Mönche haben ein offenes Ohr für die Menschen

Die Äbte: Abt Rabanus Petri (Schweiklberg), Aloysius Althaus (Meschede), Abt Wolfgang Öxler (St. Ottilien), Raphael Gebauer (St. Georgenberg-Fiecht/Tirol), Emmanuel Rutz (St. Otmarsberg), Michael Reepen (Münsterschwarzach).
Die Äbte: Abt Rabanus Petri (Schweiklberg), Aloysius Althaus (Meschede), Abt Wolfgang Öxler (St. Ottilien), Raphael Gebauer (St. Georgenberg-Fiecht/Tirol), Emmanuel Rutz (St. Otmarsberg), Michael Reepen (Münsterschwarzach).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die europäischen Äbte der Missionsbenediktiner treffen sich der Abtei Königsmünster in Meschede. Sie alle stellen fest: Das Interesse am Klosterleben wächst. Nachwuchs ist trotzdem kaum in Sicht.

Meschede..  Es gibt keine Ungläubigen. Es gibt Menschen, die sich in den Ritualen beispielsweise einer Kirche bewegen. Und es gibt die, für die die Kirche oder etablierte Religionen und ihre Institutionen keine Antworten liefern. Dass an dieser religionssoziologischen These etwas dran ist, beobachten die Benediktiner seit einiger Zeit. Die Äbte der europäischen Klöster der Kongregation der Missionsbenediktiner, zu denen auch die Abtei Königsmünster gehört, trafen sich jetzt in Meschede.

„Eingewöhnte und Suchende“ nennt der aus St. Ottilien angereiste Erzabt Wolfgang Öxler die beiden „Glaubenstypen“. Die einen fühlen sich in der Kirche wohl, die anderen nicht. Nach Spritualität suchen beide. „Jemand braucht vielleicht ein Gespräch, eine Meditation, keine Eucharistie“, sagt Öxler. Im Selbstverständnis des Ordens – Stichwort Mission – schaffen Klöster dafür Raum und Räume.

Im Mönchsleben Perspektiven sehen

Mission sei nicht das klassische Missionieren, ergänzt Prior Raphael Gebauer, Abtei St. Georgenberg-Fiecht in Tirol. Vielmehr hat der Orden ein Angebot: Menschen können sich an Mönche wenden. Dazu sind sie quasi da. Genau das meint Gebauer: „Einfach da sein, ins Gespräch kommen, sich mit dem Glauben auseinandersetzen und unsere Lebensweise kennenlernen.“ Denn auch die könne Perspektiven aufzeigen. Dazu müssten sich Klöster auch nicht verändern oder Angebote neu schaffen – sie tun das bereits seit Langem. „Wir begegnen Menschen auf der Suche.“

Trotz aller Nachwuchssorgen ist das Interesse am mönchischen Leben ungebrochen. „Viele möchten ein paar Tage im Kloster leben, an Mahlzeiten teilnehmen, im Alltag mitarbeiten“, sagt Rabanus Petri, Abt des Klosters Schweiklberg in Vilshofen an der Donau. „Das bereichert auch unsere Gemeinschaft und fördert den Austausch mit der Gesellschaft.“

Klöster breiter aufgestellt als Kirche

Gerade in Zeiten, in denen sich Kirchengemeinden zu großen Pastoralverbünden zusammenschließen müssten, der Priester immer weniger Zeit für seelsorgerliche Kernaufgaben hat, könne eine Abtei eine Konstante sein, so der Mescheder Abt Aloysius Althaus. Denn: Das Bedürfnis nach Spiritualität, nach Antworten in einer immer weniger verstehbaren Zeit, sei ungebrochen, trotz aller Kirchenaustritte. „Klöster haben immer schon ein breiteres Spektrum geboten als die Kirche“, sagt Abt Wolfgang Öxler. Und verfängt womöglich bei jenen, die die Kirche ablehnen.

In Klöstern suchen nicht nur Katholiken Rat: Alle sechs Äbte der Kongregation bekommen Anfragen quer durch Konfessionen und Religionen. In gewisser Weise nehmen Klöster gesellschaftliche Entwicklungen voraus: „Es sind Mehrgenerationenhäuser“, sagt der Münsterschwarzacher Abt Michael Reepen. „Es leben teils vier Generationen unter einem Dach, Viele erleben das heute Zuhause nicht mehr.“

Es geht nicht um Masse

Junge Männer wollen allerdings kaum noch Mönch werden. Rabanus Petri zum Beispiel hat in seinen acht Jahren als Abt noch keinen Novizen aufgenommen. Abteien geht es aber auch nicht um möglichst große Klosterbelegschaften. Sondern vielmehr um die Möglichkeit, mönchisch zu Leben, was die Brüder als Berufung sehen. Priesterseminaristen – in Europa inzwischen ebenfalls sehr selten – zögen oft die Klostergemeinschaft, die Struktur, den festen Tagesablauf, der in geistlicher Hinsicht mitunter wenig lukrativen Funktionspfarrstelle vor.