„Motivierte Frauen gehen für den Arbeitsmarkt im HSK verloren“

Die Tagesmutter liest  vor. Im HSK fehlen Tagemütter für die Randzeitenbetreuung.
Die Tagesmutter liest vor. Im HSK fehlen Tagemütter für die Randzeitenbetreuung.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Im HSK fehlen Tagesmütter, die die Randzeitenbetreuung gerade auch für ältere Kinder übernehmen.

Meschede..  Raus aus Hartz IV, endlich ein richtiger Job, eigenes Geld – für viele alleinstehende Frauen mit Kindern ist das ein Ziel. Doch es scheitert an der Kinderbetreuung vor allem in den Randzeiten, also bevor der Kindergarten oder die Schule sich kümmern können – und wenn die Einrichtungen am Nachmittag schließen. „Dafür brauchen wir dringend Tagesmütter“, appellieren Karin Liefländer vom kfd-Tagesmütterverein, Michaele Seidel von der Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte und Familienplanung der Diakonie sowie Brigitta Staudinger vom Berufsfortbildungswerk (bfw) des DGB in Enste. Sie sind überzeugt, dass es viele Frauen gibt, die für dieses Arbeitsmodell in Frage kommen, es aber noch nicht sehen.

„Tagsüber ist das relativ gut geregelt“

Brigitta Staudinger leitet beim bfw eine Maßnahme zur beruflichen Wiedereingliederung Alleinerziehender. „Die Frauen kommen freiwillig. Sie sind hochmotiviert und wollen nach der Elternzeit zurück in den Beruf.“ Das bedeute für sie gesellschaftliche Anerkennung und deutlich mehr Geld. „Wir stoßen dann aber trotzdem oft auf einen Berg von Problemen“, berichtet Brigitta Staudinger. Neben fehlender Ausbildung, Zeugnissen, die nicht anerkannt werden und Schulden gehört eben auch die Kinderbetreuung in den Randzeiten zu den Hindernissen.

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„Tagsüber ist das relativ gut geregelt.“ Aber leider biete der Arbeitsmarkt gerade Frauen, die wiedereinsteigen wollen, vorwiegend Schichtmodelle, erläutert Staudinger. Und zählt auf: Jobs in der Kranken- und Altenpflege, in der Küche, in Bäckereien, der Gastronomie und im Verkauf.

Auch Michaele Seidel kennt das Problem, sie arbeitet in der Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie und betreut das Mütter-Café. Vor allem Alleinerziehende fragen sich, wie sie ohne Mann und Großeltern vor Ort die Kinder in den Randzeiten betreuen sollen. „Das spielt eben auch eine Rolle bei der Entscheidung, ein Kind zu behalten oder abzutreiben.“

Seidel und Staudinger sind überzeugt, dass durch solche Probleme viele motivierte Frauen dem Arbeitsmarkt verloren gehen. Und Seidel betont: „Ist das alles gut geregelt, ist das auch eine Erleichterung für den Arbeitgeber.“

Betroffen sind vor allem Mütter von Jungen und Mädchen, die älter als drei Jahre sind. „Jüngere Kinder haben sowieso Anspruch auf eine Tagesmutter, die meist auch die Randzeiten übernimmt“, erläutert Karin Liefländer. Diese Tagesmütter hätten aber in der Regel keine Kapazitäten, auch noch die Größeren zu versorgen, im Bedarfsfall in den Bus zu setzen oder sogar mit dem Auto zum Kindergarten zu bringen oder abzuholen.

Also sucht Karin Liefländer jetzt einen ganz besonderen Typ Tagesmutter: Jemand, der sich gern um diese älteren Kinder in den Randzeiten kümmern würde.

In einem Fall hat es jetzt geklappt: Eine Mutter, die die Wiedereingliederungs-Maßnahme von Brigitta Staudinger besuchte, bekam eine Stelle in der Küche der Elisabeth-Klinik in Olsberg. Eine ehemalige Nachbarin versorgt jetzt deren Sohn.

Karin Liefländer: „Die Frau hat selbst schon große Kinder, die morgens selbstständig das Haus verlassen. Die Früh-Rentnerin kann sich über die Randzeitenbetreuung Geld dazuverdienen und die Mutter beruhigt arbeiten gehen. Nur: Davon bräuchten wir deutlich mehr.“