Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Meschede..  Krankheiten einzudämmen und Unfälle im Arbeitsleben zu vermeiden - das ist fast selbstverständlich geworden. Weitsichtige Firmenlenker denken heute umfassender. Sie kümmern sich auch um die Psyche ihrer Arbeitnehmer. Durch Zeitdruck, Unterbrechungen, ständige Präsenz, SMS- und E-Mail-Flut wird das Gleichgewicht der Menschen immer häufiger ins Schwanken gebracht.

Licht und Leitfaden ins Dunkel der möglichen Strategien hat jetzt eine Veranstaltung des Werksarztzentrums Hochsauerland gebracht. Der heimischen Wirtschaft sollten moderne Mittel an die Hand gegeben werden, um die Herausforderungen der menschlichen Psyche zu meistern.

Wissenschaftliche Grundlagen

Dr. Friederike Köster, Fachärztin für Arbeitsmedizin, stellte eröffnend die wissenschaftlichen Grundlagen dar. Seit einiger Zeit ist die „Psychische Gefährdungsbeurteilung“ Bestandteil des Arbeitsschutzgesetzes. Die Expertin: „Erkrankungen durch als negativ empfundene psychische Belastung, egal ob sie ihre Ursache im privaten oder beruflichen Umfeld hat, sind zunehmend Ursache für steigende Arbeitsunfähigkeiten.“ Daher könne es nur das Ziel sein, Arbeitsplätze menschengerecht zu gestalten, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Oft ergäben sich bei der Auswertung der Gefährdungsbeurteilung auch Überraschungen. „Schließlich zeigt sie nicht nur Störfaktoren, sondern auch positive Aspekte.“ Köster: „Manager lernen ihr Unternehmen oft aus einer ganz neuen Sicht kennen.“

Wie eine Gefährdungsbeurteilung gelingt, das erläuterte Werksärztin Dr. Ute Leistikow-Schlünder den mehr als 40 Zuhörern aus den heimischen Firmen. Sie erläuterte, wie man einen sogenannten Steuerkreis einrichtet. Bei der Besetzung sei Parität das oberstes Gebot. Und sie betonte, dass den Vertretern von Betriebsrat und Unternehmensleitung dabei unterstützend die Fachleute aus Arbeitsmedizin und Psychologie zur Seite stünden. Wertschätzung jedes einzelnen Arbeitnehmers sei in der modernen Arbeitswelt von großer Bedeutung. „Denn Mitarbeiter deren Leistung anerkannt wird, sind weniger anfällig für psychische Belastungsreaktionen.“

Lösungsvorschläge erarbeitet

Lösungsvorschläge und Alternativen erarbeitete anschließend die Gesundheitspsychologin Maria Köhne gemeinsam mit dem äußerst interessierten Auditorium.

Nicht nur große Betriebe gelte es zu betreuen, sondern gerade auch die Kleinbetriebe, schreibt das Werksarztzentrum in seiner Pressemitteilung. Hier versage manches Steuerinstrument. Auch den Datenschutz gelte es besonders genau zu beachten.

Einen Blick in die Zukunft warf Dr. Joachim Lukassowitz, leitender Werksarzt, und sprach die Themen Fachkräftemangel und Globalisierung an. Es könne keinen Stillstand geben, die Thematik müsse fortentwickelt werden.

Dafür sieht der Vorstandsvorsitzende des Werksarztzentrums Hochsauerland Lars Frommberger, Geschäftsführer der Firma Langer, die heimische Industrie gut aufgestellt. „Unsere Unternehmen sind fit für die Herausforderungen der Zukunft“. Und Lukassowitz ergänzte: „Lassen sie uns mit der Analyse der psychischen Belastung beginnen, wir alle profitieren davon.“