreten.

„Gigantischer Flächenverbrauch“

Ein Plan, der an diesem Nachmittag allerdings noch nicht so recht aufzugehen scheint. Vertreter der Landesregierung, Politiker aus Bund, Land oder Kommunen sind der Einaldung nicht gefolgt. Zumindest nicht aus NRW. Aus Rheinland-Pfalz und Hessen sind Landtagsabgeordnete zugegen. Aber die Windkraftgegner bleiben unter sich. „Eigentlich müssten die Befürworter herkommen, damit wir sie mit unseren Argumenten überzeugen können“, räumt NRW-Vorstand Willi Schmidt ein.

Stattdessen können sich die Gegner der Windräder hier mit Argumenten wappnen. Die Bundesinitiative „Vernunftkraft“ hat vier Experten ins Sauerland geschickt, die erklären, warum die Energiewende nicht gelingen kann und welche Folgen der Ausbau der Windenergie für Mensch und Natur hat. Ein Gespann, das schon vielerorts in Deutschland mit Vorträgen gegen die Windkraft aufgetreten ist.

Alle acht Kilometer ein Park mit zehn Rädern

Hauptargument zum Beispiel von Nikolai Ziegler: Um 25 Prozent des Strombedarfs in Deutschland aus Windkraft zu speisen, müsste alle acht Kilometer im Land eine Windpark mit zehn Rädern stehen, rechnet er vor. Das aber bedeute einen „gigantischen Flächenverbrauch“, argumentiert er. „Das Beste in Deutschland, die Natur und der Wald, wird damit zerstört – für eine völlig sinnlose Energiepolitik.“

Worte, für die er im Naturdorf Bödefeld viel Applaus bekommt.