„Pro NRW“ in der Region allein auf weiter Flur
27.04.2011 | 22:11 Uhr 2011-04-27T22:11:00+0200
Meschede.„Pro NRW“ hatte Großes vor im Sauerland. Kreisverbände werde man im Hochsauerland, in Olpe und Soest gründen, ließ Alexander von Daake Ende 2010 per „Offenem Brief“ wissen. Sogar „ein Büro für den weiteren Verbandsaufbau“ sei „angedacht“. Gefunden habe man bereits eine „schöne Immobilie in der Mescheder Innenstadt“. Geworden ist aus all den Plänen der Rechtspopulisten nichts. Sie stehen im Sauerland allein auf weiter Flur.
Und auch im Stadtrat ist es um von Daake eher still geworden. Dabei hatte er doch angekündigt, für seine zukünftige Arbeit im Stadtparlament stehe ihm „durch die Bürgerbewegung pro NRW ein Apparat im Rücken, der mich und meine Tätigkeit und meine Entscheidungen stützt“. Tatsächlich erhielt er einmal etwas Unterstützung: bei einer Ratssitzung Anfang Dezember, als die „pro NRW“-Funktionärin Judith Wolter – sie ist zugleich Fraktionsvorsitzende der Rechtspopulisten im Kölner Stadtrat – das Geschehen von den Zuschauerplätzen aus beobachtete. Bei den beiden folgenden Sitzungen im Februar und im April fehlte der „pro NRW“-Vertreter, zuletzt gar unentschuldigt.
Von Daake solle künftig „nicht nur im Mescheder Stadtrat für pro NRW Politik betreiben, sondern auch den Verbandsaufbau der nonkonformen Bürgerbewegung im ganzen Sauerland an zentraler Stelle mitgestalten“, hatten die vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Rechtspopulisten erklärt, nachdem das Ex-MBZ-Ratsmitglied dort Ende Oktober eingetreten war. Von Daake sei „zusammen mit einigen Mitstreitern“ zur „Bürgerbewegung“ gewechselt, behauptete „pro NRW“. Belege oder Hinweise für die Richtigkeit dieser Behauptung gab es damals nicht.
Mitgliederzahl hält sich in Grenzen
Interne Unterlagen der Partei, in die die WAZ-Mediengruppe Einblick nehmen konnte, vermitteln eher den Eindruck, dass „pro NRW“ seinerzeit flunkerte. Und sie könnten erklären, warum es bislang nicht zur Gründung eines oder mehrerer Kreisverbände gekommen ist. So zählte „pro NRW“ zum Jahresende 2010 in den drei Kreisen Hochsauerland, Soest und Olpe zusammen gerade einmal 13 bzw. 14 Mitglieder. In einer zentralen Kartei der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ wurden außerdem gerade einmal zwei „Unterstützer“ und drei „Spender“ für die Region zwischen Lippstadt im Nordosten und Wenden im Südwesten aufgeführt.
Noch am besten steht „pro NRW“ dabei im Hochsauerlandkreis da. Aber auch hier waren lediglich neun Mitglieder in der Kartei verzeichnet: drei in Meschede, jeweils zwei in Sundern und Marsberg, jeweils eines in Arnsberg und Brilon; dazu ein Spender aus Arnsberg. Überhaupt nicht existent war „pro NRW“ in Bestwig, Eslohe, Hallenberg, Medebach, Olsberg, Schmallenberg und Winterberg.
Ein „Unterstützer“ aus Warstein und Olpe
Noch dürftiger war die Präsenz in den beiden Nachbarkreisen. Aus dem Kreis Soest finden sich lediglich drei Mitglieder aus Lippstadt in der Kartei, außerdem ein „Unterstützer“ aus Warstein und ein Spender aus Bad Sassendorf. Im Kreis Olpe gab es diesen Unterlagen zufolge ein bzw. zwei Mitglieder aus Attendorn bzw. Wenden, außerdem einen Spender aus Olpe und einen „Unterstützer“ aus Wenden.
NRW-Innenminister Ralf Jäger hält die Anstrengungen von „pro NRW“, „durch ein bürgerliches Gewand den Stempel der ,Verfassungsfeindlichkeit’ um jeden Preis zu vermeiden“, für gescheitert.
