Das aktuelle Wetter Meschede 27°C
Fort-Fun-Prozess

Mutmaßlicher Fort-Fun-Betrüger sieht sich in der Opferrolle

13.11.2012 | 16:51 Uhr
Mutmaßlicher Fort-Fun-Betrüger sieht sich in der Opferrolle
Matthäus Z. neben Anwalt Dr. Philipp Horrer und der Verteidigerin seiner Mutter, Ria Rajana Halbritter.Foto: Thomas Nitsche

Arnsberg/Bestwig.   Im Fort-Fun-Prozess vor dem Landgericht Arnsberg haben die beiden Angeklagten Matthäus (29) und Christine Z. (53) „Erklärungen zu den persönlichen Verhältnissen“ von ihren Verteidigern verlesen lassen. Demnach litt die Familie unter Gewalttätigkeiten des alkoholkranken Vaters.

Die nur fünf Wochen dauernde Ära Z. beim Fort Fun Abenteuerland ist bereits seit Januar beendet. Im Handelsregister des Amtsgerichts Arnsberg ist der Name der von Christine und Matthäus Z. gegründeten Betreibergesellschaft „One World Nordrhein-Westfalen GmbH“ - wie der Vorsitzende Richter am Landgericht Arnsberg Klaus-Peter Teipel bei der Verhandlung berichtete - erst am 31. Oktober erloschen. Hintergrund für die Verzögerung soll die nach französischem Recht etwas diffizile Rücküberführung an den alten und neuen Eigentümer Compagnie des Alpes sein.

Dunkelstes Kapitel

Der Kontrast könnte am zweiten Verhandlungstag kaum größer sein. Vielen Bestwigern sind die Bilder vom Jahresempfang der Gemeinde noch vor Augen, als Matthäus Z. im strahlend weißen Anzug ans Mikrofon trat und den Einwohnern freien Fort-Fun-Eintritt für ein Jahr versprach. Jetzt symbolisiert nicht nur schwarze Kleidung, dass derzeit das dunkelste Kapitel im Leben des früheren Sängers („ganz normale Teenie-Popmusik“) geschrieben wird.

In Handschellen wird der 29-Jährige in den Gerichtssaal geführt. Mit ernstem Blick verfolgt er, wie sein Anwalt eine persönliche Erklärung seines Mandanten verliest. Tenor: der mutmaßliche Fort-Fun-Betrüger ist das Opfer einer schlimmen Kindheit, geprägt durch seinen ­Vater, einem „gewalttätigen Schwerstalkoholiker“ und Waffennarr. Seine mitangeklagte Mutter Christine (53) lässt ihre Verteidigerin sagen, dass Matthäus als ältester Sohn am meisten von der „Zerstörung der Familie“ und der einstmals erfolgreichen Schnapsbrennerei mitbekommen habe.

Auch später sieht er sich in der Opferrolle: Geschäftspartner (bei einer Diskothek) hätten ihn „über den Tisch gezogen“, „Gönner ihn ausgenommen“ und Richter ihn wegen versuchter Steuerhinterziehung verurteilt, obwohl die „Gründe bis heute nicht klar“ seien.

Desolate finanzielle Lage bei Fort-Fun-Geschäften

Bei den mit gefälschten Belegen abgeschlossenen Fort-Fun-Geschäften (der Park für 6 Millionen Euro, eine Achterbahn für 13 Millionen Euro) dürfte eine Opferrolle des mehrfach Vorbestraften schwer zu vermitteln sein - zumal ein Insolvenzgericht bereits 2009 eine desolate finanzielle Lage erkannte.

Die Verteidigung ist an einer „verfahrensbeendenden Absprache“ mit Hilfe von Geständnissen interessiert und kündigt baldige Vergleiche mit Gläubigern zur Schadenswiedergutmachung an. Richter Teipel hat es nicht so eilig, er will am kommenden Freitag den ersten Zeugen hören. Das Bundesverfassungsgericht, so sagt er, habe soeben den Richtern ins Stammbuch geschrieben, Geständnisse auf „Wahrhaftigkeit und Überzeugungskraft“ zu überprüfen.

Rolf Hansmann



Kommentare
16.11.2012
09:17
Mutmaßlicher Fort-Fun-Betrüger sieht sich in der Opferrolle
von zwergschatten | #2

naja,als beschuldigter müssen sie nicht bei der wahrheit bleiben. ich denk aber mal, mit solchen geschichten wird er bei der vorgeschichte eher ein härteres urteil bekommen als mittleid wecken.

von daher: weiter so! :-))

14.11.2012
01:20
Mutmaßlicher Fort-Fun-Betrüger sieht sich in der Opferrolle
von nussknacker | #1

... wieder die armen Täter mit der immer wieder gleichen geschichte der schlechten Kindheit!
Zum Kotzen, hätten sie Millionen ergaunert, säßen sie jetzt in der Karibik und würden über die doofen Opfer lachen!

Aus dem Ressort
Abgeordnete ohne Nebeneinkünfte
Politik
Wer im Bundestag sitzt, muss seine Nebeneinkünfte offenlegen. Manche Politiker verdienen mehrere zehn- bis hunderttausend Euro zusätzlich. Und die beiden heimischen Abgeordneten Patrick Sensburg (CDU) und Dirk Wiese (SPD)?
Spielplatz aufgewertet
Dorfleben
Auf dem Eibel-Spielplatz in Wenholthausen steht jetzt eine zwölf Meter lange Rutsche als zusätzliche Attraktion. 14 000 Euro wurden dafür investiert. Um den Spielplatz kümmert sich der Heimatverein des Ortes.
Dorf der Generationen
Projekte
In Andreasberg sind viele Projekte im Rahmen der „Leader“-Förderung umgesetzt worden, um den Ort zum „Dorf der Generationen“ zu machen. Der Zusammenhalt zwischen Jung und Alt soll so gestärkt werden.
Vorhofflimmern: Wenn der Herzrhythmus gestört ist
Medizin
Vorhofflimmern ist die Herz-Rhythmus-Störung, die nicht selten zu einem Schlaganfall mit bleibender Behinderung führt – „und damit zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität“, warnt Dr. Berndt, Kardiologe am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft. Fünf Prozent der über Sechzigjährigen leiden...
Remblinghauser Dorfchronik bietet ein Stück Heimat
Geschichte
Petra Hanses möchte mit dem Verkauf der Dorfchronik von Ludwig Kortenkamp die Erneuerung des Dorfmittelpunkts finanzieren.
Fotos und Videos
Open Air
Bildgalerie
Fotostrecke
Vogelschießen
Bildgalerie
Fotostrecke
Achim Sander ist König in Kirchrarbach
Bildgalerie
Schützenfest
Schützenkaiser Ralf Gerke-Cantow
Bildgalerie
Schützenkaiser