Olper berichtet – Indonesien von Flugunglück tief betroffen

Entsetzen bei Angehörigen, nach dem Absturz des Flugs QZ8501.
Entsetzen bei Angehörigen, nach dem Absturz des Flugs QZ8501.
Foto: imago/Xinhua
Was wir bereits wissen
In Indonesien ist ein Flieger der Air Asia abgestürzt. Frank Wiesemann aus Olpe lebt in dem Land – und erzählt von seinen Eindrücken nach dem Unglück.

Olpe/Yogyakarta.. Das Ziel war Singapur. Doch dort kam Flug QZ 8501 nie an. Die Maschine stürzte am Sonntag ins Meer. Sie war in Indonesien gestartet. In dem asiatischen Land lebt zurzeit Frank Wiesemann, gebürtig aus Olpe bei Meschede. Ihn haben wir befragt, wie betroffen die Menschen sind und mit welchen Gefühlen er dort in ein Flugzeug steigt.

Frage: In Indonesien haben viele Menschen durch den Flugzeugabsturz ihre Angehörigen verloren. Spürt man die Trauer in dem Land?

Wiesemann: Die Menschen hier sind sehr betroffen, schon allein, da fast alle Opfer Indonesier sind. Der Luftverkehr hat während der letzten Jahre stark an Bedeutung gewonnen. In Indonesien gibt es 130 große Flughäfen, ständig kommen neue dazu. Vor allem an Feiertagen sind sehr viele Menschen unterwegs. Andererseits sind Katastrophen keine Seltenheit. Auch wenn am Montag die Nachricht über das verschwundene Flugzeug die hiesigen Medien dominierte, so gab es auch Artikel über große Erdrutsche mit Verschütteten, großflächige Überschwemmungen sowie eine Brandkatastrophe in Solo, wobei 1532 Geschäfte eines Marktes zerstört wurden.

Sie selbst sind viel mit dem Flugzeug in Südostasien unterwegs. Steigen Sie genauso gelassen ein wie bisher?

In Flugzeuge steige ich hier gelassener ein als in ein Auto. Auf Druck der Regierung haben die hiesigen Fluggesellschaften während der letzten sechs Jahre intensiv in neue Technik und Sicherheit investiert. Unter anderem sind Flugzeugmodelle, die noch während der siebziger oder achtziger Jahren gebaut wurden, mittlerweile ausgesondert. Mir ist bewusst, dass von den vielen Airlines nur die staatliche Garuda und die betroffene Air Asia gültige Sicherheitszertifikate nach internationalem Standard haben. Als so genannter Billigflieger muss Air Asia knapp kalkulieren. Aufgrund meiner Erfahrungen im Land ist mir bewusst, dass hier etwa einmal pro Jahr ein größeres Unglück vorkommt. Auch wenn das Risiko gering ist, planen meine Kollegen und ich daher Dienstreisen sehr sorgfältig.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen einer Flugreise in Indonesien und in Europa?

Hier schätze ich, dass Sicherheitschecks weniger anstrengend sind als in Deutschland. So passieren hier Wasserflaschen problemlos den Durchleuchtungsscanner, auch ohne spezielle Plastiktüten. Auch ist es häufig üblich, dass die Passagiere vom Warteraum zu Fuß zu ihrem Flugzeug gelangen, was stets gute Momente für ein Erinnerungsfoto gibt. Oft ist viel Handgepäck dabei, das mit Souvenirs gefüllt ist. Probleme löst man durch ein Lächeln und Verständnis. Während der letzten Jahre sind mehrere große Terminals gebaut worden, solche Projekte scheinen hier viel einfacher zu gelingen als beispielsweise in Berlin. Gut ist, dass meistens dann auch die Landebahnen mit verlängert werden konnten.

Es ist momentan Regenzeit. Macht sich das auch aus Sicht eines Passagiers bemerkbar?

Ja. Vor allem in den Phasen von Start und Landung müssen die Flugzeuge häufig durch Regenwolken, was dann unangenehme Turbulenzen bedeutet. Manchmal kommt es zu Verspätungen, insbesondere wenn die Piloten auf Sicht fliegen oder Sturmzentren ausweichen. Nur etwa 25 Kilometer vom Flughafen meines Dienstortes Yogyakarta entfernt ragt der Merapi-Vulkan 2800 Meter hoch über das ansonsten ebene Land. Jetzt ist der Berg oft in Wolken eingehüllt und damit einfach unsichtbar. Da die Regenzeit jedes Jahr vorkommt, vertraue ich der Erfahrung der Piloten, die ja auch sicher zu ihren Familien zurück wollen.

Wann ist die nächste Reise mit dem Flugzeug geplant?

Schon am Sonntag werde ich von Yogyakarta über Denpasar, also Bali, nach Maumere, Insel Flores, fliegen. Eine Dienstreise über etwa 1500 Kilometer weit nach Osten. Der Großteil der Strecke wird über die See gehen. In Maumere werde ich einen Planungsworkshop eines der Partner von Misereor moderieren. Seit Beginn meiner Tätigkeit hier vor sechs Monaten hatte ich bereits etwa 30 Reisen per Flugzeug in der Region, ähnlich dürfte es im neuen Jahr weiter gehen. Ich genieße die Chance, dieses riesige wie spannende Land erkunden zu können und dabei die engagierte Arbeit lokaler Organisationen zu fördern.