Passanten loben Innenstadt

Sie stellten die Ergebnisse der Mescheder Besucherbefragung vor: Von links Thomas Frye und Stephan Britten von der IHK, Bürgermeister Uli Hess, Wirtschaftsförderer Klaus Wahle
Sie stellten die Ergebnisse der Mescheder Besucherbefragung vor: Von links Thomas Frye und Stephan Britten von der IHK, Bürgermeister Uli Hess, Wirtschaftsförderer Klaus Wahle
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein „befriedigend“ vergeben Besucher der Innenstadt von Meschede. 2448 Menschen sind dazu befragt worden. Meschede ist attraktiv insbesondere auch für Warstein, Bestwig und Schmallenberg.

Meschede..  Die Halbjahres-Zeugnisse stehen bevor. Die Stadt Meschede hat ihre Note schon: Die Innenstadt hat von 2448 Befragten ein glattes „befriedigend“ als Beurteilung bekommen — mit perspektivisch viel Potenzial nach oben hin. Selbstbewusstsein darf durchaus sein. Das ist das Ergebnis einer Passanten-Befragung, die im vergangenen September deutschlandweit in 62 Städten durchgeführt wurde. Fachleute der IHK Arnsberg, Partner der Umfrage, interpretierten im Rathaus die Ergebnisse.

Der typische Kunde

Auffallend bei der Mescheder Innenstadt: Die Besucher sind in der Mehrzahl häufig hier (täglich oder mehrmals in der Woche), halten sich aber (mit bis zu 60 Minuten) nur kurz auf und besuchen dabei auch nur ein oder zwei Läden. Immerhin 49 Prozent der Befragten gaben an, zum Einkaufen in die Innenstadt zu gehen. Allerdings locken auch andere Innenstädte die Besucher überdurchschnittlich an. Umgekehrt gilt: Meschede ist attraktiv für die umliegenden Bereiche – insbesondere für Warstein, Bestwig und Schmallenberg.

„Erlebnischarakter“ fehlt

Bleiben wir bei den Schulnoten: Bei der Attraktivität vergaben die Befragten insgesamt eine 2,9 als Note. „Sehr positiv“ vermerkt wurden die Gestaltung der Innenstadt, auch das Gastronomieangebot sowie die Erreichbarkeit (insbesondere per Pkw und zu Fuß). Gute Noten erhält die Innenstadt auch bei der Barrierefreiheit. Besucher vermissen allerdings einen „Erlebnischarakter“ (den die Befragten aber nicht weiter ausführten) und Freizeitangebote in der Innenstadt – dafür gab es Noten zwischen ausreichend und ungenügend.

Die Wünsche der Kunden

Gekauft hatten die Befragten an den beiden Befragungstagen insbesondere Lebensmittel, Kosmetika und Bekleidung. Ganz vorne bei den Sortimenten, die die Kunden vermissen, steht der Bereich Multimedia/Elektronik/Foto mit 41,4 Prozent, gefolgt von noch mehr Bekleidungsangeboten (35,6 Prozent), Haushaltswaren (26,5 Prozent) und Lebensmitteln (20,5 Prozent). Interessant: Die ersten drei Bereiche deckt auch das geplante Meschede-Center ab. Zu diesem sagte Bürgermeister Uli Hess: „Das Center muss kommen - und es wird auch so kommen.“

„Beratungsklau“ umgekehrt

Bemerkenswert: Der Online-Handel hat Meschede noch nicht so sehr verändert. 54 Prozent der Befragten haben demnach ihr Einkaufsverhalten deswegen noch gar nicht verändert. Aber: 24,3 Prozent besuchen wegen des Internets auch die Innenstadt zum Einkaufen schon seltener. Die IHK rät den Händlern, zweigleisig zu fahren: „Der Handel darf das Internet nicht als neues Übel ansehen“, so Thomas Frye, Geschäftsbereichsleiter für Standortpolitik. Denn die Mehrheit der Kunden wähle für sich aus: Sie kaufen selektiv manches im Internet, manches eben im Geschäft – „der Kunde denkt übergreifend“. Die IHK will deshalb beim Einzelhandel verstärkt für ein „Cross Channel“-Denken werben: Nicht jeder Laden könne einen Online-Shop eröffnen, aber jeder sollte im Internet mit seinen Angeboten auffindbar sein. Die IHK will dabei Hilfestellung leisten. Denn der vielbeklagte „Beratungsklau“ (Kunde informiert sich im Geschäft, kauft dann im Netz), sagt IHK-Handelsreferent Stephan Britten funktioniert auch umgekehrt: 32 Prozent der Käufe in real existierenden Geschäften geht zuvor eine Informationssuche in Online-Shops voraus. Sein Fazit: „Man kommt am Thema Online als stationärer Händler nicht vorbei.“

Die politische Einordnung

Bürgermeister Hess kann mit dem „befriedigend“ gut leben. Denn die Befragung lief ja im letzten Herbst, da waren die Arbeiten an der Ruhr-Promenade mit der neuen Freitreppe noch nicht beendet. Meschede ist also in der Zwischenzeit schon wieder attraktiver geworden.

Käme künftig das Meschede-Center hinzu und eine Umgestaltung der Fußgängerzone (auf die er hofft), dann sei Meschede nicht nur befriedigend, sondern gut aufgestellt.