Rätselhafte Bilder von Hieronymus Bosch werden entschlüsselt

Hieronymus Bosch: „Der Garten der Lüste
Hieronymus Bosch: „Der Garten der Lüste
Foto: Museo Nacional Del Prado
Was wir bereits wissen
Der Schmallenberger Dr. Ulrich Fritsche ist überzeugt, ein Großrätsel der Kunstgeschichte entschlüsselt zu haben: die Gemälde von Hieronymus Bosch.

Schmallenberg.. Mehr als drei Jahrzehnte hat Dr. Ulrich Fritsche (70) als Chemiker am Fraunhofer Institut in Schmallenberg gearbeitet. Seine große Leidenschaft aber galt stets dem niederländischen Renaissance-Künstler Hieronymus Bosch (1450-1516). „Mit dem, was bislang über ihn geschrieben worden ist, wie seine Bilder verstanden, beziehungsweise eben nicht verstanden wurden, war ich nicht zufrieden“, erzählt der ambitionierte Hobby-Kunstforscher.

Tatsächlich gelten die 20 noch existierenden Bosch-Bilder in Fachkreisen weitgehend als rätselhaft, als schlicht nicht interpretierbar. Und genau an dieser Stelle setzte die Arbeit von Ulrich Fritsche an. Er suchte in mühevollster Kleinarbeit nach möglichen Erklärungen, um die komplexe Symbolsprache des Malers zu entschlüsseln. „Und diesen hohen Anspruch habe ich inzwischen“, ist der Wahl-Schmallenberger heute überzeugt. Drei gewichtige Bücher hat er dazu seit Mitte der 90er Jahre veröffentlicht und darin jedes einzelne Motiv genau untersucht.

Betrachten, überlegen, kombinieren - in diesem Dreischritt ist der Bosch-Forscher den jahrhundertealten Geheimnissen auf die Spur gekommen. Die Fülle der Ergebnisse lassen sich dabei in drei Thesen untergliedern:

1. Für Hieronymus Bosch bestand der Mensch aus Geist, Seele und Körper.

2. Entgegen der damaligen kirchlichen Lehrmeinung gab es seiner Überzeugung nach keine ewige Verdammnis.

3, Hieronymus Bosch glaubte vielmehr an die Wiedergeburt.

Vor dem Hintergrund dieser drei gedanklichen Grundpfeiler errichtete Ulrich Fritsche seine umfassendes Erklärungsgerüst, das es ihm schließlich erlaubte, alle Motive der Werke darin einzupassen und in sinnvolle Zusammenhänge zu stellen.

In der internationalen Kunstszene findet Fritsches Gesamtdeutung allerdings nur ein bedingtes Echo, von Zustimmung kann kaum die Rede sein. „Ich weiche stark von allen anderen ab“, weiß der Sauerländer und fügt hinzu: „Schade, dass das Geniale von Boschs Malerei einfach nicht erkannt und anerkannt wird.“

Im Schatten der Ketzerei

Für Dr. Fritsche ist das Symbolhafte in den Bosch-Werken auch ein Zeichen des Schutzes für den Maler. Seine deutlich andersartige Frömmigkeit hätte ihm durchaus den Vorwurf der Ketzerei einbringen können, ist sich Fritsche sicher: „Er hat seine Aussagen bewusst in rätselhaften Symbolen verborgen, um nicht verfolgt zu werden.“ So hätten auch die Zeitgenossen von Bosch den berühmten Maler nicht verstanden, ihn aber dennoch als Künstler geachtet. Dr. Ulrich Fritsche sieht in der Summe aller Bosch-Gemälde nicht weniger als eine „ganzheitliche Schilderung der Welt im Angesicht Gottes“. Alles habe tiefere Bedeutung und überraschende Zusammenhänge: „Und das hat bisher kein Mensch vor mir je begriffen“, gibt sich der Bosch-Jünger demonstrativ selbstbewusst.