Schmallenberg garantiert Wahlfreiheit in der Kita

Im KIndergarten Zwergenland in Schmallenberg checken die Jungen und Mädchen schon ein und aus wie die Großen. So erhalten die Eltern und die Einrichtung einen Überblick über die Zeiten.. v.l. Joel, Luis und Lina zeigen ihre Chips.
Im KIndergarten Zwergenland in Schmallenberg checken die Jungen und Mädchen schon ein und aus wie die Großen. So erhalten die Eltern und die Einrichtung einen Überblick über die Zeiten.. v.l. Joel, Luis und Lina zeigen ihre Chips.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die städtischen Kindergärten bieten landesweit die höchste Zahl an Plätzen in der 25-Stunden-Betreuung. Für die größtmögliche Wahfreiheit und Flexibilität checken die Jüngsten an einer Stechuhr schon ein und aus wie die Großen.

Schmallenberg..  Die Träger von Kindergärten drängen die Eltern in die 45-Stunden-Betreuung – so lautet der Vorwurf, den die FDP im Landtag erhoben hat. (Wir berichteten.) Die Stadt Schmallenberg muss sich diesen Schuh definitiv nicht anziehen. In Schmallenberg – so bestätigt das LWL-Landesjugendamt auf Nachfrage unserer Zeitung – gibt es landesweit die höchste Rate an 25-Stunden-Betreuung.

42 Prozent statt 8 Prozent im Land

Während nämlich sonst im Landesschnitt nur 8 Prozent der Plätze für 25-Stunden belegt sind, sind es in Schmallenberg 42 Prozent. Mit der Wahlfreiheit, flexiblen Modellen und zusätzlich einer hochmodernen Zeiterfassung will Schmallenberg Eltern und Erziehern möglichst viel Freiraum bieten, wie Ludger Frisse, der Leiter des Jugendamts betont. In den städtischen Einrichtungen haben deshalb schon die Kleinsten eine eigene „Stechuhr“, die sie begeistert nutzen, sobald sie laufen können.

Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf wahlweise 25, 35 oder 45 Stunden Betreuung für ihre Kinder. Je nachdem, wie lange die Kinder die Einrichtungen besuchen, steigen auch die Kindergarten-Beiträge.

Viele Eltern wollen aber gar keine 45-Stunden-Betreuung, weil die Jungen und Mädchen noch zu klein sind, Eltern sich auch zu Hause um ihren Nachwuchs kümmern wollen oder ihnen die Vollzeit-Betreuung schlicht zu teuer ist.

Doch diese Wahlfreiheit ist organisatorisch oft schwer umzusetzen, denn auch die Stunden-Kontingente der Erzieherinnen berechnen sich nach den von den Eltern gewählten Zeiten. Viele Jugendämter scheinen deshalb die Flexibilität einzuschränken: In 18 Jugendamtsbezirken des Landes ist eine Betreuung für 25 Stunden überhaupt nicht möglich, in 83 Jugendamtsbezirken, darunter auch Hemer und Warstein, sind weniger als fünf Prozent aller Kita-Plätze mit 25 Stunden belegt. Die FDP kritisierte daher im Landtag: „Wahlfreiheit existiert nur auf dem Papier.“

In Schmallenberg dagegen sind 42 Prozent alle Kita-Plätze mit 25 Stunden belegt. Und die Stadt bemüht sich, die Flexibilität noch weiter zu erhöhen: „Die Eltern buchen 25 Stunden, 20 Stunden sind am Vormittag fest vereinbart, 5 Stunden pro Woche können flexibel genutzt werden“, erklärt Frisse. Bei der 35-Stunden-Buchung sind ebenfalls 20 Stunden am Vormittag fest, die restlichen Stunden können die Eltern frei wählen.

Und damit die Erzieherinnen nicht jede einzelne Stunde aufschreiben und nachhalten müssen und die Eltern immer im Blick haben, wie viel Zeit noch zur Verfügung steht, gibt es schon seit rund drei Jahren in allen städtischen Einrichtungen eine Zeiterfassung für die Jüngsten. Wie das funktioniert, lässt sich beispielsweise in der Kindertagesstätte Zwergenland beobachten.

Dort hängen an einem großen Schlüsselbrett die Chips der Jungen und Mädchen. Schmetterling, Blume oder Koffer – jedem Kind ist ein Bild zugeordnet, anhand dessen es auch seine Jacke oder sein Handtuch erkennt – und eben auch seine Zeiterfassungs-Marke. Mit dieser geht es zu einem kleinen Computer am Ausgang, hält die Marke vor das Gerät und bringt den Chip zurück.

„Die Kinder machen das ausgesprochen gern“, hat die Leiterin der Einrichtung Stefanie Knoche beobachtet. „Sie machen es selbst, sobald sie laufen können und finden es witzig, dass es piepst.“