Meschede liegt in Trümmern

Meschede..  Heute vor 70 Jahren, nachmittags um 14 Uhr, griff ein alliierter Bomberverband Meschede an. In kürzester Zeit war die Innenstadt ein tobendes Flammenmeer. Mehr als 219 Häuser mit 400 Wohnungen wurden vollständig vernichtet. Menschen, die vor dem Feuer auf den Krankenhausberg geflohen waren, sahen mit Entsetzen, wie auch die St.-Walburga-Kirche den lodernden Flammen zum Opfer fiel. Bei dieser und den folgenden Bombardierungen verloren mehr als 100 Menschen ihr Leben, die Stadt Meschede wurde zu 75 Prozent zerstört.

Gegen 14 Uhr: Fliegeralarm

Annemarie Dahmen (91), Kirchenchormitglied seit 1972, erinnert sich: „Ich werde nie vergessen, wie während meiner Bürotätigkeit bei der Firma Honsel gegen 14 Uhr erschreckendes Sirenengeheul ertönte: Fliegeralarm! Weil die Honsel-Werke wegen ihrer Rüstungsindustrie im Visier der Zerstörer standen, stürzten meine Kollegin Hanna Becker und ich kopflos aus dem Gebäude. Hanna, die in Freienohl wohnte, hatte von der Firma Honsel einen Raum im Horst-Wessel-Haus in der Steinstraße zur Verfügung gestellt bekommen. Die tägliche Fahrt mit dem Zug von Freienohl nach Meschede wäre wegen der Fliegerangriffe zu risikoreich gewesen.Wir liefen so schnell es ging dorthin. Heil angekommen, kauerten wir auf dem Bett und hörten schon die Flieger anrücken. Dann fielen die Bomben, eine furchtbare Geräuschkulisse. Die Wände wackelten und die Deckenleuchte fiel herunter; Rauch erfüllte den Raum.“

Dahmen berichtet weiter: „Nach kurzer Pause öffneten wir das Fenster und rannten durch Trümmer und Flammen zum Hagenweg, wo der nächste Bunker war. Da trafen wir auf viele verängstigte Personen, die auf Entwarnung warteten. Nach dem Verlassen des Bunkers schlugen uns dichte Rauchschwaden und Chaos entgegen. Man konnte nur Umrisse in der schlechten Sicht erkennen. Ich wollte nur sehen, ob unser Haus auf der Karolingerstraße, damals Norbert-Norkus-Straße, noch stand; es war unmöglich. Dann habe ich die nächste Strecke vom Hagenweg, Arnsberger Straße, Ottobrücke (die Ruhrbrücke war zerstört), Warsteiner Straße, Hardtstraße zu unserer Straße genommen: Unser Haus hatte einen Volltreffer bekommen und war bis auf die Kellerräume zerstört, worin meine Schwester Käthe - wie durch ein Wunder - den Angriff überstanden hatte. Ich fühlte mich verlassen und leer!“

Ihre Mutter und die jüngste Schwester Agnes waren in die Deitmecke gerannt und fast bis Eversberg gekommen; sowohl sie als auch ihr Vater kehrten unversehrt heim. Die weitere Erinnerung: „Am Abend, nachdem wir ausgebombt waren, haben uns Alfred Kliem und seine Frau Lena in ihrem Haus in der Hünenburgstraße Obdach gewährt. Am nächsten Tag begann mein Vater, Werkmeister bei den Honsel-Werken, mit den Aufräumungsarbeiten; dafür hatte ihm die Firma einige Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt. Völlig ausgebombt, konnten wir vorübergehend bei meiner Tante Fina und Onkel Anton Kemper in Frielinghausen auf ihrem Bauernhof wohnen.“

„Wir doch alle am Leben geblieben“

Annemarie Dahmen erinnert sich auch den Satz ihrer Mutter: „Auch wenn wir alles verloren haben.... wir sind doch alle am Leben geblieben!“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE