Neuer Lebensabschnitt in Seniorenresidenz

Ihre Möbel hat Hedwig Schildenberger aus Stuttgart mitgebracht.
Ihre Möbel hat Hedwig Schildenberger aus Stuttgart mitgebracht.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Hedwig Schildenberger (82) aus Schmallenberg will anderen Mut zur bewussten Entscheidung für den Umzug im Alter machen.

Schmallenberg..  Aus den eigenen vier Wänden in eine Seniorenwohnung, fast 400 Kilometer weit entfernt. Dafür hat sich Hedwig Schildenberger vor anderthalb Jahren entschieden. Und sie bereut diesen Schritt nicht.

Die 82-Jährige sitzt in ihrer kleinen Wohnung in der Residenz Alexander mitten in der Schmallenberger Kernstadt. Von ihrem Wohnzimmer im ersten Stock aus kann sie auf die Stadthalle und die Wälder Richtung Fleckenberg schauen. Diese Landschaft bedeutet für sie Heimat, auch wenn sie Jahrzehnte lang ganz woanders gelebt hat. Aber als 80-jährige Witwe hat es sie dann zurückgezogen.

„Ich bin vor allem hierhergekommen, weil ich Gemeinschaft wollte“, sagt Schildenberger. „Zu Hause war ich meistens alleine.“ Zu Hause – damit meint sie Stuttgart, wo sie rund 40 Jahre lang gelebt und ihren Mann geheiratet hat. Von dort hat sie einige Möbel mit nach Schmallenberg gebracht, aber sie musste auch viel Gewohntes zurücklassen.

Alltag in der Stadt

Das Leben in der Stadt hat Schildenberger in vollen Zügen genossen. Sie hatte Bekannte, hat in einem Chor gesungen, einen Schrebergarten gepflegt und ist gerne in der Innenstadt bummeln gegangen, auch noch nach dem Tod ihres Mannes.

Aber irgendwann machten ihre Augen Probleme und nach einer Hüftoperation brauchte sie Hilfe im Alltag. „Ich war immer unterwegs und habe viel unternommen – das ging alles irgendwann nicht mehr.“ Also hat sie sich für den Umzug in die Nähe ihrer Brüder, Nichten und Neffen entschieden.

Vom Kloster in die Ehe

Im Leben ganz neu anzufangen – darin hat Hedwig Schildenberger schon Übung. Als junge Frau entschied sie sich für ein Leben im Kloster. Sie wurde Franziskanerin und arbeitete als Säuglingsschwester in verschiedenen Krankenhäusern. Nach 16 Jahren als Ordensschwester trat sie wieder aus, weil ihr das eng getaktete Leben aus Beten und Arbeiten zu viel wurde. Kurze Zeit später lernte sie ihren Mann kennen, zog zu ihm nach Süddeutschland.

„Die Neuanfänge in meinem Leben waren oft nicht leicht, aber ich habe mich immer wieder gefangen und letztendlich waren sie alle erfolgreich“, sagt Schildenberger rückblickend. Und so war es auch in der Seniorenresidenz. Mittlerweile fühlt sie sich hier wohl. Zwar hatte sie gehofft, noch engere Kontakte zu den Nachbarn aufbauen zu können, aber sie genießt die gemeinsamen Mittagessen, Ausflüge und Gymnastikstunden. Fast jedes Wochenende bekommt sie Besuch von ihrer Familie.

Das bestätigt sie in ihrer Entscheidung: „Es ist hart, wenn man aus seinem gewohnten Umfeld geht und vieles zurücklassen muss – aber es ist wirklich erstrebenswert, das bei vollem Bewusstsein zu tun und den Ort noch genießen zu können, an dem man neu anfangen möchte.“ Deshalb legt sie anderen Senioren ans Herz, den Umzug früh genug zu wagen.