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Schlechte Noten für Kopfnoten

23.06.2008 | 18:37 Uhr

Schmallenberg. (ger) Schule sei kein Selbstzweck und nicht nur Lernschule, sondern auch ein wichtiger Ort zur Wertevermittlung: Da war sich die Diskussionsrunde mit Politikern, Lehrern, Eltern, Schülern und Unternehmern in Schmallenberg rasch einig. ...

Ein interessierter Kreis aus Politik, Wirtschaft, Schule und Elternschaft traf sich zur Diskussion über die Schulpolitik im "kunsthaus alte mühle" . (WR-Bild: ger)

... Doch ob es dazu der Kopfnoten im Zeugnis bedarf und ob das System praktikabel ist? In dieser Frage gingen die Meinungen ebenso rasch auseinander. Zur Diskussion über schulpolitische Fragen hatte der CDU-Ortsverband eingeladen. Die Kopfnoten wurden zentrales Thema noch vor dem Zentralabitur und der Streichung der Stufe 13 an den Gymnasien.

"Kopfnoten sollen zur Wertebildung von Schülerinnen und Schülern insgesamt beitragen", verteidigte Klaus Kaiser, der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, das neue Benotungssystem. Die Idee sei ja gut gewesen, meinte Maria Fischer, Elternvertreterin am Gymnasium, "aber den Fachlehrern fehlt im Prinzip die wahre Kenntnis zum Schüler". Außerdem gingen zwei Schultage zur Findung der Kopfnoten verloren. Hauptschul-Elternvertreter Michael Kumprecht klagte: "Weil die Industrie es fordert, wird ein erheblicher Verwaltungsaufwand betrieben."

Dabei scheint es nicht einmal so sicher, dass die Wirtschaft überhaupt Wert auf diese Ergänzung im Zeugnis legt. "Für uns haben Kopfnoten keine Bewertungsrelevanz", befand Ralf Rickert von der Volksbank. Apotheker Andreas Vogd nannte sie gar kurz und knapp "unmenschlich": "Ich bewerte soziales Engagement höher und suche andere Lösungen für ,Störenfriede'." MTEC-Geschäftsführer Axel Griebsch benötigt diese Hilfestellung im Schulzeugnis ebenfalls nicht: "Nach Schüler-Praktika vergeben wir unsere Kopfnoten selbst." Caroline von Weichs, Geschäftsführerin von "Unternehmen Zukunft Schmallenberg" fürchtet: "Kopfnoten erzeugen Gleichmacherei. Wir brauchen kreative, junge Leute und keine Ja-Sager."

Zu einem solchen wolle er nicht gemacht werden, meinte ein Gymnasiast. Freilich gibt es auch unter den Schülern Meinungsunterschiede. Franziska Schütte, Schulsprecherin am Gymnasium, sagte: "Kopfnoten sollen Zeichen setzen und zur Verhaltensverbesserung anregen."

Das Zentralabitur stelle "pauschal gesehen kein Problem dar, auch wenn einmal eine Arbeit schwieriger als früher geworden ist", meinte Berthold Zeppenfeld, der Leiter des Städtischen Gymnasiums in Schmallenberg. Schülervertreterin Franziska Schütte betonte aber auch: "Sinnvoll sind kleine Kurse mit mehr Lehrpersonal. So wird mit weniger Energieaufwand wesentlich sinnvollerer Unterricht möglich."

Kaiser kündigte an, dass bis 2009 in NRW 6800 neue Lehrer eingestellt würden. Gleich zu Beginn hatte er gesagt, Bildung sei "zur wichtigsten sozialen Frage des 21. Jahrhunderts geworden". Gerade in Nordrhein-Westfalen sei der Schulerfolg vom Portmonee der Eltern abhängig. Deshalb müsse es dringend zu Verbesserungen im Schulwesen kommen. Zugleich hatte er unterstrichen, dass möglichen Problemen von rund 6400 nordrhein-westfälischen Schulen nicht einfach per Erlass aus Düsseldorf beizukommen sei.

Er fordere daher zu vermehrter Eigenverantwortlichkeit vor Ort auf und bat um offene Rückmeldungen an die Politik. Einige Schmallenberger Rückmeldungen konnte er nach dieser Diskussion nach Düsseldorf mitnehmen.

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