Rätsel um Tierkreiszeichen gelöst

Gunther Dudda, Forscher aus Schmallenberg, hat das Rätsel um die Tierkreiszeichen in der Kirche in Wormbach gelöst. Fotos: Laura Mock
Gunther Dudda, Forscher aus Schmallenberg, hat das Rätsel um die Tierkreiszeichen in der Kirche in Wormbach gelöst. Fotos: Laura Mock
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Wormbach.. 20 Jahre lang hat Gunther Dudda geforscht. Jetzt geht er mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit. Der Schmallenberger hat das Rätsel um die Tierkreiszeichen in der Wormbacher Pfarrkirche St. Peter und Paul gelöst. Ein Rätsel, an dem sich vor ihm zahlreiche Forscher versucht haben – ohne Erfolg.

Entschlüsselt hat Gunther Dudda die geheimnisvolle Symbolik, die Benediktiner im 13. Jahrhundert als Deckenmalerei in der Wormbacher Kirche hinterlassen haben, bereits 2002. „Dieser Moment, dieses Erlebnis, das kann man einfach nicht beschreiben“, erinnert er sich zurück. „Plötzlich ergibt alles einen Sinn. Es macht Sinn, einen christlichen Kalender zur Berechnung des wichtigsten Feiertags der Christen, des Osterfests, darzustellen.“

Im 13. Jahrhundert konnten die wenigsten Menschen Lesen und Schreiben. Für Gunther Dudda ist es daher nur logisch, dass man einen Kalender mit Hilfe einer Symbolik dargestellt hat.

Seine Erkenntnisse wollte der Forscher zunächst aber in Ruhe und ausführlich aufarbeiten – und entstanden ist dabei nicht nur das Buch „Wormbach und die Geheimnisse der Tierkreiszeichen“, das er am Montag, 30. April, um 18 Uhr in der Wormbacher Kirche vorstellt. „Mir war es wichtig, diese Erkenntnisse auch mit dem Internet zu verbinden“, erklärt der gelernte Maschinenschlosser.

Berechnungen, Animationen usw.

Die Vorteile liegen für ihn klar auf der Hand. Auf seiner Internetseite (www.delta-productions.de) kann er denjenigen, die sich tiefergehend informieren wollen, Berechnungen, Animationen usw. zeigen. „Auf meiner Seite kann ich auch jederzeit etwas ändern – das Projekt lebt schließlich.“

Wichtig ist Gunther Dudda außerdem, Jugendlichen und Kindern mit dem Internet einen Zugang zu seiner Arbeit zu verschaffen. „Für Kinder habe ich zum Beispiel eine Entdeckungsreise zum Download erarbeitet“, erklärt der leidenschaftliche Forscher. Dazu gehört auch eine Lösung für die Eltern, so dass diese gemeinsam mit ihren Sprösslingen das Rätsel der Wormbacher Tierkreiszeichen entschlüsseln können.

„Denn wer hat schon einen eigenen geheimnisvollen Code, wie man es aus Dan Browns ,Der Da-Vinci-Code’ kennt?“, fragt Dudda und fügt direkt hinzu. „Ich habe das im Sauerland in der Realität erleben dürfen.“

Inspiriert haben ihn die Veröffentlichungen von Prof. Dr. Kaminski zu den Wormbacher Tierkreiszeichen in den 80er-Jahren. Eine schlüssige und nachvollziehbare Deutung konnte dieser aber nicht liefern. Dudda wollte daraufhin wissen: Was ist da wirklich dran?

Kreis mit Forschern aus ganz Deutschland

Aber nicht nur die Deckenmalerei in der Wormbacher Kirche haben ihn in den vergangenen Jahren beschäftigt. Der Schmallenberger gehört einem Kreis mit Forschern aus ganz Deutschland an. „Je nach Projekt arbeiten die entsprechenden Fachleute zusammen“, erklärt Dudda das Prinzip. „Mein Fachgebiet sind die Geometrie, genauer gesagt geometrisches Messen, aber auch die Gesamtauswertung.“ Der eigene Verlag für Veröffentlichungen heißt „Edition Mondberg“, Duddas eigene Firma trägt den Namen „Delta Productions“. Ein Großteil der Projekte seien Auftragsarbeit, die in der Regel der Geheimhaltung unterliegen.

Trotz seines Fachgebiets musste sich Dudda für die Entschlüsselung der Wormbacher Deckenmalerei Kenntnisse in Kunsthistorik, Astronomie, Mathematik usw. aneignen. „Ich musste interdisziplinär forschen und die größte Schwierigkeit dabei war immer, das Deckengemälde trotz des erarbeiteten Wissens mit Kinderaugen zu betrachten“, sagt Dudda. „Nur so konnte ich das Rätsel lösen.“

Gunther Dudda stellt sein Buch zum Geheimnis der Tierkreiszeichen am Montag, 30. April, um 18 Uhr in der Wormbacher Kirche vor.

Hintergrund:

Die Deckenmalerei mit zwölf Tierkreiszeichen sowie drei weiteren Symbolen – nämlich Sonne/Mond, ein Mönch und ein Speerträger – wurde in der Wormbacher Kirche erst bei Renovierungsarbeiten zwischen 1955 und 1957 unter 14 Lagen Kalkfarbe entdeckt.

„Die Größe der Tierkreiszeichen und auch deren zentrale Anordnung im Mittelschiff der Kirche, das ist einzigartig in ganz Europa“, erklärt Gunther Dudda. Der Skorpion wird übrigens von der Orgel verdeckt, die erst nachträglich aufgestellt wurde.

Über vier Schlüssel, die Dudda in seinem Buch – und natürlich auch im Internet – erläutert, verweist das Deckengemälde auf den Beginn der Vorfastenzeit. Das Prinzip basiert auf dem Mondzyklus und den entsprechenden Monaten, die durch die Tierkreiszeichen symbolisiert werden.

Der Beginn der Vorfastenzeit liegt immer 17 Tage vor Rosenmontag. „Kirchenkalendarisch beginnt an diesem Tag die Osterzeit“, so Dudda. Von diesem Tag an können also Ostern und alle weiteren christlichen Feste berechnet werden.

„Nur alle 532 Jahre fällt das Osterfest mit dem gleichen Datum auf den gleichen Wochentag“, gibt der Forscher zu bedenken.

Dass man mit der entschlüsselten Symbolik der Deckenmalerei in jedem beliebigen Jahr den Beginn der Vorfastenzeit und damit das Osterfest berechnen kann, hat Dudda an verschiedenen Beispielen durchgerechnet. „Die Symbolik beschreibt eine Wahnsinnsmathematik“, sagt Dudda ehrfürchtig. „Die Intelligenz und die Kunstfertigkeit dieses Rätsels sind faszinierend.“