Mescheder imkert im Rollstuhl - „das geht“

Der Mescheder Michael Gerbe imkert im Rollstuhl. Die Leidenschaft für die Imkerei begleitet ihn seit seiner Kindheit.
Der Mescheder Michael Gerbe imkert im Rollstuhl. Die Leidenschaft für die Imkerei begleitet ihn seit seiner Kindheit.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Michael Gerbe hält Bienen seitdem er acht Jahre alt ist. Auch der Motorrad-Unfall , seitdem er querschnittsgelähmt ist, hält ihn nicht davon ab.

Eversberg..  Er ist ein Draufgänger, der im Sport die Gefahr und den Kitzel liebt. Doch wenn Michael Gerbe das Summen der Bienen hört, wenn der Geruch des Honigs ihm in die Nase steigt, dann ist das für ihn „Entspannung pur“, sagt der 48-jährige Mescheder. Und ergänzt breit grinsend: „Ich bin - glaube ich - deutschlandweit der einzige aktive Imker im Rollstuhl.“

Der Konstrukteur bei Martinrea-Honsel liebt den Adrenalin-Kick. Er fährt rasant Ski und Quad, ist Sportschütze, Taucher, und liebt das Fallschirmspringen. Wie passt das zur Imkerei? „Das ist doch auch ein spannendes Hobby“, sagt er und lacht.

Enduro-Rennen zu fahren - das war eine weitere Leidenschaft, bis er im Mai 1999 bei einer Trainingseinheit stürzt und seitdem querschnittsgelähmt ist. Kein Grund sein spannendes Hobby, die Imkerei, aufzugeben.

Naturliebhaber

„Die Natur, das ist doch das Allerschönste“, sagt er. Ohne Schleier oder Schutzkleidung beugt er sich über die Seite des Rollstuhls zur Seite, während die Bienen um ihn her­umschwirren und zieht eine Wabe. Hunderte kleine Insekten krabbeln betriebsam auf dem Wachs herum. „Da ist die Königin“, sagt er und zeigt auf eine größere Biene. „Ich züchte sie so, dass ihre Nachkommen möglichst zahm sind.“

Das war früher in den 80ern anders. „Da habe ich manchmal 100 Stiche bekommen.“ Schon mit acht Jahren beginnt Michael Gerbe zu imkern. Sein Nachbar August Kämper weckt in ihm die Leidenschaft. „Danach habe ich meinen Vater so lange bekniet, bis er mit mir nach Brilon fuhr und ein Bienenvolk gekauft hat.“ Mit elf Jahren tritt er in den Imkerverein Meschede ein.

Als Junge Schwärme eingesammelt

„Mit dem Fahrrad und einem Anhänger bin ich losgezogen, um Bienenschwärme einzusammeln“, berichtet er, „habe sie aus Rohren und aus hohen Tannen gefischt.“ Später hat er - zusammen mit seinem Vater - bis zu acht Außenstände, wandert früh mit seinen Bienen in trachtreiche Gebiete. „Und bis auf die Zeit direkt nach meinem Unfall habe ich nie aufgehört zu imkern.“

Sein Vater hilft ihm dabei. Aber Michaels Unfall und kurz darauf die Bienenkrankheit „Amerikanische Faulbrut“ nehmen Josef Gerbe die Freude an der Imkerei. Die Gerbes müssen alle Bienen töten und die Kästen verbrennen. „Das ist ihm richtig ans Herz gegangen.“

Nach dem Tod des Vaters ist Michael Gerbe erst unsicher, ob er es auch allein als Rollstuhlfahrer schaffen kann. „Ich hatte die Bienen an Stellen, wo man nur als Fußgänger hinkam.“ Heute weiß er: Es geht.

Mit einem geschenkten Volk beginnt er erneut zu imkern. „Und dann ist die Sache eskaliert“, sagt er und lacht dabei breit. Heute hat er wieder 25 Völker, wandert mit ihnen in den Raps und in die Weidenröschen. „Das geht aber nur, weil mir viele, vor allem aber mein Bruder Dietmar und mein Kumpel Gerd Götze helfen.“ Gerade seinem Bruder rechnet er diese Hilfe hoch an. „Er reagiert allergisch und hat deshalb großen Respekt vor Bienen“, sagt er.

25 bis 30 Kilo - so schwer wird eine Zarge - hebt Gerbe mit einem Arm. Seine Völker baut er maximal dreistöckig, damit sie nicht zu hoch werden, und er sie selbst betreuen kann. Für die Winterbehandlung holt er sie mit seinem Bruder ans Haus. „Beim Schleudern hilft mir meist jemand, ich habe das aber auch schon alleine gemacht.“

Michael Gerbe ist Imker aus Leidenschaft: „Wenn mir beim Entdeckeln eine Biene in den Honig fällt, dann rette ich sie natürlich“, sagt er. „Und immer, wenn ich aus Versehen eine zerdrücke, tut es mir selbst weh.“

Die riesige Bienen-Industrie - wie es sie in Amerika gibt - gefällt dem Naturfreund, der seine Bienen auch für die Bestäubung eines Apfelgärtchens durchs Sauerland fährt, gar nicht. „Imkerei im Rollstuhl - das geht“, sagt er überzeugt, „wenn man ein bisschen verrückt ist und Leute hat, die einem helfen.“