Metallbauerin allein unter Männern

Ann-Christin Hanses’ legte im Januar ihre Prüfung als Metallbauerin ab.
Ann-Christin Hanses’ legte im Januar ihre Prüfung als Metallbauerin ab.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
20-Jährige Schmallenbergerin ist die einzige Frau in ihrer Werkstatt. Die Schlosserei beteiligt sich auch am „Girls Day“.

Schmallenberg.. In der Werkstatt der Schlosserei Becker steht Ann-Christin Hanses im Blaumann am großen Metallbohrer – für sie Arbeitsalltag. Dabei ist ihre Berufswahl alles andere als alltäglich: Die 20-Jährige ist die einzige Frau unter zehn männlichen Kollegen. Erst im Januar hat sie ihre Prüfung zur Metallbauerin abgelegt, ebenfalls als einzige Frau in ihrem Jahrgang.

Entgegen alter Rollenbilder

Bei der Berufswahl hat sich die junge Frau nicht von eingefahrenen Rollenbildern beeindrucken lassen. Stattdessen ist sie schon während der Schulzeit ihrem handwerklichen Talent gefolgt: „Ich wollte erst Schreinerin werden, aber dann habe ich hier ein Praktikum gemacht und mich dafür eine Ausbildung zur Metallbauerin entschieden.“ Damit ist sie in die Fußstapfen ihres Vater getreten, der ebenfalls Metallbauer ist.

So selbstverständlich wie Hanses selbst nehmen allerdings nicht alle ihre Berufswahl. „Neulich kam eine Seniorengruppe zur Besichtigung in die Werkstatt – als sie gesehen haben, dass ich als Frau hier arbeite, sind sie fast aus allen Wolken gefallen“, sagt sie.

Unterstützung vom Chef

Je jünger die Personen seien, desto weniger seien sie von Frauen in traditionell männlich besetzten Berufen überrascht. Unter ihren Mitschülern in der Berufsschule etwa habe sie sich akzeptiert gefühlt. Empfindlich durfte sie allerdings auch dort nicht sein: „Man muss schon einige blöde Kommentare einstecken können.“

Unterstützung hat Hanses zum einen von Familie und Freunden bekommen, aber auch von ihrem Chef. Für ihn ist die Suche nach geeigneten Mitarbeitern längst keine Frage des Geschlechts mehr. Schon mehrere Frauen haben in der Schlosserei erfolgreich ihre Ausbildung abgeschlossen.

„Wenn Frauen sich hier vorstellen, sagen wir nicht Nein“, so Werner Becker. Auch heute, am bundesweiten „Girls Day“, wird eine Schülerin zum Schnupperpraktikum in die Werkstatt kommen.

Noch braucht es Überzeugung

„Viele andere Handwerksbetriebe sträuben sich dagegen Frauen einzustellen“, sagt Becker. „Für mich ist das unverständlich.“ Er glaube, dass sich auch andere überzeugen lassen würden, wenn sie mehr Frauen die Chance geben würde, sich zu beweisen. Zum Beispiel beim Probearbeiten – oder zu Gelegenheiten wie dem heutigen „Girls Day“, bei dem Schülerinnen Handwerksberufe testen.