Quartiere als Wohnmodell der Zukunft

Der Rollator geht zunehmend überall zum Stadtbild: Die Menschen werden älter - und würden grundsätzlich gern in die Innenstädte ziehen.
Der Rollator geht zunehmend überall zum Stadtbild: Die Menschen werden älter - und würden grundsätzlich gern in die Innenstädte ziehen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Senioren raus aus ihren großen Häusern und Wohnungen, Familien rein – dieser Vorschlag von Robert Feiger, Chef der Gewerkschaft IG Bau, ist nicht unumstritten. Wie ist die Situation in Meschede?

Meschede..  Seniorenverbände sind durchaus nicht abgeneigt: Viele ältere Menschen seien mit ihren großen Immobilien zunehmend überfordert, junge Familien auf der Suche nach größeren Wohnungen – quasi ein fairer Tausch. Aber ist das im ländlichen Meschede überhaupt ein Problem?

Investitionsstau

Nein, sagt Manfred Breider, Vorsitzender des Mescheder Seniorenbeirats. „Wir haben viel Wohnraum in unseren Städten und Dörfern, der allerdings oft nicht barrierefrei und sanierungsbedürftig ist.“ Das Problem auf dem Land sei daher anders: Viele Senioren wünschten sich unter bestimmten Umständen eine kleinere, behindertengerechte Wohnung – würden aber ihr Haus nicht los. Besonders in den Dörfern sei der Sanierungszustand überdies ein ernstes Problem, hier habe sich ein Investitionsstau von teils mehreren Jahrzehnten angesammelt.

Vielfach wollten alte Menschen ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen, hat Mechthild Thoridt, Vorsitzende des Vereins Senioren-Hilfe-Meschede, beobachtet. Zwingen könne man ohnehin niemanden, ob 5000 Euro Umzugsprämie ausreichten, wie von der IG Bau vorgeschlagen, dürfe man bezweifeln. „Die Erfahrung zeigt, dass ältere Menschen immer weniger zurecht kommen, aber eben auch nicht von ihren Gewohnheiten lassen möchten“, sagt Thoridt.

Ein schwieriges Thema: Senioren sollen und wollen nicht bevormundet und aus ihrem Umfeld geholt werden; auf der anderen Seite wäre ein Umzug in eine kleinere Wohnung vermutlich ein richtiger Schritt. Nur was tun mit dem so entstehenden Leerstand? „Die Nachfrage von Familien nach Wohnraum auf dem Land endet aus Richtung Ruhrgebiet spätestens in Neheim-Hüsten“, sagt Manfred Breider.

Verschiedene Altersstufen

Breider und seine Mitstreiter sehen die Zukunft ländlichen Wohnens vielmehr in der Entwicklung von Quartieren. Was bedeutet das? Im Grunde ist ein Quartier Mehrgenerationenwohnen in der Fläche. Bürger verschiedener Altersstufen leben in einem Viertel – und behalten gleichzeitig ihre sozialen Kontakte, ein wesentlicher Faktor. In Bielefeld, von wo aus ein erfolgreiches Modell inzwischen bundesweit Schule macht, umfasst ein Quartier rund 2000 Bewohner.

„Dort wurde quasi mit einem Zirkel ein 500-Meter-Kreis gezogen und innerhalb dieses Kreises sollten 2000 Menschen leben“, erklärt Breider. In Meschede müsse man den Kreis wohl noch etwas größer ziehen, aber das Prinzip könne auch hier funktionieren, glaubt der Vorsitzende des Seniorenbeirats.