Schlimmer als die Polizei erlaubt

Seit dem Jahr 2000 sind 70 Planstellen bei der Polizei im Hochsauerlandkreis abgebaut worden.
Seit dem Jahr 2000 sind 70 Planstellen bei der Polizei im Hochsauerlandkreis abgebaut worden.
Foto: Kerstin Kokoska
Angesichts einer „bereits über Jahre anhaltenden Personalreduzierung bei der Kreispolizeibehörde“ sieht der Bezirksverband Hochsauerland des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) die „ernsthafte Gefahr einer schleichenden Arbeitsunfähigkeit“ in den Polizeidienststellen und Kriminalkommissariaten in der Region.

Meschede.. Der Aufbruchstimmung nach dem Wechsel der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Jahr 2010 ist bei den Polizeibeamten im Sauerland - glaubt man Gewerkschaftsvertretern - längst Ernüchterung gewichen. Mehr noch: „Ärger und Frust über die unzureichende personelle Ausstattung“, präzisiert Thomas David vom Bezirksverband Hochsauerland des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Der aktuellen Kriminalitätsstatistik zufolge liegt die Aufklärungsquote bei Straftaten im Hochsauerlandkreis deutlich über dem Landesschnitt. Die Region als eine Insel der Glückseligkeit? „Die Quote wäre mit mehr Personal noch besser“, sagt David, der das gute Ergebnis auf den persönlichen Einsatz der hochmotivierten Kollegen zurückführt.

Seit dem Jahr 2000 sind 70 Planstellen im HSK abgebaut worden, was auch die Kreispolizeibehörde in Meschede immer wieder gen Düsseldorfer Innenministerium kommuniziert. „Aber es sieht nicht danach aus, dass dort größere Anstalten gemacht werden, der Benachteiligung der Fläche gegenzusteuern“, sagt Thomas David und berichtet von einem „erschreckenden Personalschwund“, der mit einer deutlichen Zunahme an Aufgaben einhergehe.

Polizeibeamte brauchen Zeit

Die Zeiten haben sich geändert. „Selbst Kleinkriminelle müssen heute überzeugt werden“, sagt David. „Die neue Generation der Täter macht keinen Kniefall mehr vor Polizeibeamten.“ Der Ordnungshüter von heute braucht Zeit, nicht nur bei Ermittlungen im weltweiten Netz. Und da sind die ermittlungsintensiven Kriminalfälle, „bei denen das Opfer den Täter nicht mitliefert“. Wie zum Beispiel Wohnungseinbrüche. Natürlich weist die Statistik für das Land geringere Fallzahlen als in NRW-Großstädten auf. Das Thema dennoch zu vernachlässigen, wäre grob fahrlässig. „Sicherheit spielt für die Attraktivität einer Region eine große und nicht zu unterschätzende Rolle“, so der Gewerkschaftler aus ­Brilon.

Polizei Es fehlen Uniformierte auf der Straße und in den Polizeiwachen, aber auch Beamte in den Kriminalkommissariaten. „Ständiger Fahndungsdruck auf Kriminelle kann nur aufgebaut werden, wenn die Straftaten überhaupt aufgeklärt werden können, wenn ein Minimum an Personal da ist.“ Thomas David sieht die Gefahr einer „schleichenden Arbeitsunfähigkeit“. Unter anderem durch eine Überalterung in den Polizeidienststellen und Kriminalkommissariaten: „In den kommenden Jahren geht eine große Zahl an Kollegen in Pension. Es rückt aber nicht genügend junges Personal nach, um dies auszugleichen.“ Hinzu kommen nach Ansicht von David eine hohe Anzahl eingeschränkt dienstfähiger Kriminalbeamter, fehlende berufliche Perspektiven bei der Kripo in NRW und eine unzureichende kriminalfachliche Ausbildung.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

Schlimmer als die Polizei erlaubt? Für Klaus Stüllenberg von der Stiftung Kriminalprävention in Münster ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Polizei werde in dem Maße, wie es sich der Bürger wünscht, bald nicht mehr vorhanden sein. „Wir leben in Zeiten, die super sind. Im Vergleich zu denen, die auf uns zukommen.“