Schmallenberg startet das Kunstfestival Textile

100 rote Nylon-Strumpfhosen hat Künstlerin Ulrike Kessl zu einem Raumkunstwerk auf dem Schmallenberger Schützenplatz verspannt - ein echter Hingucker.
100 rote Nylon-Strumpfhosen hat Künstlerin Ulrike Kessl zu einem Raumkunstwerk auf dem Schmallenberger Schützenplatz verspannt - ein echter Hingucker.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Beim Kulturfestival Textile in Schmallenberg gibt es ab 24. April offene Ateliers, Mitmachaktionen und Künstler von internationalem Rang zu sehen.

Schmallenberg.. Genau 100 rote Nylonstrumpfhosen weben derzeit ein luftiges Raumkunstwerk zwischen den Bäumen auf dem Schmallenberger Schützenplatz. Die Installation von Ulrike Kessl gibt das Signal für ein ungewöhnliches Kunstfestival: die Textile in Schmallenberg. Vom 24. April bis zum 31. Mai gibt es dabei Mitmachaktionen, offene Ateliers, ein Labor für Verstrickungen und Aufwicklungen sowie eine Ausstellung mit Künstlern von internationalem Rang zu entdecken.

Historische Wurzeln der Stadt

„Die Textilgeschichte bildet die historischen Wurzeln der Stadt“, erläutert Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Brockmann das Konzept des Festivals. „Vor allem die Strumpfstrickereien haben Schmallenberg weltberühmt gemacht. Wir haben deshalb überlegt, wie man das Thema Textil spannend aus der Sicht der hochwertigen zeitgenössischen Kunst inszenieren kann.“

Zwei Exponate von Rosemarie Trockel bilden das Herzstück der Ausstellung „Stoffsuche“ im Kunsthaus Alte Mühle. Eine monochrome Arbeit aus grüner maschinengestrickter Wolle aus dem Jahr 1989 und „El Greco“ von 2013 aus vertikal gespannten Fäden. Rosemarie Trockel ist eine Pionierin der Verwendung textiler Materialien, die schon in den 1980er Jahren damit experimentiert hat, Farbe auf Leinwand durch Maschinenstrick zu ersetzen. Natürlich hat niemand geglaubt, Andrea Brockmann könnte diese Werke tatsächlich ins Hochsauerland holen, stellt die international renommierte Rosemarie Trockel doch zwischen New York und Zürich aus. Umso glücklicher ist die Kunsthistorikerin nun, dass sie Schmallenberg in diese Kartographie einreihen kann.

Exponate von 14 Künstlern

Textil als Material und Stricken, Sticken sowie Häkeln als Technik: In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Exponate von 14 Künstlern im Kunsthaus Alte Mühle. Sie ermöglichen durch die Verfremdung von Material und Technik verblüffende Einsichten und liefern damit einen fröhlichen Gegenentwurf zur oft als unsinnlich empfundenen Computerkunst.

Doch die Textile lässt sich nicht nur auf das Museum beschränken. Sie verwebt sich in die ganze Stadt hinein. So gestaltet Julia Arztmann ein Ladenlokal zur textilen Höhle um und lässt sich dabei über die Schulter sehen. Das Zentrum des Festivals bildet das Labor für Verstrickungen und Aufwicklungen in der Valentinschule. Dort setzen Jugendliche ihre textilen Ideen um, und im „Museum der Kuscheltiere“ entsteht ein Kunstwerk von Kindern für Kinder. Im Museum Holthausen ist parallel die Mitmachausstellung „Lieblingsstücke“ zu sehen. 35 Schmallenberger stellen dafür als Leihgaben Kleider mit besonderer Geschichte zur Verfügung.

„Mir ist die Breite der Themen wichtig“, betont Andrea Brockmann. „Hochkarätige Kunst steht neben Mitmachaktionen. Diese Vielfalt kommt sehr gut an. Es ist so berührend, wie viel Unterstützung wir erfahren, dass wir schon von der 1. Textile sprechen.“

www.die-textile-schmallenberg.de