Online-Handel belastet Innenstädte

So voll ist es in der Fußgängerzone selten – zuletzt beim Bürgerfest in Meschede.
So voll ist es in der Fußgängerzone selten – zuletzt beim Bürgerfest in Meschede.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zählt in einer Untersuchung die Passanten, die in der Mescheder Innenstadt unterwegs sind.

Meschede/Schmallenberg..  Durch den Online-Handel geraten Innenstädte zunehmend unter Druck. Meschede und Schmallenberg behaupten sich allerdings. Mehr noch: In beiden Städten besteht sogar die Chance, dass sie noch ein bisschen lebendiger werden.

Wie attraktiv eine Innenstadt ist, das lässt sich auf eine relativ einfache Weise messen: Man zählt die Passanten, die umher laufen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat jetzt eine solche Untersuchung vorgenommen. Es ist die zweite nach 2010. Das Ergebnis nach vier Jahren: Fast überall sind die Zahlen rückläufig. Als Hauptgrund dafür sieht die IHK den „deutlich gestiegenen Online-Handel“.

Sie beruft sich dabei auch auf Studien des Instituts für Handelsforschung: Demnach geht jeder dritte Besucher seltener in die Innenstädte als früher. Betroffen seien insbesondere Standorte mit einem hohen Anteil an Textil-Händlern. „Wer von der Couch aus einkauft, der fehlt in der Innenstadt als Passant“, bringt es Stephan Britten von der IHK auf den Punkt.

Hoffen aufs Meschede-Center

Dass in den Städten im heimischen Raum die Besucherzahlen gesunken sind, führt die IHK auf den nächsten Effekt zurück: Bleiben die Kunden aus, gibt es weniger Geschäfte, in der Folge sinkt die Attraktivität. Grundsätzlich sei es aber nicht schlecht bestellt um die Zentren in der Region. Die Innenstädte hätten nach wie vor eine „hohe Anziehungskraft.“

Für Meschede ist sehr deutlich zu sehen, warum Karstadt und später Hertie immer als Magnet bezeichnet worden ist: Am Winziger Platz hat sich die Zahl der Passanten innerhalb der vergangenen Jahre nahezu halbiert. Diese schlechte Nachricht ist zugleich eine gute: Christina Henke, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, rechnet mit deutlich mehr Besuchern ab Ende 2015 – dann, wenn das Meschede-Center eröffnen soll.

Bereits gesteigert worden sind die Zahlen auf der Ruhrbrücke und an der Ruhrstraße. Darin sieht Henke einen Beleg dafür, was erreicht werden kann, wenn eine Innenstadt attraktiv umgestaltet wird. Leicht rückläufig sind die Werte für den Kaiser-Otto-Platz -- doch auch hier plant die Stadt Meschede bauliche Veränderungen. Wenn sich die Kaufleute beteiligen, soll auf Initiative von Bürgermeister Uli Hess die Fußgängerzone umgestaltet werden.

Neben dem zunehmenden Online-Handel sieht Henke einen weiteren grundsätzlichen Grund für rückläufige Besucherzahlen in den Innenstädten: den demographischen Wandel. Weil die Bevölkerung altert und es weniger Menschen gibt, können auch weniger Passanten durch die Einkaufsstraßen laufen.

Diesen Trends versuchen auch die Schmallenberger Einzelhändler entgegenzuwirken – mit Erfolg. Rund um den Schützenplatz im Ortskern hat die Zahl der Passanten in den vergangenen vier Jahren leicht zu genommen. An der Ladenzeile hingegen ist sie leicht zurückgegangen. „Die Kundenfrequenz ist für die Schmallenberger Ladeninhaber aber im Allgemeinen zufriedenstellend“, sagt Reiner Luig von der Schmallenberger Werbegemeinschaft.

Kunden vom Computer weglocken

Dabei spiele der Tourismus eine wichtige Rolle. Aber auch die Gegebenheiten vor Ort hält Luig für einen Erfolgsfaktor: „Wir haben hier einen hervorragenden Branchenmix – man bekommt hier alles, ohne erst mit dem Auto irgendwo hinfahren zu müssen.“ Auf diesen vor allem im Vergleich mit anderen Städten erfreulichen Zahlen sollten sich die Einzelhändler seiner Meinung nach aber nicht ausruhen. Stattdessen müssten sie auch in Zukunft weiter daran arbeiten, die Kunden weg vom Computer und rein in die Innenstädte zu locken.