Narren übernehmen Regentschaft

Schmallenberg..  Die neue Stadthalle wurde im September 1954 eingeweiht – bereits im Februar 1955 fand die erste Karnevalsfeier des Männergesangsvereins (MGV) in der neuen Stadthalle statt. Im närrischen bunten Flitter zeigte sich die Bühne der großen Stadthalle, als der Chor des MGV unter musikalischer Leitung von Kurt Ermecke mit drei netten Liedern den Auftakt zur vierten Großsitzung der Karnevalsgesellschaft des MGV gab.

Mit Pauken und Trompeten der Kapelle aus Velmede-Bestwig und zum Klatschmarsch des Narrenvolkes zog der Präsident mit dem Elferrat „in die graute nigge Halle, et aiste Mohl taum Karnevalle“ ein.

Sauerländer Selbstironie

Hedwig Jungblut-Bergenthal servierte dann nach einführenden Worten die Stadtchronik 1954. So manches humorige Bröckchen, am scharfen Spieß gebraten und deftig gepfeffert, war zu hören. In puncto Familiengeschehen wusste sich „dat Menske“ an alles zu erinnern.

Ein sauerländisches Naturgewächs über Wein und süße Mägdeleins servierten Hans Degen (Text) und Heribert Falke, genannt Nurmi (Vertonung), dem stimmungsdurstigen heimischen Publikum mit gutem Erfolg. Das Lied vom Sauerland schlug wie eine Bombe ein, zumal beim Refrain: „Wenn man auch sagt, wir wären stur... Nein, davon keine Spur: Nicht am Rhein nur läßt`s sich leben!“

Der Geist der Schützenhalle

Das erste fröhliche Schunkeln war kaum abgeklungen, als auch schon eine alte Dame mit Spitzenhose und Regenschirm (K.J. Leggen) in der Bütt ihre Altweibersorgen an den Mann zu bringen versuchte. Was die Rothaarige alles auf den Zähnen hatte – unwahrscheinlich.

Anschließend trug Leo Bockholt zündende Episoden eines verdooften Reisenden vor und erntete dafür viel Applaus.

Dann folgte eine große Überraschung, denn die alte Schützenhalle kam als Geist auf die Bühne. „Sprechender Geist“ war Fritz Hahn, der sich mit der „koketten Stadthalle“, Magdalenen Schlüter, manche frechen Wahrheiten und tiefgründige Weisheiten zu sagen hatte. „Ich bin der Liebling des Bürgermeisters!“, zierte sich die moderne Stadthalle. „Alles reißt sich um mich, sogar der NWDR!“ Doch da prustete die alte Schützenhalle hervor: Köttendaier – saugar de Schützen hiäste unwois macht!“ Doch schließlich musste die alte Halle zugeben, dass sie nicht mehr in diese Welt passe – und Undank sei der Welt Lohn…

Karnevalsprinz übernimmt

Mit einem Riesenschlüssel, den Bürgermeister Paul Falke an den Karnevalsprinz Karl-Josef I. (Karl-Josef Leggen) übergab, übernahm dieser die Herrschaft über das Narrenvolk der Stadt. Seiner Tollität erster Erlass lautete: „Totaler Steuererlass für alle!“ (aber nur bis Aschermittwoch).

Weiter ging es mit Fritz Hahn, der über „urkomische Reiseergebnisse von Hännes und Fina“ berichtete.