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Meschede: Bombenköpfe klingen für den Frieden

19.03.2016 | 10:00 Uhr
Meschede: Bombenköpfe klingen für den Frieden
Ein weiteres Projekt der Stadtgespräche nimmt Gestalt an: Josef Sommer errichtet mit Unterstützung von Sponsoren ein Kunstprojekt: Ehemalige Bombenköpfe klingen für den Frieden.Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.   Für ein außergewöhnliches Mahnmal hat sich eine außergewöhnliche Allianz aus Handwerkern, Sponsoren, Kirchenvertretern und Sponsoren gefunden.

Ihr Klang ist durchdringend - das muss er auch sein. Denn diese Glocken aus ehemaligen Bombenköpfen sollen für den Frieden klingen als Mahnmal und künstlerische Bereicherung des Henneboulevards.

Josef Sommer ist der Initiator. Im Urlaub in Oberbayern sah der Mescheder ein ähnliches Mahnmal. „Dass das Bombenköpfe sind, habe ich erst durch die Tafel verstanden, die dazu aufgestellt war.“ Eine schöne Idee für Meschede, habe er damals gedacht.

Zurück im Sauerland begann er herumzutelefonieren und Unterstützer zu suchen. Im Munitionszerlegebetrieb in Hünxe fand er die entsprechenden Bombenteile. Dort werden immer noch jedes Jahr hunderte Bomben zerlegt. 800 000 Fliegerbomben wurden im Zweiten Weltkrieg allein über dem Ruhrgebiet abgeworfen, 20 Prozent davon - so schätzen Experten - explodierten nicht. Sie werden bis heute nach und nach aus der Erde gezogen, entschärft und entsorgt.

Als Josef Sommer zum ersten Gespräch nach Hünxe kam, waren die drei Container auf dem Zerlegebetrieb gerade leer. „Wir melden uns“, versprach man ihm dort. Vier Wochen später waren die Container wieder voller NRW-Bomben, und Sommer konnte vier Bombenköpfe mitnehmen. „Nicht einfach so, natürlich“, sagt er und schmunzelt über die deutsche Bürokratie. „Das sind jetzt Dauerleihgaben des Landes NRW.“ Und das obwohl man Hünxe die Teile sowieso nur verschrottet hätte.

Unterstützer schnell gefunden

Geld kosten die „Glocken“ also erstmal nicht. Aber der Initiator brauchte trotzdem Mitstreiter, die sein Projekt ideell, finanziell und handwerklich begleiten und unterstützen. Ein Platz musste gefunden werden, eine Tafel soll erstellt werden und die Glocken brauchen einen Unterstand, in dem sie - jede immerhin rund 50 Kilogramm schwer - hängen sollen.

„All’ das klappte erstaunlich problemlos“, freut er sich. Es fand sich schnell eine Koalition aus bürgerschaftlichem Engagement. Bei den Mescheder Stadtgesprächen, bei der Bürgerstiftung und auch bei der Stadtverwaltung lief Sommer offene Türen ein. „Es war überhaupt kein Problem, die entsprechenden Unterstützer zu finden“, freut sich auch Jörg Hohmann vom Stiftungsvorstand. Raphael Rickes übernimmt nun die Metallarbeiten an den Glocken, damit alle einen eigenen Klang bekommen, Michael Wiese baut das Holzständergerüst, Dietmar Blome deckt das Dach und Silke Sauer von Sauer und Sommer sorgt mit dem Fundament für einen festen Stand.

Heinz Hiegemann von der Stadtverwaltung schlug den Standort vor: direkt gegenüber der Schule Unter dem Regenbogen an der Ecke Rautenschemm/Schlotweg. „Das passte gut“, erläuterte er. „Wir waren dort sowieso auf der Suche nach einem verbindenden Element für den Henneboulevard.“ Auf der Hinweistafel soll nun auch die Geschichte der alten Wollfabrik erläutert werden, die früher dort an der Kleinen Henne stand.

500 Euro für das Projekt kamen allein beim „kreuz-und-quer“-Gottesdienst im Kirchenzentrum zusammen, wo Josef Sommer sein Projekt bereits vorgestellt hat.

Beeindruckt hat alle Beteiligten der Hinweis an den Glocken, die als Vorbild dienen: „Geschaffen um zu töten, klingen wir heute für den Frieden in der Welt.“ Ein Mahn-Spruch, das wurde beim ersten gemeinsamen Termin am neuen Standort deutlich, der allen Beteiligten - auch angesichts der Bedrohungen und kriegerischen Auseinandersetzungen, an denen auch Deutschland beteiligt ist - wichtig ist.

Größter Rüstungsexporteur

Sie wollen ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und, so betont Maria Gierse von Pax Christi, auch daran erinnern, dass Deutschland zu den weltweit größten Rüstungsexporteuren gehört. „Früher wurden Kirchenglocken zu Bomben eingeschmolzen, jetzt machen wir es mal andersherum“, sagt Josef Sommer. Und Jörg Hohmann ergänzt nachdenklich: „Krieg kennt nur Verlierer und wir leben alle davon, dass Frieden herrscht.“

Ute Tolksdorf

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