Mescheder soll Unterstützer für „Jihad“ geworben haben
14.10.2012 | 15:30 Uhr 2012-10-14T15:30:00+0200
Meschede. Der 21 Jahre alte Mann aus Meschede, gegen den die Bundesanwaltschaft Anklage wegen Internetpropaganda für ausländische terroristische Vereinigungen erhoben hat, ist im Sauerland geboren und aufgewachsen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf prüft derzeit die Anklage.
Geboren und aufgewachsen in Meschede, dort zur Hauptschule gegangen und anschließend eine Ausbildung angetreten. Der 21-Jährige hat einen Lebenslauf wie viele andere junge türkischstämmige Menschen im Sauerland. Was ihn dazu getrieben hat, radikal-islamische Botschaften im Internet zu verbreiten, das ist ungewiss. Die Bundesanwaltschaft möchte es in einem Verfahren klären lassen. Sie hat Anklage gegen ihn erhoben.
„Wir nehmen Fälle wie diesen sehr ernst“, sagt der zuständige Staatsanwalt Marcus Köhler. Die Vorwürfe sind gewichtig: Der junge Mescheder soll terroristischen Vereinigungen konkret unterstützt haben. Die Ankläger werfen ihm vor, über einen Zeitraum von zwei Jahren Terror-Anschläge verherrlicht und Botschaften beispielsweise von al-Qaida verbreitet zu haben. Das Ziel: Mitglieder und Unterstützer für den „Jihad“, den so genannten Heiligen Krieg, zu gewinnen. „Ein allgemeiner Aufruf“, sagt Köhler, „reicht für so eine Anklage nicht aus.“
Ein in sich gekehrter Mensch
Es wird das Terrorismusabwehrzentrum in Berlin gewesen sein, das den Mescheder im Internet aufgespürt hat. Er ist vernommen worden, seitdem befindet er sich auf freiem Fuß. Der 21-Jährige gilt als türkischer Staatsangehöriger, ist aber kurdischstämmig. Er wird als ein sich gekehrter Mensch beschrieben, der sich immer weiter zurückgezogen hat - ohne weitere Auffälligkeiten. Auch seine Heimatgemeinde, das kurdische „Seyh Said Camii“-Zentrum an der Briloner Straße in Meschede, gilt nicht als radikal. Die „Teilnahme an offiziellen Veranstaltungen des interreligiösen Dialogs“, wird unter den Aktivitäten der Moschee aufgeführt. Eine Stellungnahme der Verantwortlichen war allerdings nicht zu bekommen.
Der Direktor des Islam-Archivs in Soest, Muhammad Salim Abdullah hat die Anklage gegen den 21 Jahre alten mutmaßliche Islamisten aus Meschede mit Fassungslosigkeit aufgenommen. Er mahnt die islamischen Gemeinden zur Jugendarbeit.
Sauerland-Gruppe zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Männer, die in Medebach-Oberschledorn festgenommen worden waren Muhammad Salim Abdullah, Direktor des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland in Soest und Intimkenner der islamischen Gemeinschaft im Sauerland, hätte sich nach eigenem Bekunden niemals vorstellen können, dass ein laut Anklage „mutmaßlicher Werber islamistischer Gruppen“ aus einer Mescheder Gemeinde stammen könnte. Auf Abdullah, aber auch auf die Behörden wirkt der junge Mann aus dem Hochsauerland wie ein typischer Einzelfall.
Prozess gegen Sauerland-Gruppe
Der 5. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Düsseldorf unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Frank Schreiber prüft momentan, wie in allen Strafverfahren üblich, die Zulassung der Anklage. „Bis zu einem möglichen Prozessbeginn vor dem Staatsschutzsenat können sich noch einige Wochen hinziehen“, so Gerichtssprecher Klaus Schumacher.
Vor diesem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf wurden im März 2010 auch vier Angehörige der so genannten , hatten einer Zelle der Islamistischen Dschihad Union bzw. Islamischen Jihad Union (IJU) angehört. Auch Propagandamittel jener militanten Untergrundorganisation hatte der 21 Jahre alte Mescheder, gegen den jetzt Anklage erhoben wurde, auf Internetplattformen veröffentlicht.
Die Bundesanwaltschaft wirft ihm konkret die Unterstützung der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat Irak“ und Werbung um Mitglieder oder Unterstützer für weitere ausländische terroristische Vereinigungen (u.a. jene IJU) vor.