Musikbildungszentrum in Bad Fredeburg wird im Juli eröffnet

Rechte Winkel gibt es an den Wänden  im großen Konzertsaal des Musikbildungszentrums nicht - so wird die Akustik gut. Auf unserem Bild probt das West Lothian Schools Guitar Orchestra unter der Leitung von  Paul Devery.
Rechte Winkel gibt es an den Wänden im großen Konzertsaal des Musikbildungszentrums nicht - so wird die Akustik gut. Auf unserem Bild probt das West Lothian Schools Guitar Orchestra unter der Leitung von Paul Devery.
Foto: Uli Hoffmann
Was wir bereits wissen
Chöre, Musikvereine und Bands haben jetzt ein Haus. Im Musikbildungszentrum Südwestfalen können sie künftig unter besten Bedingungen proben.

Bad Fredeburg.. In keiner anderen Region NRWs machen so viele Menschen Musik wie in Südwestfalen. Die zahlreichen Chöre, Musikvereine und Bands haben jetzt ein neues Zuhause. Das Musikbildungszentrum Südwestfalen in Bad Fredeburg wird am 3. Juli feierlich eröffnet.

Das Haus soll als kultureller Leuchtturm weite Strahlkraft entwickeln. Denn es setzt von den akustischen Bedingungen und der Ausstattung her höchste Maßstäbe. Die Nachbarn rund um den Johannes-Hummel-Weg brauchen übrigens keine Angst zu haben. Bis zu drei Orchester, Chöre oder Gruppen können hier gleichzeitig proben, ohne dass sie sich gegenseitig stören - und draußen hört man ebenfalls nichts.

Raum-in-Raum-Lösung

Das Schlüsselwort dafür lautet Schallentkopplung. Architekt Andreas Stoppacher aus Hilchenbach hat Konzertsaal, Kammermusiksaal, Chorsaal, Bandraum und zwei der zehn Probenräume in einer Raum-in-Raum-Lösung realisiert. Vor den massiven Wänden steht eine Stahlkonstruktion auf Schwingungsdämpfern, in die Schallentkopplungsplatten eingehängt wurden. Diese trennen den akustisch wirksamen Raum vom tragenden Raum. Viele weitere Kunstgriffe sorgen für perfekte Bedingungen. Stoppacher: „Musik erzeugt Schwingungen. Deshalb gibt es keine rechten Winkel. Auch die Wandelemente in sich sind noch einmal geneigt.“

Klavierfestival Geschäftsführer Uli Hoffmann ist besonders stolz auf die variable Akustik der Säle. Vorhänge sorgen, wenn zugezogen, für eine Bedämpfung und können im Konzertsaal die Nachhallzeit von 1,6 Sekunden auf 0,8 Sekunden verkürzen. Hoffmann: „Mit einer so kurzen Akustik kann ich außergewöhnlich tief reinhören in Intonation und Phrasierung. Hall verschönt, trägt, macht größer. Mit einer kurzen Akustik kann man dagegen präzise analysieren, wie man spielt.“

„Wenn man unten in den Maschinenraum schaut, kriegt man ein Gefühl dafür, was hier an Technik hinter den Decken steckt“, lobt Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe den Bau. Im Zeitalter leerer kommunaler Kassen mag es überraschen, dass ein so großes Projekt ausgerechnet im Kulturbereich realisiert werden kann. Warum steht die Gemeinde dahinter? Halbe: „Wir haben Mut. Wir machen uns ja auch Sorgen, aber manchmal muss man eben eine wichtige Entscheidung treffen, um eine Entwicklung in Gang zu setzen. Kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche, das ist es, wofür mein Herz schlägt.“

Sinfoniekonzert H SK-Kulturbüroleiter Georg Scheuerlein gehört zu den Initiatoren des Musikbildungszentrums, das als Belegakademie für die Laienmusik in der Region funktioniert. Doch das allein wäre verschenkt. Scheuerlein: „Die Akademie wird auch ein inhaltliches Profil brauchen. Da gibt es Bereiche, die hoch spannend sind. Wir werden, angeregt durch Berichte in der WP, in diesem Jahr zum Beispiel erstmals Hochleistungssportler vom Olympiastützpunkt Westfalen in Winterberg und Hochleistungsmusiker in Bad Fredeburg zusammenbringen, um zu diskutieren, was Musiker von Sportlern lernen können.“ Ein Förderverein soll die inhaltliche Gestaltung tragen.

Vier Flügel und eine Harfe

Obwohl der Altbau mit seinem Übernachtungsbetrieb derzeit noch saniert wird, sind ohne große Werbung bereits 13.000 Anmeldungen für das Jahr 2015 gebucht. Ab 15.000 Gästen trägt sich das Musikbildungszentrum selber, und so ist es vorgesehen.

Ein komplettes Sinfonieorchester-Instrumentarium steht den Musikern zur Verfügung, dazu kommen vier Flügel und eine Harfe. Posaunenchöre, Spielmannszüge und Gesangvereine aus ganz Südwestfalen haben sich bereits eingeschrieben. Auch die Profis horchen auf. Die Musikhochschule Düsseldorf wird Meisterkurse absolvieren, das Landesjugendorchester ist nach dem ersten Besuch zweimal wiedergekommen. Uli Hoffmann: Das zieht schon weite Kreise.“
www.mbz-suedwestfalen.de