Mit den Aufgaben gewachsen
29.07.2011 | 19:18 Uhr 2011-07-29T19:18:00+0200
Grafschaft. Eine halbe Stunde Gespräch mit Dr. Dieter Köhler und man hat das Gefühl, ein Wirbelwind ist über einen hinweggefegt. Seit 25 Jahren leitet der Lungenfacharzt das Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft - Zeit für einen Rückblick.
Der agile 63-Jährige mit dem freundlichen Gesicht und dem schlohweißen Bart erinnert kein Stück an einen Mann, der sich auf den Ruhestand vorbereitet. Schon der Start des gebürtigen Marburgers in die Mediziner-Laufbahn war ungewöhnlich, denn sie begann mit einer Lehre als Radio- und Fernsehelektriker. Nach der verkürzten Ausbildung schloss sich ein Fachhochschul-Studium an. Zwei Jahre entwickelte Köhler als Ingenieur bei ITT in Freiburg u.a. elektromedizinische Geräte, bevor er sich entschloss noch ein Studium draufzusetzen: die Medizin. „Ich glaube, ich wollte einfach noch mehr - im Sinne Fausts wissen - „was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Die Medizin sei da die richtige Wahl gewesen.
Trotzdem, so sagt er im Rückblick, habe ihn das Ingenieurstudium geprägt. „Man denkt ganz anders, analytischer. Und das ist hilfreich, wenn man verschiedene Symptome zu einem Krankheitsbild zusammenführen oder neue Methoden entwickeln will.“
Sicherlich war es auch hilfreich, als er 1986 die Leitung des Fachkrankenhauses übernahm - eigentlich ein Versehen, wie er wiederum schmunzelnd zugibt. „Ich war mit 38 Jahren eigentlich noch zu jung, hatte mich gerade erst habilitiert.“ Das sah der damalige und heutige Verwaltungsleiter Werner Ernst anders. Er traf sich mit Köhler sogar in Freiburg, um ihn von dem Jobangebot zu überzeugen.
Altes Klostergelände
Die Klinik-Anlage auf dem alten Klostergelände habe ihn begeistert, die Lage - mitten im Sauerland - habe ihn aber weder angezogen noch abgeschreckt, sagt Köhler. „Ich kannte und mochte das Sauerland aus meiner Kindheit. Die katholische Jugend hatte ein Haus in Züschen, da bin ich von Marburg oft mit dem Rad hingefahren.“
Was er 1986 nicht wusste: Das Krankenhaus mit seinen 190 Angestellten hatte finanzielle Probleme: „Es gab bereits Pläne es zu schließen.“ Doch Probleme scheinen Köhler nicht abzuschrecken. „Werner Ernst und ich sind damals durchgestartet.“
Heute ist das Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft mit 380 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in der Region.
Die Klinik ist ein Akut-Krankenhaus, aber ihr Spezialgebiet sind Patienten mit einer Lungenerkrankung, einer schweren Allergie oder einer Schlafstörung. Auch die Betreuung und Entwöhnung von Patienten, die lange Zeit an Beatmungsgeräte angeschlossen waren, das so genannte Weaning, gehört zu den Aufgabenschwerpunkten.
„Jeden Tag kommt ein Hubschrauber oder Rettungswagen und bringt einen Intensiv-Patienten, der hier wieder lernen muss ohne Maschine zu atmen“, erläutert der Facharzt.
Köhler schätzt die alte Bausubstanz, in der modernstes Gerät seinen Platz gefunden hat. „Es macht Freude hier zu arbeiten.“ Doch er sagt auch: „Von den Aufgaben her ist das Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft nicht abhängig vom Standort - es könnte überall sein.“ Eher sei die ländliche, abgelegene Lage ein Nachteil.
Gut laufe die Zusammenarbeit mit dem Träger, dem Orden der Borromäerinnen. „Wir haben nicht die Auflagen, wie z. B. ein Krankenhaus das von privaten Trägern geführt wird. Die Schwestern lassen uns viel Freiraum und wir können effektiv arbeiten. Doch der karitative Geist wird gelebt und umgesetzt.“
Und diese effektive Arbeit zeigt sich auch in Zahlen: Gut 40 Millionen Euro hat das Fachkrankenhaus laut Köhler in den vergangenen 25 Jahren investiert, davon ca. 40 Prozent aus eigener Kraft.
Herausforderungen
„Ich wachse an meinen Aufgaben“, sagt Köhler, der in Winkhausen lebt und seit der Gründung des Golfplatzes diesen variantenreichen Sport zu seiner Leidenschaft gemacht hat. „Einen Tag denkt man, man beherrscht das Spiel und am nächsten Tag fühlt man sich wieder wie ein blutiger Anfänger.“ Köhler liebt diese Herausforderung.
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