Neue Nord-Süd-Verbindung

Der Pfeil markiert die 33 Meter lange Unterführung, die unter den Gleisen geplant ist. Um dem Fundament des Pfeilers der Antoniusbrücke auszuweichen, muss die Unterführung schräg angelegt werden.
Der Pfeil markiert die 33 Meter lange Unterführung, die unter den Gleisen geplant ist. Um dem Fundament des Pfeilers der Antoniusbrücke auszuweichen, muss die Unterführung schräg angelegt werden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Für fast fünf Millionen Euro wird der Bahnhof in Meschede ab August modernisiert. Kernstück ist eine neue Unterführung. Wegen der schwierigen Baustelle werden sich die Arbeiten bis Ende 2016 hinziehen.

Meschede..  Im August beginnt der Umbau des Mescheder Bahnhofs. Es wird die technisch anspruchsvollste Baustelle dieses und des nächsten Jahres: Gearbeitet wird auf engstem Raum, bei weiter laufendem Bahnbetrieb. Wegen der Schwierigkeiten werden sich die Arbeiten bis Ende 2016 hinziehen.

Die Arbeiten sind Teil von „MOF 2“, der Fortsetzung der „Modernisierungsoffensive“, mit der insgesamt 108 kleine und mittlere Bahnhöfe in NRW sicherer und barrierefreier werden sollen. Für Meschede ist insgesamt eine Investition von 4,9 Millionen Euro vorgesehen.

Aufzüge zu den Bahnsteigen

Meschede wird durch den Umbau eine neue, 33 Meter lange und drei Meter breite Nord-Süd-Verbindung erhalten. Denn nachher wird man unter allen Gleisen hergehen können – von der Ladestraße (parallel zur Lagerstraße, neben dem ehemaligen Gartenmarkt) bis zum Hauptbahnsteig an der Le-Puy-Straße. Die neue Komplett-Unterführung ersetzt die jetzige, unzeitgemäße Schmuddel-Unterführung, die nur bis zum Mittelbahnsteig führt. Zum Mittel- und Hauptbahnsteig werden künftig Aufzüge hochführen. Der Ausgang zur Nordseite hin wird als Rampe gestaltet – alles soll behinderten- und altersgerecht sein.

Arbeiten in die Tiefe

Klaus Wahle, Fachbereichsleiter im Rathaus, kennt die technischen Schwierigkeiten der Baustelle. Um zum Beispiel die Höhe der Unterführung von fast drei Metern und den nötigen Abstand zu den Gleisen erreichen zu können, muss gewaltig, nämlich 5,30 Meter, in die Tiefe gegraben werden. Während die jetzige kürzere Unterführung noch gerade verläuft, wird die neue schräg geführt: Nur so kann man auf der Nordseite dem Pfeiler der Antoniusbrücke ausweichen – der nämlich hat unterirdisch ein gewaltiges Betonfundament. Wahle ist auf den Durchbau der Unterführung besonders stolz, der in den Verhandlungen mit der für die Bahnhöfe zuständigen Gesellschaft „DB Station & Service“ erreicht wurde – wobei der Tunnelausgang samt Rampe dann von der Stadt beauftragt werden muss. Derzeit laufen die Untersuchungen zum Baugrund, insbesondere zum Grundwasserstand. Danach können die Kosten dafür ermittelt werden. Die Stadt will dann eine Förderung von 90 Prozent der Baukosten beantragen.

Etwas weitere Wege

Beide Bahnsteige werden von jetzt 38 auf 76 Zentimeter angehoben. Das erleichtert den Ein- und Ausstieg in die Züge. Um dieses Höhenniveau allerdings erreichen zu können, muss der Hauptbahnsteig in Richtung Aldi verschoben werden. Dort halten künftig Züge in Richtung Bestwig/Kassel. Bisher hielten sie direkt am Busbahnhof. Künftig entfällt damit der nahtlose Umstieg von der Bahn in den Bus, man muss etwas weiter bis zum Busbahnhof laufen: „Diese Kröte mussten wir schlucken“, sagt Klaus Wahle.

Bauen auf engstem Raum

Während der Bauzeit wird immer wieder ein Gleis gesperrt werden, die Züge müssen auf das Nachbargleis umgeleitet werden. „Der Bahnhof wird aber während der gesamten Bauzeit in Funktion bleiben“, verspricht Klaus Wahle. Kompliziert machen es die beengten Verhältnisse. Denn gebaut werden kann nur aus nördlicher Richtung, das Aldi-Grundstück gegenüber kann nicht benutzt werden, weil die Anlieferung des Marktes immer gewährleistet sein muss. Wegen der Baustelle werden ab August auch die kostenlosen Parkplätze an der Ladestraße wieder wegfallen.

Anreize für Radfahrer

Bestehen bleibt das Dach auf dem Mittelbahnsteig, errichtet werden dazu neue Windfänge, Uhren, Schilder. Für Klaus Wahle ist die Modernisierung überfällig: „Der Bahnhofsbereich ist bisher wirklich kein Aushängeschild für Meschede. Das soll er aber werden.“ Inzwischen würden auch viele Radfahrer mit der Bahn anreisen bzw. viele Mescheder ihr Fahrrad am Bahnhof stehen lassen. Für sie soll es, so Wahles Idee, künftig abschließbare Fahrradboxen geben.

Park-and-Ride-Parkplatz

Im Anschluss an die Bahnhof-Modernisierung will die Stadt 2017 den Parkplatz an der Ladestraße neu strukturieren und eine Park-and-Ride-Anlage mit barrierefreiem Zugang zu den Bahnsteigen und zum Busbahnhof sowie eine Fahrradab­stellanlage erstellen. Entstehen wird ein Parkplatz, dessen 109 Stellplätze in erster Linie für Umsteiger vom Auto in die Bahn gedacht sind. Die 109 Plätze sollen (wie bisher) kostenlos sein. Die Zufahrt erfolgt über einen neuen Kreisverkehr an der Kreuzung Lagerstraße/Weingasse. Voraussichtliche Kosten: 1,5 Millionen Euro, bei denen die Stadt ebenfalls eine 90-prozentige Förderung erhofft.