Mescheder Architekt baute am neuen New Yorker Wahrzeichen mit

Markus Wilmers aus Bonacker hat an der Spitze des One World Trade Centers mitgearbeitet. Vor zwei Jahren (Foto) war es noch im Bau. Jetzt ist das höchste Gebäude Nordamerikas offiziell eröffnet worden.
Markus Wilmers aus Bonacker hat an der Spitze des One World Trade Centers mitgearbeitet. Vor zwei Jahren (Foto) war es noch im Bau. Jetzt ist das höchste Gebäude Nordamerikas offiziell eröffnet worden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Markus Wilmers aus Bonacker hat am jetzt eröffneten One World Trade Center mitgearbeitet. Sein damaliger Arbeitgeber konstruierte die Spitze.

New York/Meschede.. Oh – nicht schon wieder! Aus der Ferne betrachtet die Welt mit Interesse die Eröffnung des One World Trade Center in New York und verbinden diese – 14 Jahre später – erneut mit den Anschlägen vom 11. September. Viele New Yorker, so sagt Markus Wilmers, sind des Themas überdrüssig. Für den Architekten, der aus Bonacker stammt, ist der Bau nur ein weiteres Zeichen der New Yorker Gigantomanie. Und dabei hat der 37-Jährige an der Spitze selbst mitgebaut. Von seiner Wohnung aus hat er sie sogar im Blick.

Schon seit zwei Jahren krönt die Spitze das neue Gebäude. Mit welchen Gedanken blicken Sie heute darauf?

Markus Wilmers: Es war schon eines der besonderen Projekte, an denen ich mitgearbeitet habe. Man sieht die Spitze von jeder Ecke New Yorks, vor allem nachts, wenn sie blinkt. Und sie ist immer noch der höchste Punkt Nord-Amerikas. Es macht mich schon stolz, dass ich daran mitgearbeitet habe.

Was war am Bau für das Ingenieur-Team kniffelig?

Wir mussten vor allem die Windlasten in 550 Metern Höhe einrechnen, das war eine Herausforderung. Ansonsten muss ich heute schmunzeln, wenn ich daran denke, wie viel Anstrengungen wir in Details gesteckt haben. Sehen kann das heute – in dieser Höhe – natürlich niemand. Das war alles für die Katz’.

Wie sehen die New Yorker die Eröffnung des One World Trade Centers? Verbinden sie das immer noch mit dem 11. September?

Viele New Yorker, gerade die, die dort Freunde und Angehörige verloren haben, sind genervt. 14 Jahre hat es gedauert, immer wieder scheiterte der Weiterbau am Geld und an der Bürokratie. Insgesamt sind im Ground Zero ja sieben oder acht Gebäude entstanden und zwei riesige Wasserfälle als Denkmale. Außerdem wird gerade eine neue Bahnverbindung nach New Jersey gebaut. New York boomt und platzt aus allen Nähten.

Was war Ihr letztes Großprojekt?

Für meinen letzten Arbeitgeber habe ich an einem Turm auf der 57. Straße gebaut. Das wird das höchste Wohngebäude der Welt. Allerdings wahrscheinlich nur für ein Jahr, dann soll das Nebengebäude 50 Meter höher sein. Die New Yorker nennen die Straße nur noch „Billionaire Avenue“. Alle Gebäude sind riesig hoch und die Wohnungen für Normalverdiener mit bis zu 175 Millionen Dollar unbezahlbar. Ein Drittel der Wohnungen sind reine Spekulationsobjekte für reiche Chinesen, Russen oder Europäer, sie stehen ständig leer. Die New Yorker sind nicht gut darauf zu sprechen. Sie werden für bezahlbaren Wohnraum immer weiter aus der Stadt herausgedrängt und der alte Charme der Stadt geht verloren. Das ist nervig.

Noch mal zurück zum One World Trade Center: Wissen Sie schon, ob Sie es sich ansehen und mit wem?

(lacht) Ehrlich gesagt, habe ich es in den vergangenen sieben Jahren nicht mal auf die Freiheitsstatue geschafft. Das sind Touristenprojekte. Aber doch, ich werde es mir ansehen. Denn so hoch war ich noch nie. Wenn Familie oder Freunde aus Deutschland kommen, könnte das ein Anlass sein.