„Nach Sandy ist die Panik verständlich“

Markus Wilmers an der Upper East Side bei strahlendem Sonnenschein statt Schneesturm.
Markus Wilmers an der Upper East Side bei strahlendem Sonnenschein statt Schneesturm.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Der aus Bonacker stammende New Yorker Architekt Markus Wilmers über die Vorbereitungen der Metropole auf den angekündigten Schneesturm – der dann ausblieb.

Bonacker/New York..  Die Meldungen klangen dramatisch – 90 Zentimeter Neuschnee und heftige Winde waren angekündigt. Der Bürgermeister rief vorsorglich den Notstand aus, außer Polizei und Rettungsdienst durfte niemand mehr Auto fahren. Doch der Blizzard blieb aus. Trotzdem war die Millionenstadt New York lahmgelegt. Und Markus Wilmers aus Bonacker mittendrin.

„Panikmache“, sagt er und lacht. „Die meisten New Yorker haben sich aber über den freien Tag gefreut.“ Schon am Sonntag hatten sich viele mit Hamsterkäufen eingedeckt. Wilmers verzichtete: „Ich wollte nur was fürs Abendessen kaufen und habe dann auf dem Absatz kehrt gemacht.“ Kerzen, Wasser und Konserven – die New Yorker hätten ganze Supermärkte leergekauft. Markus Wilmers, der seit 2008 als Architekt in New York lebt und arbeitet, ließ sich nicht verrückt machen: „Ich hatte ein Extra-Päckchen Zigaretten und ein Paket Kaffee“, scherzt er.

Montagmorgen dann habe er zwei Stunden – statt 25 Minuten – für den Weg ins Büro gebraucht, weil das Boot nicht fuhr. Die meisten New Yorker seien gleich ganz zu Hause geblieben. „Meine Kollegin ist mit den Kindern Schlittenfahren gegangen.“ Abends auf dem Heimweg habe er ganz allein in der U-Bahn gesessen. „Es kommt zwar im Sauerland schon mal vor, dass man allein im Bus sitzt. In New York ist das aber eher ungewöhnlich.“

Bürgermeister will alles richtig machen

Auch in seinem Bekanntenkreis hätten die Meisten sich nur über die Ängstlichkeit lustig gemacht. „Aber wir hatten auch Verständnis, der neue Bürgermeister wollte halt nach Sandy alles richtig machen.“

Der Hurrikan Sandy fegte im Oktober 2012 über New York. Damals gab es Überschwemmungen und Stromausfälle, 80 Häuser brannten ab. Über Facebook wurde die Hilfe organisiert und auch Markus Wilmers brachte damals mit Freunden Essen zu Rentnern, die ihr Haus nicht verlassen konnten. „Wir sind dann durch dunkle Treppenhäuser zu den Wohnungen getappt. Das war schon gespenstisch.“

Die Stadt, die nie schläft, ist ruhig wie nie

Jetzt aber gab es keine besonderen Vorkommnisse. Nur die Stadt, die angeblich nie schläft, sei ruhig wie nie gewesen. „25 Zentimeter Neuschnee ist nicht viel für New York, aber das dämpft die Geräusche.“ Dazu sei es bitterkalt, etwa zehn Grad minus, schätzt Wilmers. Dazu weht ein eisiger Wind vom Atlantik. Und was sagt der Sauerländer über den Neuschnee? „Es ist halt Winter“, sagt er und lacht, „da soll es auch schon mal schneien.“