Mindestlohn gefährdet Bestand des Wofi-Bades

Der Vorstand des Trägervereins vom Wofi-Bad Freienohl sorgt sich um die Zukunft des Bades: v.l. Birgit Weber, Dr. Andreas Götzen, Sabina Klasmeier,
Der Vorstand des Trägervereins vom Wofi-Bad Freienohl sorgt sich um die Zukunft des Bades: v.l. Birgit Weber, Dr. Andreas Götzen, Sabina Klasmeier,
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der ehrenamtlich geführte Trägerverein des Wofi-Bades muss rund 12 000 Euro im Jahr mehr zahlen, wenn der Mindeslohn auch für ihn als Arbeitgeber zur Pflicht wird.

Freienohl..  Der erste Schlag war die Neuberechnung der Abwasserkosten, der zweite die nötige Reparatur des Hubbodens. Doch was dem ehrenamtlichen Trägerverein des Wofi-Bades zurzeit regelrecht den Boden unter den Füßen wegzieht, ist der Mindestlohn. „Bis heute haben wir noch keine genauen Informationen, wie wir damit umgehen sollen“, sagt Sabina Klasmeier vom Vorstand des Trägervereins.

Und der Vorsitzende Dr. Andreas Götzen ergänzt: „Egal, ob die Mitarbeiter mit Herzblut bei der Sache sind und viele sogar auf das zusätzliche Geld verzichten würden, was auf keinen Fall geht, ist ein freiwilliger Verzicht.“ Dann drohe dem Verein ein Bußgeld.

30 Angestellte

Rund 30 Mitarbeiter beschäftigt der Trägerverein. Die Angestellten kümmern sich um Kasse und Service, um die Technik und um Aufsicht und Reinigung im Bad. Keiner arbeitet über 450 Euro, die meisten darunter, aber bisher erhielt niemand den Mindestlohn. Götzen hat die Kosten für die stundengenaue Abrechnung hochgerechnet: „Für uns bedeutet das eine Erhöhung um 25 Prozent - rund 10 000 bis 12 000 Euro pro Jahr.“ Allein die Übungsleiterpauschale für alle, die Kurse leiten, sei von dieser Erhöhung ausgenommen. Anfang des Jahres hat der Trägerverein eine Betriebsversammlung einberufen und die Mitarbeiter informiert. „Wir haben uns dann externen Rat geholt“, berichtet Götzen. Doch das Ergebnis bisher war negativ. Vorsorglich hat der Verein die Auszahlung des Mindestlohns offiziell gestoppt. Götzen: „Es ist leichter nachzuzahlen als zurückzufordern.“

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Lösungsmöglichkeiten sieht der Vorstand zurzeit nicht. Götzen: „Entweder muss sich jemand finden, der die Zusatzkosten als Sponsor übernimmt oder die Stadt muss einspringen, sonst gehen hier schon bald die Lichter aus.“

Denn das scheinbar Naheliegende - die Erhöhung der Eintrittspreise für die rund 30 000 Schwimmer im Jahr, will der Verein auf jeden Fall vermeiden. Zurzeit kostet eine Einzelkarte für Erwachsene 3,50 Euro, der Einrittspreis für Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) beträgt 2,50 Euro. Eine 10er-Karte für Erwachsene erhält man für 27,50 Euro, eine 10er-Karte für Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre) für 17,50 Euro.

„Wir haben viele Besucher, Familien und ältere Leute, die sich eine Erhöhung nicht leisten können“, weiß Vorstandsmitglied Birgit Weber.

Sabina Klasmeier ist überzeugt, dass es eine Ausnahmeregelung für einen ehrenamtlich geführten Verein geben muss: „Wir befinden uns in einer Grauzone!“ Sie rechnet fest damit, dass andere Vereine ähnliche Probleme haben und hofft auf einen breiten Protest Richtung Bundesregierung. „Man kann uns doch nicht auf der einen Seite als gemeinnützig anerkennen und uns auf der anderen Seite über den Mindestlohn verhaften. Ich glaube, der Gesetzgeber weiß nicht, was er uns antut.“