Professor fühlt sich von der Pharmaindustrie zensiert

Eine bittere Pille hat Professor Dieter Köhler nun der Pharmaindustrie verabreicht.
Eine bittere Pille hat Professor Dieter Köhler nun der Pharmaindustrie verabreicht.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Deutlich hat Professor Dieter Köhler aus Schmallenberg den Einfluss eines Pharmaunternehmens auf die Forschung kritisiert. Für manche zu deutlich.

Schmallenberg.. Professor Dieter Köhler redet viel, gut, gern – und vor allem klar. Für manche offenbar zu deutlich: Der Chefarzt aus Schmallenberg hat den Einfluss von Pharmafirmen auf die medizinische Forschung öffentlich angeklagt – und sieht sich nun deshalb zensiert.

„Man glaubt es nicht“ – unter dieser Überschrift hat der Pneumologe eine seiner Meinung nach „wissenschaftlich gesehen abstruse und moralisch verwerfliche Studie“ im Auftrag der Pharmafirma Novartis angekreidet. In der Studie sollten Köhler zufolge Asthma-Kranken, die ihr Spray nicht regelmäßig inhalieren wollten, zwei Mal monatlich ein anderes Mittel injiziert werden.

Hundertmal teurer

Die Kosten für diese Antikörper-Therapie: 30.000 Euro jedes Jahr pro Patient. Also etwa hundertmal mehr als für die Standardtherapie mit Spray. „Für diesen Preis“, so Köhler, „könnte man jemanden einstellen, der die Patienten abfährt und morgens mit ihnen inhaliert. Das käme billiger.“ Mal abgesehen davon, dass die Injektion des Mittels „gelegentlich schwere Komplikationen machen“ könne, so Köhler.

„Zum Glück kam bei der Studie relativ wenig heraus“, urteilt er in einem Beitrag für die Zeitschrift „Pneumologie Kompakt“. Andernfalls nämlich wäre eine neue Kostenlawine ausgelöst worden. „Und dieses Geld hätte wieder an anderer Stelle im Gesundheitssystem gefehlt“, mahnt der Mediziner.

Überrascht ist Köhler allerdings kaum von diesem Versuch, ein Geschäft zu machen – und verweist auf einen früheren Fall. Damals habe Novartis einen eigentlich bekannten Wirkstoff leicht abgeändert – und dann zum 50-fachen Preis angeboten zur Behandlung der altersbedingten Makuladegenration.

"Wir haben berechtigte Sorgen vor einer Klage"

Erschienen allerdings ist Köhlers kritischer Text niemals. Der Verlag, in dem die Zeitschrift Pneumologie Kompakt erscheint, habe ihn gebeten den Text zu entschärfen und unter anderem den Namen Novartis dort nicht zu nennen, so Köhler. Als Grund vermutet er, dass man um Anzeigen in nicht unerheblicher Höhe bangte, die Novartis schaltet.

Den Mund allerdings wollte sich der ehemalige Leiter des renommierten Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft nicht verbieten lassen. Er legte seine Herausgeberschaft für die Fachzeitschrift aus Protest nieder.

Die Vorwürfe weist man beim Biermann-Verlag, in dem Pneumologie Kompakt erscheint, von sich. Der Duktus des Beitrages habe nicht dem Stil entsprochen, den man bislang von Professor Köhler gewöhnt war, so Verleger Hans Biermann. Auch wollte man einige Behauptungen eliminieren, die nicht überprüfbar und justiziabel waren. „Wir hatten berechtigte Sorge vor einer Klage“, sagt Biermann.

„Haltlose Anschuldigungen“

Natürlich sei Novartis ein wichtiger Anzeigenkunde, „unter den ersten zehn“, so Biermann. Keinesfalls jedoch habe das Unternehmen gedroht, Anzeigen zurückzuziehen. Der Pharmakonzern habe erst im Nachhinein von dem Beitrag erfahren, betont der Verleger.

Und auch Novartis bezeichnet in einer Stellungnahme die „Anschuldigungen und Unterstellungen“ als haltlos. Es habe „zu keinem Zeitpunkt einen Kontakt zwischen dem Biermann-Verlag und Novartis zu dieser Angelegenheit gegeben. Man sei erst auf den Vorgang aufmerksam geworden, nachdem Köhler diesen in einer Rundmail an Lungenfachärzte öffentlich gemacht habe. „Wir möchten zudem auf die Regularien unseres Verhaltenskodex hinweisen, nach dem eine derartige Einflussnahme explizit untersagt wird.“

Was aber die Studie anbetrifft: Die Untersuchung in den USA habe ergeben, dass der „zeitliche und finanzielle Aufwand in Relation gestellt werden“ muss, so Novartis.

Also doch zu teuer.