„Nirgendwo können Sie so entspannt feiern“

Meschede..  Eine Königin, günstigere Preise für junge Leute und Damen, eine neue Flaggen-Aktion – die St.-Georgs-Bruderschaft verändert ihr Schützenfest an mehrere Stellen. Darüber haben wir mit Hauptmann Andreas Diemel-Kotthoff gesprochen.

Das Schützenfest der St.-Georgs-Schützen findet dieses Jahr erstmalig mit offizieller Königin statt. Wie wird sich das Fest dadurch verändern?

Andreas Diemel-Kotthoff: Es ist zwar das erste Schützenfest mit Königin bei St. Georg, aber wir haben ja schon einige Auftritte mit unserer Schützenkönigin gehabt. Auf dem Jubiläumsfest in Grevenstein und auf dem Kreisschützenfest in Meschede-Nord ist diese Entwicklung sehr positiv begrüßt worden.

Wäre es dann nicht konsequent gewesen, die Frauen bei St. Georg auch zum Vogelschießen zu lassen? Das ist doch ein Widerspruch, eine Königin zu haben und die Frauen dann am Freitag auszuschließen.

Für viele Außenstehende und auch einige Schützenbrüder mag das ein Widerspruch sein. Aus meiner Sicht hat das eine mit dem anderen aber nichts zu tun. Unser Schützenkönig kann sich eine Königin wählen, muss es aber nicht tun. Wir könnten also in diesem Jahr durchaus auch wieder ohne Königin sein, wenn der neue Schützenkönig das so möchte oder keine Partnerin hat. Die Generalversammlung als höchstes Organ unserer Bruderschaft hat entschieden, dass wir das Vogelschießen weiter ohne Frauen und Kinder durchführen. Das war eine enge, aber demokratische Entscheidung, die es zu akzeptieren gilt.

Sie selbst haben nach der Generalversammlung betont, dass Sie auch „gegen Frauen“ unter der Vogelstange sind. Möchten Sie nicht, dass die Bruderschaft sich weiter modernisiert wird?

Die Frage ist sehr provokant gestellt. Da antworte ich: Sollen wir denn alle Traditionen abschaffen, nur weil es gerade dem Zeitgeist entspricht? Ich stelle gerade bei unseren Jungschützen fest, dass sie sehr an unseren Traditionen hängen. Dazu zählt insbesondere das Vogelschießen am Freitagmorgen in dieser Form. Früher soll mal ein Mescheder Pastor gesagt haben, dass es eher weibliche Priester gibt, als dass St. Georg eine Königin bekommt. Da waren wir deutlich schneller als die Kirche!

Die Schützenbruderschaft senkt in diesem Jahr die Eintrittspreise für Jugendliche und Damen deutlich ab. Kann man für 15 Euro kostendeckend ein Freibierfest gestalten?

Natürlich nicht. Uns geht es darum, dass wir der geänderten Ausbildungssituation der Jugendlichen Rechnung tragen. Viele von ihnen befinden sich im Studium oder anderen Weiterbildungen. Da ist das Geld nicht vorhanden. Die Mindererlöse müssen wir aus unserem Allgemeinbudget kompensieren.

Glauben Sie denn, dass es wieder richtig voll wird „auf der St.-Georgs-Halle“ durch attraktivere Preise?

Im ersten Jahr vielleicht noch nicht. Entwicklungen brauchen Zeit. Wenn unsere Schützenbrüder aber ordentlich Mund-zu-Mund-Werbung machen, kann es funktionieren. Ich kann nur raten: Einfach mal die Nachbarn oder alte Freunde ansprechen, wieder mit zu St. Georg zu kommen. Nirgendwo können Sie so entspannt feiern wie auf unserem Freibierfest. Betonen möchte ich, dass wir den offiziellen Teil deutlich gestrafft haben. Für Jugendliche wird der Festablauf dadurch attraktiver!

Dies wird ihr letztes Schützenfest als Hauptmann der St.-Georgs-Schützen. Warum hören Sie auf?

Die Amerikaner haben sich was dabei gedacht, dass Sie Ihren Präsidenten für maximal zwei Amtszeiten wählen. Danach schleift sich nämlich Routine ein. Das möchte ich im Sinne der Bruderschaft vermeiden. Aber auch privat ist in den letzten Jahren vieles zu kurz gekommen. Ich möchte meine Frau beim Ausbau ihres Geschäftes unterstützen. Die Zeit bei St. Georg hat viel Kraft gekostet, aber ich möchte keinen Moment missen!