Meschedes Polizeichef: "Die Gewalt nimmt immer weiter zu"

Ein Polizeibeamter wehrt bei einer Übung einen Angreifer ab.
Ein Polizeibeamter wehrt bei einer Übung einen Angreifer ab.
Foto: dpa
Meschedes Wachleiter Rudolf Figgen beobachtet zunehmende Aggression in der Gesellschaft, auch gegen die Polizei. Er befürwortet die Videoüberwachung.

Meschede.. „Vor 20 Jahren, da bot das Tragen der Uniform noch einen gewissen Schutz, heute bietet sie oft schon ein Angriffspunkt“, Rudolf Figgen ist seit 37 Jahren Polizist und seit sechs Jahren Leiter der Polizeiwache in Meschede.

Doch die Aggressivität ist nicht nur gegenüber Polizisten, sie ist überall in der Gesellschaft gestiegen, hat er beobachtet: „Jeder beharrt auf seinem Recht und glaubt es durchsetzen zu können.“ Und je jünger die Menschen seien, desto aggressiver. Die eindeutige Geste beim Überholen, das Pöbeln in der Fußgängerzone.

Beschimpfungen

Zuletzt wurde noch der Fall von zwei jungen Hitzköpfen vor Gericht verhandelt, wo die beiden sich wechselseitig erst als „Hurensohn“, dann als „Opfer“ betitelt hatten. Ohne sich zu kennen behauptet der eine mit der Freundin des anderen was gehabt zu haben. Das Ganze entstand aus einer Drängelei im Straßenverkehr. Es endete mit einem Auffahrunfall.

Gerade im Straßenverkehr nehme die Aggressivität zu, beobachtet auch Figgen. Allerdings könne die Polizei dazu keine genauen Zahlen liefern. „Vieles landet gar nicht erst bei uns“, sagt er. Autofahrer, die permanent unterwegs sind, würden darunter besonders leiden.

„Da ist der Lkw-Fahrer der nach einem langen Tag nach Hause kommt und sich dann mit jemandem streitet, der ihm die Vorfahrt genommen hat.“ Meist gebe es wechselseitige Anschuldigungen. „Die gehen dann aus, wie das Hornberger Schießen.“

Videoüberwachung

Auch die zunehmende Aggressivität gegen Sachen beobachtet er kritisch. Rudolf Figgen ist daher auch ein deutlicher Befürworter der Video-Überwachung und er bedauert, dass diese in Meschede im Rat vorerst gescheitert ist. „Niemand stört sich daran, dass Bahnhöfe überwacht werden - auch das ist öffentlicher Raum“, sagt er.

Und es wirkt, davon ist er überzeugt. Seit in Meschede im Schulzentrum nach regelmäßigen Vandalismus-Vorfällen Kameras angebracht worden seien, „ist da Ruhe.“ Dort ist es erlaubt, weil die privaten Kameras privates Gelände in den Blick nehmen.

„Das Recht auf informelle Selbstbestimmung muss neu definiert werden“, ist er überzeugt. Niemand verliere dieses Recht, nur weil eine Kamera, ihn verpixelt filme. Nur Richter, Datenschutzbeauftragter und Staatsanwalt hätten das Recht gehabt, die Filme einzusehen und nur, falls es zu einem Vorfall gekommen wäre. „Nach 24 Stunden wären alle Aufnahmen automatisch gelöscht worden.“

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