Die Rechtspopulisten würden versuchen, „Ängste vor Überfremdung zu schüren und darüber ihre anti-demokratische und ausländerfeindliche Ideologie zu transportieren“, erklärte Jäger Ende März bei der Vorstellung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzberichts für das vergangene Jahr.
Jägers Verfassungsschutz hat die Bewertung von „pro NRW“ inzwischen verschärft: Es lägen „tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen“ vor. Im Bericht für 2009 hatte es noch zurückhaltender geheißen, bei „pro NRW“ bestünden „tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen“.
ts
Markus Beisicht, Vorsitzender von „pro NRW“ und der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten „Bürgerbewegung pro Köln“, mochte sich zu den Angaben aus der Parteikartei nicht im Detail äußern. In einer Mail sprach er von „reinen Fantasiezahlen“, die eingesetzt würden, „um eine angeblich nicht ausreichende personelle Verankerung der Partei im Sauerland zu suggerieren“. Mit der Realität hätten diese Zahlen „rein gar nichts zu tun“. Auf die Bitte um „richtige“ bzw. aktualisierte Zahlen ging Beisicht freilich nicht ein. Auch die Fragen, warum es bisher nicht zu den Verbandsgründungen gekommen ist oder ob inzwischen ein Termin dafür ins Auge gefasst wird, blieben unbeantwortet.
Im Sauerland nur rudimentär existent
Auf einer Fläche von 4000 Quadratkilometern – das ist etwa ein Achtel von Nordrhein-Westfalen – ist die in den eigenen Verlautbarungen angeblich von Erfolg zu Erfolg eilende „Bürgerbewegung“ faktisch nur rudimentär existent. 13 bzw. 14 Mitglieder in drei Landkreisen mit zusammen mehr als 700 000 Einwohnern: Ein Staat oder auch nur ein Kreisverband ist damit wohl nicht zu machen. Demokratische Parteien machen aus einem solchen Personenpotenzial Ortsverbände. 13 Mitglieder zählt die CDU in der Ortsunion in Medebach-Referinghausen, 14 Mitglieder in Sundern-Meinkenbracht. Referinghausen zählt 253 Einwohner, Meinkenbracht 223.
03:28
#6 von ulex , am 29.04.2011 um 06:41 :
Kann ichihnen für die Grünen im Kreis Soest sagen. über 200 Mitglieder.
23:32
Ach, die Leute meckern eben gerne rum, wissen aber sehr genau, dass die sogenannten rechten Parteien kein einziges Problem lösen, sondern einen Haufen neuer Probleme mit sich brinngen.
18:22
Das ist typisch für unsere politische Heuchelei. Solche Parteien werden gemieden, aber ein Sarrazin, der doch auf der gleichen Linie liegt, wird zum Messias hochstilisiert.
Wenn die Kommentare auf derwesten einigermaßen repräsentativ sind, müssten doch ProNRW und co enormen Zulauf haben.
14:07
l a c h n u m m e r
06:41
Nunja,
fairerweise sollte man die Mitgliederzahlen eher mit denen der FDP, Grünen oder Linke vergleichen.
Vielleicht könnte die Redaktion dies noch nachschieben.
19:06
Zu dem Artikel sage ich nur von Daake ist, war und wird immer eine Luftpumpe sein
16:46
Stimmt natürlich, Politker lügen fast alle , aber manche eben ein bisschen mehr, na ja ein bisschen viel mehr als andere.
16:01
@ 1 bibibissig
Ach, Politiker lügen? ist mir noch nicht aufgefallen.....
12:25
Die Rechten brauchen wir genauso wenig wie die Linken und die FDP. Es reicht.
11:35
Interne Unterlagen der Partei, in die die WAZ-Mediengruppe Einblick nehmen konnte, vermitteln eher den Eindruck, dass „pro NRW“ seinerzeit flunkerte. - Das ist aber sehr nett gesagt, denn es ist nun mal Fakt, dass dieser Verein schon häufig nachweislich gelogen hat bis sich die Balken bogen.