Nutzungsfrage ungeklärt

Einer Müllkippe gleicht inzwischen das Firmengelände am Ende der Waldstraße – alle Gebäude sind aufgebrochen, im Inneren ist alles zerschlagen, draußen ist immer mehr Abfall hinzugekommen.
Einer Müllkippe gleicht inzwischen das Firmengelände am Ende der Waldstraße – alle Gebäude sind aufgebrochen, im Inneren ist alles zerschlagen, draußen ist immer mehr Abfall hinzugekommen.
Foto: WP
Das ehemalige Tierverwertungsgelände an der Waldstraße in Meschede ist inzwischen zum Schnäppchen-Preis zu haben. Ein Interessent hat sich dafür gemeldet.

Meschede..  Der vierte Anlauf – und jetzt gibt es immerhin einen Interessenten für das ehemalige Tierverwertungsgelände am Ende der Waldstraße. 60 000 Euro bot ein Mann aus Duisburg beim vierten Zwangsversteigerungstermin im Mescheder Amtsgericht. Ein eigentlich lächerlich niedriger Preis angesichts einer Fläche von rund 12 000 Quadratmetern.

Ob er damit auch den Zuschlag erhält, ist aber noch offen. Denn der offizielle Zuschlag wurde erst einmal ausgesetzt: Die Sparkasse Meschede als Hauptgläubigerin kann jetzt entscheiden, ob sie das niedrige Angebot akzeptiert. Und es gibt noch eine Hürde: Denn gleichzeitig müsste sich der potenzielle Käufer gegenüber der Stadt vertraglich verpflichten, den gesamten Müll auf dem Gelände ordnungsgemäß zu entsorgen. Und die Abfallmengen dort sind gewaltig: Müll jeder Art, der dort abgelegt wurde, Reifenberge, Kisten mit abertausenden Flaschen an Leergut, obendrein noch einige tierische Hinterlassenschaften des Unternehmens, das 2012 pleite gegangen war.

Verkehrswert ist illusorisch

Und im Grunde ist die gesamte Immobilie zwischen den Zwangsversteigerungs-Terminen selbst schrottreif geworden: Vandalen, Diebe und Einbrecher sind inzwischen in alle Gebäudeteile, einschließlich eines Wohnhauses samt Schwimmbad, eingedrungen und haben alles zerstört. Alle Leitungen sind von Metalldieben gestohlen worden. Eine dauerhafte Sicherung des abgelegenen Geländes ist unmöglich. Nach dem letzten Versteigerungstermin im Herbst 2014 hatte die Stadt auf dem Zufahrtsweg Pfosten angebracht, die aber kurzerhand umfahren worden sind.

Illusorisch ist es, auch nur ansatzweise in die Nähe des Verkehrswertes zu kommen. Den beziffert der Gutachter auf 366 000 Euro. Nach den letzten Versteigerungsterminen waren die Wertgrenzen weiter gesenkt worden. Jetzt lagen sie gerade einmal bei einem Mindestgebot von 55 000 Euro, das Interessenten eingehen mussten. Darunter sind, neben den Schulden bei der Sparkasse und den Verfahrenskosten, auch Forderungen der Stadtkasse, aktuell 31 000 Euro an Grundsteuern.

Ungeklärte Nutzungsfrage

Die Stadtverwaltung verfolgte den neuen Versteigerungstermin mit Fachbereichsleiter Klaus Wahle. Der potenzielle Käufer wollte noch keine Angaben machen, was er mit dem Gelände anfangen will. Und das ist die eigentliche Hürde: Wofür dürfte ein Käufer eine Baugenehmigung stellen? Die Zufahrtsstraße verläuft über das Wohngebiet der Waldstraße. Historisch lag hier im Wald, abseits der Stadt, die Knochenmühle Mundes; später wurden daraus andere Verwertungsfirmen, deren Betriebserlaubnisse erloschen sind.

Laut Flächennutzungsplan ist das Gelände nur ein Waldgebiet. Das ist auch in einem alten Wegerecht festgehalten, das in einem Rezess von 1914 fixiert ist. Auch ein neuer Eigentümer müsste dem Forst immer noch gestatten, über die Wege auf dem Grundstück Holz transportieren zu dürfen.