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Post stellt auch Briefe mit zu wenig Porto zu

18.06.2014 | 12:00 Uhr
Post stellt auch Briefe mit zu wenig Porto zu
Briefe unseres Experiments: Zustellung trotz zu wenig Porto mit nur vier Cent.Foto: Oliver Eickhoff

Meschede/Eslohe.   Die Deutsche Post stellt massenhaft unterfrankierte Briefe ohne Nachporto zu. Nach Recherchen unserer Zeitung finden in den Briefzentren keine ausreichenden automatisierten Kontrollen statt. Auch ein Experiment unserer Redaktion offenbart diese Lücke: Neun von zwölf Briefen mit nur vier Cent kamen an.

Letztlich hängt es am Zusteller, ob eine Nachzahlung erfolgt. Er ist nach Angaben des Unternehmens angehalten, aber nicht verpflichtet, das Porto zu überprüfen.

Dabei werden täglich ganz bewusst Briefe mit zu wenig Porto verschickt. Unter dem Stichwort Weltpostvertrag finden sich im Internet zahlreiche Einträge, in denen fälschlicherweise darüber berichtet wird, dass nicht das volle Porto aufgeklebt werden muss. Mal ist bei den Gerüchten von zwei Cent, mal von vier oder fünf Cent die Rede. Ab und zu wird empfohlen, die Postleitzahl in eckige Klammern zu setzen, ein anderes Mal die Briefmarken mit Datum und Unterschrift zu versehen.

Etliche Erfolgsberichte

Gemeinsam ist all diesen Hinweisen: Sie sind falsch - doch die Erfolgsquote ist hoch. Im Internet finden sich etliche Erfolgsberichte, darunter dokumentierte Selbstversuche von Privatleuten mit bis zu 100 Briefen, die alle erfolgreich zugestellt worden sind.

Zunutze macht sich diese Lücke häufig auch die rechte Szene. Anhänger berufen sich unter anderem darauf, dass „Briefe um 20 Gramm innerhalb der Grenzen von 1914“ für wenige Cent verschickt werden können. Sie nutzen dieses vermeintliche Recht - und bekommen ihre Sendungen ebenfalls überwiegend zugestellt. Zuletzt war es ein abgeschlagener Bürgermeister-Kandidat in der Gemeinde Eslohe, dessen Anhänger aus einem rechten Umfeld auf diese Weise Wahlwerbung verschickt hatten.

„Normalerweise muss das auffallen, wenn zu wenig Porto auf dem Brief ist“, sagt Post-Pressesprecher Rainer Ernzer. „Aber wir betreiben ein Massengeschäft mit 65 Millionen Sendungen am Tag - da kann natürlich etwas dadurch gehen.“ Ernzer bestreitet, dass es eine hohe Quote an Briefen gibt, die unterfrankiert einfach zugestellt wird. Zahlen darüber gibt es freilich nicht.

Das Gerücht um den Weltpostvertrag mit wenigen Cent Porto ist dem Post-Pressesprecher hinlänglich bekannt. „Das ist natürlich Quatsch“, sagt er. „Außerdem ist es so: Wir machen einen guten Job, da wollen wir auch anständig bezahlt werden.“

Oliver Eickhoff

Kommentare
07.09.2014
12:29
Post stellt auch Briefe mit zu wenig Porto zu
von Saviour1981 | #1

Liebe WAZ, willkommen im Deutschen Bundesreich 2014.

Ich vermisse bei euch die journalistische Sorgfalts- und Informationspflicht.
Mal ein paar...
Weiterlesen

1 Antwort
Gegendarstellung gegen Gegendarstellung - bitte sehr
von Aeminus | #1-1

In der Bundesrepublik Deutschland gelten die zurzeit gültigen Gesetze, von denen zwar viele noch aus dem vorletzten Jahrhundert (Erstellung) stammen, die aber alle überarbeitet wurden.

Was vor 1933, vor 1914, vor 1871 oder andere prägnaten Zahle des "Deutschen Reiches" war, das ist so etwas von uninteressant, dass ein typischer "Reichsideologenbeitrag" irgendwie sehr deplarziert wirkt!

Da sind wir auch schon bei der "rechten Szene", denn die "Schwurbeleien" der scherzhaft auch Reichsdep…en genannten, etwas verpeilten und prinzioiell aufsässigen Bürger, die zwar nie etwas zahlen möchten, gerne aber die Hand aufhalten, wenn es von staatlicher Seite etwas zu holen gibt, die werden vom Verfassungsschutz ganz klar "rechts" eingestuft!

Noch etwas zusätzlich ►

http://www.blogrebellen.de/2014/05/23/hey-montagsdemo-warum-die-sache-mit-dem-weltpostvertrag-und-den-4-cent-briefporto-voelliger-bloedsinn-ist/

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2014-06-18 12:00
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