„Mehr Frauen greifen zur Zigarette“

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Immer mehr Frauen sterben im Hochsauerlandkreis an den Folgen des Rauchens. War lange Zeit Brustkrebs der Tumor, an dem die meisten Frauen starben, ist es heute nach Daten des deutschen Krebsforschungszentrums Lungenkrebs.

Grafschaft..  Dass sich dieser Anstieg in den nächsten Jahren fortsetzen wird, davon ist Dr. Peter Haidl, Chefarzt der Abteilung Lungen- und Bronchialheilkunde im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, überzeugt.

Frage: Wie erklärt sich dieser Anstieg?

Dr. Peter Haidl: Durch das veränderte Rauchverhalten der Frauen. Seit 20 bis 30 Jahren greifen immer mehr Frauen regelmäßig zur Zigarette. In dieser Zeit emanzipierten sich die Frauen, rückten dadurch auch in der Werbung stärker in den Mittelpunkt und fingen vermehrt an zu rauchen. Die gesundheitlichen Folgen zeigen sich heute in Form von bösartigen Lungentumoren. Da die Zahl der Raucherinnen zugenommen hat, werden auch die Tumorerkrankungen zunehmen oder zumindest das aktuelle Niveau halten.

Männer erliegen wieder seltener dem Lungenkrebs. Sind Frauen anfälliger oder rauchen mehr Frauen als Männer?

Frauen sind sehr wahrscheinlich anfälliger für Lungenkrebs als Männer. Es gibt einen weiteren Unterschied: 90 Prozent der an Lungenkrebs erkrankten Männer sind oder waren Raucher. Bei Frauen sind es etwa 65 Prozent. Es erkranken also mehr Nichtraucherinnen an Lungenkrebs als Nichtraucher. Bestätigungen über eine genetische Veranlagung liegen allerdings (noch) nicht vor. Zwar rauchen mehr Frauen als früher, aber insgesamt rauchen heute nicht mehr Frauen als Männer. Bei Jugendlichen rauchen bei beiden Geschlechtern etwa gleich viele. Hier ist aber ein deutlicher Rückgang zu vor zehn Jahren zu verzeichnen.

Wirken da die Nichtraucherschutzgesetze und reichen sie, um junge Menschen vom Rauchen abzuhalten?

Die Gesetze zum Nichtraucherschutz sind sehr sinnvoll. In der Werbung wurde lange eine Assoziation von Rauchen mit Gemütlichkeit und Freiheit genutzt. Dadurch war Rauchen sehr positiv besetzt. Heute findet ein Umdenken statt, so dass vermehrt die ausschließlich negativen Folgen des Rauchens herausgestellt werden. Doch gerade für junge Menschen zählt auch die Vorbildfunktion der Eltern. Wenn die rauchen, haben die Kinder meist schlechte Karten.

Wenn man heute aufhört zu rauchen, wann hat sich der Körper davon erholt?

Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken sinkt nur langsam. Wer 20 Jahre geraucht hat, braucht auch 20 Jahre, bis das Risiko wieder bei dem eines Nichtrauchers liegt. Dennoch ist es nie zu früh und nie zu spät aufzuhören.

Wie einsichtig sind die Raucher, aufzuhören, wenn der Lungenkrebs diagnostiziert ist?

90 Prozent hören sofort auf zu rauchen. Die brauchen dann auch kein Rauchentwöhnungsprogramm. Bei manch anderen ist die Sucht zu stark. Und obwohl die Prognosen beim Lungenkrebs bescheiden sind, kann es sich trotzdem begünstigend auf den Krankheitsverlauf auswirken. Wenn der Patient die nötige Motivation mitbringt, kann die Sucht mit Nikotinersatz behandelt werden. Pflaster zum Beispiel. Doch muss klar sein, dass jeder Ersatz nicht langfristig konsumiert werden sollte, sonst bleibt die Sucht nach Nikotin bestehen. Auf www.dkfz.der können Motivierte über einen Test den Grad der eigenen Nikotinabhängigkeit erfahren.

Laut Landesamt für Statistik erlagen im HSK 1998 noch 27 Frauen dem Kehlkopf-, Luftröhren-, Bronchien- oder Lungenkrebs.

2013 waren es bereits 36 – eine Steigerung von 33,3 Prozent.

Die Zahl der an diesen Krebsarten verstorbenen Männer sank im gleichen Zeitraum um 25 Prozent.

Allerdings ist die Zahl der Männer, die an Raucherkrebs starben, mit 90 im Jahr 2013 noch immer deutlich höher als die Anzahl der Frauen.